Nur wenige Klingelschilder sind in diesem Mehrfamilienhaus in den Villinger Quartier belegt – ein Großteil der Neubauwohnungen steht leer. Foto: Marc Eich

Auch in VS ist die Rede von großer Wohnungsnot. Da überrascht der Blick auf ein großes Neubauprojekt in Villingen: Hier stehen reihenweise Wohnungen leer. Woran liegt’s?

November 2023 beim Richtfest des Park Quartetts auf dem ehemaligen Saba-Areal in Villingen. Strahlende Gesichter angesichts von vier neuen Mehrfamilienhäusern mit 128 Wohneinheiten – modern, fußläufig zur Innenstadt. Gebaut hat sie Ten Brinke, um sie anschließend an einen Investor zu verkaufen.

 

„VS braucht Wohnungen – jede weitere ist notwendig, um den Markt zu beruhigen“, erklärte Bürgermeister Detlev Bührer. Wohlwissend, dass auch in der Doppelstadt Wohnraum schwer gefragt ist. Doch das Bild, das sich derzeit im Park Quartett zeigt, spricht eine andere Sprache. Schätzungsweise 80 Prozent der neuen Wohnungen, die seit Frühjahr 2025 angeboten werden, haben derzeit keinen Mieter.

Die Balkone und Terrassen der meisten Wohnungen sind leer. An den Briefkästen stehen nur vereinzelt Namen. Menschen sieht man hier in der Wohnanlage nur wenige. Es wirkt fast ein wenig gespenstisch. Dabei wirbt man auf der zugehörigen Internetseite zur Vermarktung der Objekte mit „modernstem Komfort, Einbauküche und Energieeffizienz“ – inklusive Vinyl-Fußboden, elektrischen Fensterläden, Fußbodenheizung, Terrasse oder Balkon, Aufzug und bodentiefen Fenstern.

Wieso will hier denn trotzdem fast niemand wohnen? Unsere Redaktion trifft auf ein Pärchen, das sich gerade zu einer Gassirunde mit seinem Hund aufmacht. Wir haken nach und wollen von den Bewohnern wissen, warum so viele Wohnungen leer stehen. Das Paar schaut sich etwas hilflos an und antwortet dann: „Das können wir uns auch nicht erklären.“

Mietpreise sind im ortsüblichen Durchschnitt

Sie hätten hier in Villingen-Schwenningen eine Wohnung gesucht, in anderen Städten und Gemeinden sei man nicht fündig geworden. „Die Preise sind aus unserer Sicht normal. Und wir konnten hier mit unserem Hund einziehen.“ Ist es denn nicht komisch, dass man hier in einer fast leeren Wohnanlage lebt? „In unserem Haus wohnen noch vier andere – wir fühlen uns wohl“, sagen sie und lächeln.

Könnte es dennoch am Preis liegen? Unsere Redaktion pickt sich eine Vergleichwohnung heraus: Erdgeschoss, drei Zimmer, 90 Quadratmeter Wohnfläche – 1085 Euro Kaltmiete zuzüglich 355 Euro Nebenkosten. Ergibt einen Quadratmeterpreis für die Kaltmiete von 12,06 Euro. Der Online-Mietspiegel der Stadt gibt an, dass dieser für die Wohnlage, das Baujahr und die Ausstattung der Wohnung mit wenigen Cent Abweichung im Durchschnitt der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt.

Im Durchschnitt 12,71 Euro pro Quadratmeter

Die Auswertung der öffentlich einsehbaren Mietdaten aller 128 Wohnungen der Wohnanlage bestätigt: Die Mieten liegen im Durchschnitt nur leicht über der ortsüblichen Vergleichsmiete. So beträgt die durchschnittliche Kaltmiete 12,71 Euro pro Quadratmeter. Damit zahlen die Bewohner der Anlage im Schnitt lediglich rund 70 Cent mehr als in vergleichbarer Lage und mit dieser Ausstattung üblich.

Die Mehrheit der Wohnungen bewegt sich in einem Preisrahmen zwischen elf und 13 Euro pro Quadratmeter – größere Ausreißer sind selten. Die günstigsten Einheiten beginnen bei etwas über zehn Euro, während das obere Ende bei rund 14,50 Euro pro Quadratmeter liegt. Das ist auch exakt jene Preisspanne, die der Mietspiegel 2024 von Villingen-Schwenningen für einen solchen Standard angibt. Also scheinbar alles im Rahmen.

„Wie ein besseres Studentenwohnheim“

Es muss demnach andere Gründe für den Wohnungsflop geben. Unsere Redaktion spricht mit einer jungen Frau, die sich für eines der Objekte im Park Quartett interessiert hat. Die anschauliche Präsentation im Immobilienportal überzeugte sie – daraufhin vereinbarte sie einen Besichtigungstermin. Und zeigte sich vor Ort ernüchtert.

„Man wohnt dicht auf dicht“ – das ist der Eindruck einer Mietinteressentin. Foto: Marc Eich

Zwar gäbe es „verschiedene Wohnungsgrößen, also zwei, drei, vier Zimmer“, doch trotz unterschiedlicher Grundrisse wirkten die Wohnungen „sehr unpersönlich“. Ihr Eindruck: „Irgendwie sahen sie trotzdem alle gleich aus.“ Und obwohl die Mietpreise im Rahmen des Mietspiegels liegen, empfand die Interessentin die Kosten in diesem Zusammenhang als nicht akzeptabel: „Man wohnt dicht auf dicht – das ist eher wie ein besseres Studentenwohnheim.“

Staffelmiete als K.O.-Kriterium

Das K.O.-Kriterium waren jedoch die weiteren Mietbedingungen. Denn geregelt ist eine Staffelmiete. Heißt: Die Miete wird in festgelegten Zeitabständen automatisch erhöht. Bei den jetzt angesetzten Kosten wäre es langfristig demnach nicht geblieben. Für die junge Frau war damit klar: Das Park Quartett kommt nicht in Frage.

Und was sagen die Verantwortlichen des Quartiers zur schwachen Nachfrage bei den Mietwohnungen? „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns dazu aktuell nicht äußern möchten“, heißt es von einer Sprecherin der Eigentümergesellschaft. Offen bleibt deshalb auch die Frage, worin man die Gründe für den Wohnungsflop sieht und wie man die Nachfrage erhöhen möchte.