Die Bundespolizeiinspektion Offenburg hat im Neubau in der Okenstraße 110 ein neues Zuhause gefunden. Foto: Piskadlo

Das neue Zuhause der Bundespolizei-Inspektion Offenburg ist fertig. Nötig geworden war das 18-Millionen-Euro-Projekt, da die Stadt immer mehr mit unerlaubten Migranten zu kämpfen hat. Aus den neuen Räumen heraus soll dem entgegengewirkt werden.

„Wir haben hier ein hochmodernes Polizeigebäude mit strategisch gutem Standort“, freute sich Tobias Lehmann, Leiter der Bundespolizeiinspektion Offenburg. Gemeint hatte er damit den neuen Arbeitsplatz von ihm und seinen rund 320 Kollegen: den Neubau der Bundespolizei Offenburg in der Okenstraße 110.

 

Erbaut wurde das 18-Millionen-Euro-Projekt in vier Jahren – Rekordzeit, wie Lehmann bei der symbolischen Schlüsselübergabe am Mittwochmittag betonte. Von außen wirkt das fünfstöckige Gebäude mit der braun-beigen Fassade unscheinbar. Wer die große „Bundespolizei“-Aufschrift übersieht, merkt spätestens an der Eingangstür, dass darin Uniformierte ihren Alltag bestreiten. Denn wer Zutritt erhalten möchte, dem muss ein Beamter hinter Sicherheitsglas per Knopfdruck die Eingangstür öffnen. Und das gilt auch für die Türen innerhalb des 3600-Quadratmeter-Hauses. „Wer das Geschoss wechseln möchte, braucht einen Chip“, sprach Lehmann aus Erfahrung. Eingezogen sind die Beamten nämlich bereits im Juli.

Die illegale Einwanderung bestimmt den polizeilichen Alltag

Seither werden von dort aus Einsätze im Ortenaukreis und in den Landkreisen Rastatt, Freudenstadt, Rottweil sowie dem Stadtkreis Baden-Baden koordiniert (siehe Info). Dabei im Fokus: die Überwachung von Grenzen und Bahnhöfen im Hinblick auf illegale Einwanderung. „Die Zurückweisung oder Aufnahme von Migranten beherrschen mittlerweile den polizeilichen Alltag“, erklärte Marc Wiese, Vertreter der Bundespolizeidirektion Stuttgart. Ein bundesweiter Brennpunkt sei dabei Baden-Württemberg – insbesondere die Ortenau. „Durch die Nähe zu Frankreich und der Schweiz sind die Fallzahlen auf einem sehr hohen Niveau. Von Januar bis August wurden im Bundesland 12 600 unerlaubte Einreisende festgestellt. 3800 davon wurden von der Inspektion Offenburg gefasst“, so Wiese und erklärt: „Das ist auch der Grund, weshalb dieser Neubau nötig war.“ Im bundesweiten Vergleich sei die Region Offenburg nämlich auf Platz drei der Bereiche, die am meisten von illegaler Einwanderung belastet seien.

Freuen sich über den Neubau (von links): Foto: Piskadlo

Für Offenburgs Oberbürgermeister Marco Steffens ein Grund zur Sorge: „Ein Staat besteht aus zwei Dingen: innere und äußere Sicherheit. In beiden Bereichen wurde nachgelassen. Gerade in unserer Region verlor man den Grenzschutz aus den Augen. Wir sind mit der Gesamtsituation als Kommune langsam überfordert.“ Umso größer sei die Freude über das neue Zuhause der Inspektion. „Wo die Bundespolizei ist, fühlen Menschen sich wohler. Zudem ist der Neubau ein Blickfang und sehr schön geworden.“

Maßgeblich daran beteiligt war der Bauinvestor Jürgen Grossmann. Auch er zeigte sich mit dem fertigen Neubau zufrieden: „Wir haben hier 400 Tonnen Stahl und 2800 Kubikmeter Beton verbaut. Orientiert haben wir uns an den neusten Erkenntnissen der polizeilichen Anforderungen und haben damit einen Meilenstein gesetzt.“

Lobende Worte gab es indes auch von Wiese. Laut dem Stuttgarter Polizei-Experten sind besonders die verbaute Technik und die Nähe zum Bahnhof große Vorteile. „Hier sind Räume entstanden, in denen man arbeiten kann“, erklärte Wiese und richtete sich abschließend an die Offenburger Kollegen: „Passt da draußen auf euch auf – es wird immer nötiger.“

Info – Die Zuständigkeit

Die Zuständigkeit der Bundespolizeiinspektion Offenburg mit den Revieren in Kehl und Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden erstreckt sich auf fünf Landkreise mit rund 975 000 Einwohnern, 465 Bahnkilometern, 104 Bahnhöfen und einer Grenzlänge von 99 Kilometern. Zu erreichen sind die Bundespolizisten unter Telefon 0781/9 19 00.