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Stadt Neubulach regelt landwirtschaftliche Pachtverhältnisse neu. Diskussion um Ökologie

Im Neubulacher Gemeinderat wurde rege über ökologische Landwirtschaft diskutiert. Auslöser war die Neuregelung der Pachtverhältnisse. Am Ende einigt man sich auf einen finanziellen Anreiz.

Neubulach. Die "Neuverordnung der landwirtschaftlichen Pachtverträge" versprach auf den ersten Blick nicht unbedingt das spannendste Thema im Neubulacher Gemeinderat zu werden. Doch dann entzündete sich an der Ausarbeitung einer Expertengruppe eine Diskussion über die Grundsatzfrage, ob man ökologische Landwirtschaft fördern sollte oder nicht. Und wenn ja, wie?

Die Saat für die fruchtbare Diskussion brachte zunächst Bürgermeisterin Petra Schupp aus: Letztmalig habe man die Pachtverhältnisse 2016 geregelt und jetzt bemängle auch noch die GPA (Gemeindeprüfanstalt Baden-Württemberg), dass die Pachterlöse im Vergleich zu anderen Kommunen zu gering seien. Man muss also was tun in der Bergwerksstadt. Daher gründete man einen Arbeitskreis auf Gemeinderatsebene und nahm sich des Themas an.

Herausgekommen sind im Grunde zwei neue Preise. Flächen mit einer Größe bis 0,2 Hektar bleiben pachtfrei. Wiesen über 0,2 Hektar kosten ab sofort 50 Euro, Äcker 150 Euro je Hektar. Bei den Beratungen habe sie da schon etwas die Schwäbin gegeben, scherzte Schupp: Ursprünglich hätte sie gesagt, dass auch für kleine Flächen rund zehn Euro fällig werden sollten. Getreu dem schwäbischen Motto "Was nix koschd, isch nix wert". Doch davon sei man dann im Arbeitskreis wieder abgekommen.

Denn die Gefahr bestehe, dass die Pächter, die aktuell einen kleinen angrenzenden Streifen Wiese einfach mitmähen, das dann nicht mehr tun würden. "Dann stehen wir als Stadt an der Wand und müssen es selber machen oder teuer vergeben", erklärte die Bürgermeisterin.

Stadtrat Andreas Blaurock hatte nichts gegen das neue Pachtwerk. Ihn "wundert" aber, dass "wir keine ökologische Bewirtschaftung ­verlangen".

Man müsse die Landwirte dazu bringen, "neu zu denken", so seine Forderung. Ratskollege Reiner Stoll ließ einfließen, man könne doch die Preise anders gestalten, wenn anders bewirtschaftet werde.

Eine Festschreibung der ökologischen Bewirtschaftung sah Ratsmitglied Andreas Kubesch hingegen schwerlich umsetzbar: "Wir haben zu viele kleine Flächen mit vielen verschiedenen Pächtern, da sollten wir andere Hebel dafür nutzen." Das sei aus Sicht von Kubesch ein ganz eigenes Thema.

Jonas Nothacker, der im Arbeitskreis vertreten war, betonte, dass man sich dort natürlich auch mit dieser Frage auseinandergesetzt habe. Und zum Schluss gekommen sei, dass eine solche Festschreibung nicht machbar sei. Man könne ja auch nicht mal eben das ganze Bewirtschaftungskonzept umkrempeln – das koste die Landwirte Unsummen an Geld und sei obendrein teils gar nicht machbar. "Das ist nicht handhabbar oder kontrollierbar", lautete Nothackers Fazit.

Doch Kollege Blaurock ließ nicht locker, kämpfte wie ein Löwe für eine wie auch immer geartete Verankerung der ökologischen Bewirtschaftung in den neuen Regularien. "Wir müssen als Stadt ein Zeichen setzen, damit auch unsere Kinder noch gutes Grundwasser haben", meinte er. Ratskollege Norman Schroth ergriff dann Partei für die Landwirte und stellte klar: "Man kann denen ja nicht unterstellen, dass da hemmungslos gespritzt wird." Überhaupt seien all diese Spritzmittel zugelassen, so Schroth weiter.

Bernd Schwarz befand, dass man immerhin über den Preis einen Anreiz zur ökologischen Bewirtschaftung bieten solle. Da war auch Ratskollege Stoll gleich dabei: "Das wäre ein Weg. Wir verharren irgendwie, uns gelingt die Wende nicht mal im Ansatz", klagte er. Natürlich könne man nicht alles ökologisch bewirtschaften, aber ein Anreiz wäre "wenigstens mal ein kleiner Schritt".

Schlussendlich war auch Bürgermeisterin Schupp von der Idee der Vergünstigung angetan, mahnte aber auch grundsätzlich an, dass man die Belange der Landwirte nicht vergessen dürfe. Man könne da auch gerne nochmals tiefer in die Materie einsteigen – mittels Klausurtagung oder ähnlichem. Lange genug beschäftige man sich damit jedenfalls schon. "Ich schaue gerade alte Beschlüsse durch und da ist mir zu dem Thema was aus dem Jahr 1975 aufgefallen", verdeutlichte Schupp, wie lange man schon an dem ganzen Thema Landwirtschaft dran sei in Neubulach.

So lange wollte das Gremium dann aber nicht warten, sodass plötzlich eine mögliche Ermäßigung von 50 Prozent in den Raum geworfen wurde. Damit waren dann alle einig. Auch Blaurock zeigte sich zufrieden: "Das ist eine gute Idee, dann schauen wir in ein paar Jahren, wie viele es angenommen haben."

Die genannten Preise werden also für diejenigen Pächter, die ökologisch bewirtschaften, um 50 Prozent reduziert. Eine Klarstellung war Schupp aber noch wichtig: "Das ist keine Bedingung, sondern eine Vergünstigung." Soll heißen: Auch ein nicht ökologisch wirtschaftender Pächter bekommt das Stück Wiese oder Acker – nur zahlt der dann den normalen Preis.

Der Gemeinderat stimmte dem entsprechend geänderten Beschlussvorschlag dann auch einstimmig zu.