Das Gremium spricht sich im Neubaugebiet „Am Kloster“ gegen Nahwärmeversorgung aus. Stattdessen sollen die Eigentümer selbst entscheiden, wie sie ihre Gebäude heizen.
Im Baugebiet „Am Kloster“ sollen die künftigen Grundstückseigentümer der Baugrundstücke selbst entscheiden, wie sie ihre Gebäude im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung dezentral heizen werden. Der Bau und Betrieb einer Nahwärmeversorgung wird nicht weiterverfolgt. Langfristig dürfte sich diese Energiegewinnung als zu teuer für die künftigen Hauseigentümer erweisen.
Vorgesehen war, über den Betrieb einer Hackschnitzelanlage und Holz aus dem Friesenheimer Gemeindewald die Nahwärmeversorgung zu sichern. Im Jahr 2022 konnte noch von einer hohen Förderquote für Hackschnitzelanlagen ausgegangen werden. Die Rahmenbedingungen für die Förderung von Hackschnitzelanlagen hätten sich jedoch aufgrund politischer Vorgaben verschlechtert. Zu hoch wären künftig die Kosten, auch wenn angedacht war, sowohl die Kirche als auch den Katholischen Kindergarten St. Katharina anzuschließen.
Die Nahwärmeversorgung mit Holz hat keine Zukunft
Zu groß wäre zudem die Gefahr, dass ein Vertragspartner für den Betrieb einer solchen Anlage abspringen könnte, weshalb dies die Gemeinde Friesenheim als Betreiber in die Pflicht nehmen würde.
Bürgermeister Erik Weide betonte in der Sitzung: „Das Verbrennen von Holz ist nicht mehr so angesehen wie es schon einmal war.“ Unter den aktuellen Bedingungen mache es keinen Sinn, an dieser Form der Nahwärmeversorgung festzuhalten. Für die Bauherren würde sich mit diesem Beschluss nichts verändern, sagte Ortsvorsteher Gerold Kadenbach. Vielleicht komme die freie Wahl der Energieversorgung manchen Bauherren künftig entgegen. Zu gerne hätte die Katholische Kirchengemeinde sowohl den Kindergarten als auch die Kirche daran angeschlossen.
Von der technischen Seite durchleuchtete Bauamtsleiter Markus Reinbold die Entscheidung. Die Landesbauordnung habe sich ohnehin geändert und verpflichte Hauseigentümer, Photovoltaikanlagen auf ihre Dächer zu bringen. Sinnvoll wäre demnach die über Solarstrom erzeugte Energie auch zum Heizen zu nutzen. Individuell ließen sich die Gebäude mit Wärmepumpen ausrüsten. „So langsam ist das alles nicht mehr nachvollziehbar. Der Gesetzgeber verlangt alte Gebäude auszustatten und jetzt zählt das Verbrennen von Holz zu den umweltschädlichen Stoffen“, kritisiert Julius Haas (CDU) und ergänzt: „Jetzt verfault das Holz im Wald und muss raus und an anderer Stelle verrecken.“ Das sei vollkommen unverständlich. Ein Wärmenetz, wie es sich jetzt anbieten würde, wird gesetzlich mit allen Mitteln blockiert.
Mit Sägeresten könnte man ein Ortsteil beheizen
Umso dringlicher erkennt Stefan Armbruster (GLU) den Beratungsbedarf der Gemeinde zur kommunalen Wärmeplanung. Moritz Weschle (CDU) erklärte für sein Unternehmen: „Wir fahren die Sägereste nach Oberkirch und Germersheim, dabei wird genügend CO2 ausgestoßen.“ Mit 20 bis 30 Tonnen täglich ließe sich ein gesamter Ortsteil beheizen. Zu bedenken gibt Michael Walter (GLU): „Das Holz aus dem Wald ist noch nicht trocken genug, weshalb es eigentlich vor der Verbrennung in eine Trocknung müsste.“ Als Beispiel bringt er an: „In England gibt es das größte Holzkraftwerk und das Holz dafür wird aus Kanada geliefert“. Bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen wurde dem Beschluss der Verwaltung stattgegeben. Die Zustimmung erhielt der Gemeinderat auch aus dem Ortschaftsrat von Heiligenzell.
Das Gebiet „Am Kloster“
Das etwa 3,3 Hektar große Neubaugebiet liegt im Ortsteil Heiligenzell, 1,4 Kilometer südöstlich des Ortskerns von Friesenheim am westlichen Ortsteingang von Heiligenzell direkt nördlich der Heiligenzeller Hauptstraße. Die Hauptziele sind der Umbau des Klosters in eine Kindertagesstätte sowie Wohnbaugrundstücke.