In Haslach ist der Wohnraum knapp und Bauflächen sind knapper. Auf der Wiese, die sich an das Baugebiet "Brühl II" anschließt, soll ein weiteres Neubaugebiet entstehen. Foto: Kleinberger

Welche Bau- und Wohnformen sind im Neubaugebiet "Brühl III" denkbar? Dieser Frage haben sich am Dienstagabend mehr als 80 Interessierte in Haslach gewidmet. Mit der Stadtverwaltung und den Planern fand ein Workshop statt.

Haslach - Im Zuge der Bürgerbeteiligung zum dritten Bauabschnitt des Neubaugebiets "Brühl III" hatten die Verwaltung und das Planerteam von BHM sich Unterstützung von der "Kommunalkonzept Baden-Württemberg" geholt. Donata Helmstädter moderierte den Abend.

Zunächst stellten Dorothee Wiesehügel und Daniel Weber das Konzept vor, auf dessen Basis am Abend weitere Ideen entwickelt werden sollten. Wiesehügel ging zunächst auf die bekannte geographische Ausgangslage ein und betonte, das Baugebiet solle keine "Insel" werden, sondern sich in die Stadt einfügen. Die hohe Landschaftsqualität solle erhalten werden. Wichtig sei beispielsweise, die vorhandenen Grünstrukturen aufzunehmen und nicht den motorisierten Individualverkehr in den Fokus zu rücken.

Freiräume, Wohnraumqualität und viel Grün

Was das bedeutet, konkretisierte Weber. Er hatte zwei Ansätze mitgebracht: für ein Gebiet mit gut 2,9 Hektar Fläche, das eine mögliche Erweiterung enthält, und ein kleineres. In Sachen Gebäudeformen und -fluchten solle sich das neue Gebiet am Bestand orientieren. Das Gebiet wird durchmischt mit Doppel-, Reihen-, Einzel- und Mehrfamilienhäusern, außerdem seien Quartiersplätze, Mehrgenerationenwohnen und ein Seniorenheim angedacht – Weber betonte allerdings, dass die beiden letzten Punkte derzeit noch in der Prüfung seien.

Die Häuser sollen maximal drei Geschosse haben und mit Flachdächern ausgestattet werden, die begrünt werden. Die konzipierte Grünstruktur diene der Frisch- und Kaltluftschneise und sei außerdem multifunktional, da sie auch der Entwässerung diene. "Wir wollen Freiräume und Wohnraumqualität schaffen", betonte der Planer.

Tiefgaragen für Autos geplant

Um die Autos so früh wie möglich aus dem Wohnraum verschwinden zu lassen, sind Tiefgaragen geplant. Es war im Workshop und bei der anschließenden Fragerunde einer der heiß diskutierten Punkte, ob und wie dieses Konzept bezahlbar und von individuellen Bauherren umgesetzt werden kann. Diese Fragen nahmen die Planer als Feedback mit auf.

Wiesehügel betonte, das Büro habe versucht, mit oberirdischen Stellplätzen auch einen Mix zu schaffen – gänzlich ohne Tiefgaragen würde es jedoch im "Brühl III" nicht gehen.

Viele der Fragen waren bereits zu konkret, um aktuell beantwortet werden zu können. Im größeren Plangebiet könnten 97 Wohneinheiten entstehen. Laut Weber ist dieses Gebiet mit sechs Einfamilienhäusern, 16 Wohneinheiten in Doppelhäusern, zwölf Einheiten in Reihenhäusern, 36 Einheiten in Mehrfamilienhäusern, 15 im Mehrgenerationenwohnen und zwölf im Seniorenheim geplant. Rückmeldungen aus dem Plenum mahnten an, auch an bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen zu denken – und Wohnungen mit mehr als drei Zimmern, da Heimarbeit und Co. den Bedarf stark verändert hätten. Helmstädter dankte für die Rückmeldungen und betonte, es gehe am Abend um eine Ermittlung dessen, welche Wohnformen konkret nachgefragt würden.

Bürgerinitiative begrüßt Pläne

Die Bürgerinitiative Storchenwiese begrüßt in einer Mitteilung die Pläne als "wegweisend für ein zukunftsorientiertes und ökologisches Baugebiet". Aus ihrer Sicht ist die kleinere Entwurfsvariante mit Erhalt der Streuobstflächen zu bevorzugen. Außerdem unterstützt sie die geplante Erstellung von bezahlbaren Mietwohnungen, vor allem auch mit sozialer Preisbindung.

"Vermisst haben wir Ideen zu alternativen Möglichkeiten des Eigentums", so die Initiative weiter, die ebenfalls kritisiert, dass die Veranstaltung insgesamt zu wenig Zeit geboten habe und sich deswegen eine weitere Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung wünscht. Sie hofft, dass auch die Anregungen, die nicht an den Stellwänden gelandet sind, veröffentlicht werden.

Info: So geht’s weiter

Wer noch Anregungen oder Rückmeldungen hat, die in der Ausarbeitung des Plans berücksichtigt werden sollten, hat noch zwei Wochen Zeit, diese einzureichen. Zuständig beim Haslacher Stadtbauamt ist Lukas Weigold, der per E-Mail an weigold@haslach.de erreichbar ist. Einen konkreten Zeitrahmen konnten die Verantwortlichen am Dienstagabend nicht nennen – dafür sei es noch zu früh im Verfahren. Der Aufstellungsbeschluss soll aber noch in diesem Jahr gefasst werden. Stadtbaumeister Clemens Hupfer sagte, es gehe um eine gute Planung, nicht unbedingt um eine schnelle.

Kommentar: Es braucht Umsicht

Das Haslacher Baugebiet "Brühl" wird erweitert. Das stand schon länger fest, war aber auf Widerstand bei einigen Bürgern gestoßen, die sich einen umsichtigen Umgang mit der unbebauten Fläche in Haslach wünschten. Dass diesen und der gesamten Bürgerschaft der Hansjakobstadt die Möglichkeit gegeben wurde, sich nicht nur über die Pläne für "Brühl III" zu informieren, sondern auch eigene Ideen und Ansätze einzubringen, ist eine gute Sache. Ebenso wie das Konzept der Planer, das am Dienstagabend großes Lob erhielt: unterschiedliche Wohn- und Bauformen, klare Strukturen und Quartiersplätze, die das nachbarschaftliche Zusammensein stärken sollen. Bei der Informationsveranstaltung wurde aber auch schon deutlich, dass verschiedene Interessen aufeinander treffen: Die einen waren ob der "geringen" Anzahl von Einfamilienhäusern im Plan verwundert, die anderen wünschten sich mehr bezahlbaren Wohnraum in Form von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Auch die geplanten Tiefgaragen warfen insbesondere wegen der Kosten Fragen auf. Bleibt zu sehen, wie die Planer diese Interessensfelder mit Fingerspitzengefühl und Umsicht zusammenführen können, ohne den Charakter von "Brühl III" aus den Augen zu verlieren. Denn das Konzept weist den Weg zu zukunftsfähigen Bauformen.