Die neue Kita-Haux bietet viel Platz zum Toben und Spielen. Die Einrichtung folgt dem pädagogischen Konzept des "offenen Bildungshauses". Foto: Nölke

Fünf Jahre ist es her, dass die Kindertagesstätte Alfred-Haux in Ebingen schließen und schließlich abgerissen werden musste. Vor zwei Wochen sind die Kinder in den Neubau in der Leipziger Straße eingezogen. Am Samstag wurde das "XXL-Haus" mit einem Festakt eröffnet.

Albstadt-Ebingen - "Heute ist ein großer Tag für den Ebinger Westen", sagte Oberbürgermeister Klaus Konzelmann in seiner Eröffnungsrede. In der Mensa des Neubaus in der Leipziger Straße waren Gäste der Stadtverwaltung, der Kirchengemeinde, des Elternbeirats und das Erzieherinnen-Team um Leiterin Anja Fritschi zusammengekommen, um die neue Kita Alfred-Haux seiner Bestimmung zu übergeben. Im Preis von rund 6,7 Millionen Euro enthalten ist die Grundsanierung des ehemaligen Kinder- und Jugendtreffs, der nun Stadtteiltreff ist.

 

Geschlossen wegen Nagerbefall

Konzelmann hielt Rückschau auf die vergangenen fünf Jahre. Ursprünglich war nämlich der Plan, im Sommer 2017 an das bestehende Kindergartengebäude eine Krippen-Gruppe anzubauen. Doch bei der Entkernung der dafür vorgesehenen ehemaligen Hausmeisterwohnung wurde jedoch schnell klar, dass daraus nichts wird. Wegen massiven Nagerbefalls mussten die Bauarbeiten gestoppt und – noch schlimmer – der Kindergarten geschlossen werden.

Architekt Karl-Eugen Maute stellte im Herbst 2017 fest, dass eine Sanierung nicht infrage kommt, woraufhin im März 2018 der Albstädter Gemeinderat den Abriss des Kindergartens beschlossen hat. Doch da Kindergartenplätze weiterhin in steigender Zahl benötigt werden, habe die Stadtverwaltung in enger Zusammenarbeit mit Kirche und Architekt Maute den Plan für einen rund 1150 Quadratmeter großen Neubau, der für 120 Kinder Platz bietet, geschaffen.

Segen für das neue Haus

Pfarrerin Nicole Gneiting, die als Urlaubsvertretung für Pfarrerin Marlies Haist gekommen war, lobte die stets vertrauensvolle Kooperation aller Beteiligten. Da die Kindererziehung ein wichtiger Baustein der Gemeindearbeit ist, zeigte sich Gneiting besonders dankbar, dass die evangelische Kirchengemeinde die Trägerschaft fortführen darf. Den Neubau beschrieb sie als "wunderbaren Raum zum Wohlfühlen", wo die Kinder "wertgeschätzt und willkommen" sind. Abschließend sprach sie den Segen für die neue Kindertagesstätte aus.

Kindergartenleiterin Anja Fritischi erzählte ihre Sicht auf die vergangenen fünf Jahre. Als sie im Sommer 2017 auf der Waldheimfreizeit von Kirchenpflegerin Kathrin Hödl von der Schließung "ihres" Kindergartens erfahren hat, habe sie von all ihren Kolleginnen große Unterstützung erfahren. Sie unterbrachen teilweise ihren Sommerurlaub, um das Gebäude auszuräumen. Dankbar sei sie für die Unterstützung der Stadt Albstadt, die ein Übergangsdomizil suchte. Da ein solches schwer zu finden war, mussten die Kinder zunächst einige Wochen im Kindergarten der nahegelegenen Friedenskirche untergebracht werden, bevor es im Oktober in die Gartenstraße ging. Das Team, das aus rund einem Dutzend Erzieherinnen besteht, habe alle Herausforderungen zusammen gemeistert und wurde mit einem neuen "XXL-Haus" belohnt, wo sie ebenfalls Großes vor sich haben.

