Mit zwei Projekten will die Stadt Lörrach in Zeiten von Flächenmangel Wohnraum schaffen.
Neue Baugebiete auf der Grünen Wiese wird es in Lörrach kaum mehr geben, die Flächenreserven sind weitgehend ausgeschöpft. Die Stadt muss nach innen wachsen und nimmt dafür zwei Projekte in Angriff.
Das Neubaugebiet Belist am Ortsrand von Haagen wurde in diesem Sommer fertiggestellt und im Stadtteil Brombach biegt die Planung für das Gebiet Bühl II so langsam auf die Zielgerade ein. Danach ist erst einmal Schluss, weitere Baugebiete in Stadtrandlagen hat Lörrach aktuell nicht mehr in der Pipeline, sieht man einmal von der umstrittenen Arrondierung Tumringen-Nord und vom Gebiet Neumatt-Brunnwasser ab. Letzteres stellt ohnehin einen Sonderfall dar, weil diese Fläche zwischen Haagen und Hauingen doch mehr innerörtlichen Charakter hat und weil offen ist, wie viel Platz für eine Wohnbebauung nach der Klärung des Platzbedarfs für die Feuerwache und für sportliche Zwecke überhaupt noch bleibt.
Krankenhausareal und Zollquartier
Soll Lörrach weiter wachsen, dann braucht es also Innenentwicklung. Die Gestaltung des derzeitigen Krankenhaus-Areals und ein Neubauvorhaben des Bundes direkt bei der Grenze zur Schweiz sind zwei aktuelle Beispiele dafür. In beiden Fällen hat der Gemeinderat jetzt grünes Licht für die Erarbeitung einer städtebaulichen Rahmenplanung gegeben.
Dass sich Lörrach im Standortwettbewerb für das neue Kreisklinikum durchgesetzt hat, stellt nicht nur hinsichtlich von Zentralität und Standortstärkung sowie für die Entwicklung der nördlichen Stadtteile eine zentrale Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte dar. In einer Art Domino-Effekt wirkt diese 400-Millionen-Euro-Investition des Landkreises in seine Kreisstadt auch zurück auf deren Zentrum. Weil die jetzige Kreisklinik an der Spitalstraße einst ein städtisches Krankenhaus war und vor etwa einem halben Jahrhundert an den Kreis überging, fallen die Immobilien nach der medizinischen Nutzung wieder an die Stadt zurück.
Ausweichquartier für die Verwaltung geplant
Kurzfristig kann das alte Krankenhaus-Areal als Ausweichquartier für die Verwaltung während der Rathaussanierung dienen. Was aber langfristig auf der drei Hektar großen Fläche geschehen soll und was mit den Gebäuden passiert, ist weitgehend offen. Im städtebaulichen Entwicklungskonzept für den Zeithorizont bis 2040 ist ganz allgemein die Rede von einem „urbanen Quartier mit bezahlbarem innenstadtnahem Wohnen, Arbeiten, Grünflächen und sozialen Angeboten“. Außerdem könnte der Aspekt Gesundheit an die bisherige Funktion anknüpfen. Nicht zuletzt geht es auch um eine gestalterische Anbindung des Areals an die gewachsene Innenstadt.
Der weitere Planungsprozess soll diese sehr allgemeinen Aussagen konkretisieren. Bisher erfolgte eine erste Bestandsaufnahme, nun sind rein baurechtlich weitere Untersuchungen vonnöten, deren Ziel es ist, die Einstufung des Krankenhaus-Areals als Sanierungsgebiet und dessen Aufnahme in die Städtebauförderung zu erlangen. Letzteres ist Voraussetzung, um für die Entwicklung dieses Gebiets Zuschüsse nach Lörrach zu lotsen. Handfester könnte die Planung bereits im kommenden Jahr werden, wenn die Ergebnisse eines städtebaulichen Wettbewerbs vorliegen, der in den nächsten Monaten ausgeschrieben werden soll.
Weitaus greifbarer ist ein anderes Entwicklungsprojekt ganz im Süden der Stadt. Zwischen dem jetzigen Zollhäuschen und der Bahnlinie plant die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ein Verwaltungsgebäude und dahinter einen Block mit Innenhof. So können anstelle der bestehenden kleineren Wohnhäuser etwa 70 bis 80 neue Mietwohnungen entstehen. Planung und Bau sind Angelegenheit der BImA.
Aufgabe der Stadt ist es, mit einem Bebauungsplan den baurechtlichen Rahmen zu schaffen, abgestimmt auf den bereits vorliegenden städtebaulichen Rahmenplan für die Achse zwischen Zoll und Bahnhof Stetten. Auch dafür hat der Gemeinderat dieser Tage den Beschluss gefasst.