Konzept des offenen Bildungshauses

Karl-Eugen Maute hatte einen Schlüssel aus Legosteinen zur Einweihung mitgebracht, den er zusammen mit Oberbürgermeister Konzelmann an Anja Fritschi und Pfarrerin Gneiting übergab. Im Abschluss durften die Mitglieder des Elternbeirats und die Vertreter von Stadt und Kirche das Gebäude erstmals besichtigen – davor war dies ausschließlich den Kindern vorbehalten.

Der Architekt erklärte das Bauwerk: Die Einrichtung sei komplett barrierefrei und unterschiedliche Farben für die verschiedenen Gruppen teilen das Haus in Bereiche auf. Neben den geräumigen Gruppenräumen gibt es verschiedene Themenbereiche, in denen sich die Kinder austoben können: ein Werkraum, ein Sportraum, ein Musikzimmer und verschiedene Spiel- und Kreativbereiche. Nach dem pädagogischen Konzept des "offenen Bildungshauses" sind die Kinder zwar in Gruppen eingeteilt, in denen sie Essen oder im morgendlichen Stuhlkreis zusammenkommen, dürfen sich aber die meiste Zeit des Tages frei im Haus bewegen.

Der Garten ist noch nicht fertig

Einrichtungsleiterin Anja Fritschi erklärt, dass man derzeit noch in der "Erprobungsphase" steckt. Derzeit werden 78 Kindern in der Einrichtung betreut, ab September werden es rund 120 sein: 100 von ihnen im Alter zwischen drei Jahren und Schuleintritt und 20 noch jüngere Kinder in der Krippe.

Zwar sind der Garten und die Dachterrasse im Krippenbereich noch nicht fertig, doch man wisse sich zu Helfen: die Kinder weichen auf die umliegenden Spielplätze oder den angrenzenden Wald aus. Konzelmann machte jedoch Hoffnung und berichtete, dass der Gemeinderat wenige Tage vor dem Festakt die Realisierung der Gartenanlage an die Firma Schöppler vergeben hat. Zu den bereits umgesetzten Projekten der Firma Schöppler gehört unter anderem die große Spielburg an der Schalksburgschule, der Wasserspielplatz in Meersburg sowie die Außenbereiche mehrerer Kindergärten in der Region.

"So einen Kindergarten hätte ich mir damals auch gewünscht"

Und wie kommt der Neubau bei den Kindern an? Am Nachmittag durften sie das neue Gebäude ihren Eltern zeigen. Die kleinen und die großen Gäste waren begeistert. "Da möchte man doch glatt wieder ein Kind sein", meinte eine Mutter. "So einen Kindergarten hätte ich mir damals auch gewünscht", scherzte ein Vater. "Unser Sohn kommt seit zwei Wochen jeden Tag nach Hause und erzählt, was er Neues entdeckt hat". Die Erzieherinnen konnten das bestätigen: "Die Kinder haben Spaß und fühlen sich wohl". Natürlich sei das Gebäude riesig und die Kinder würden sich auch gelegentlich mal auf dem Weg zur Toilette verlaufen, aber "das spielt sich mit Sicherheit schnell ein".

Und wie sind die Arbeitsbedingungen? "Es hat alles noch ein wenig seine Tücken", gab eine Mitarbeiterin zu. "Es gibt zum Beispiel an allen Türen, die nach Draußen führen, einen Türalarm. Der macht natürlich Sinn, hat aber auch schon für lustige Situationen gesorgt." Neben mehreren Büroräumen, die für Elterngespräche und zur Vorbereitungen genutzt werden können, gibt es auch einen Duschraum. "Dort können sich Mitarbeiter, die mit dem Fahrrad kommen, erst frisch machen" erklärte Architekt Maute. Eine Erzieherin ergänzte lachend: "Oder man kann sich unangenehme Körperflüssigkeiten von Kindern abwaschen, wenn mal etwas schiefgeht".