Erst Alten- und Pflegeheim, dann Flüchtlingsunterkunft – jetzt der Abriss: Beim Heilig-Geist-Spital in Villingen soll ein neues Projekt für betreutes Wohnen umgesetzt werden.
In der Schertlestraße in Villingen soll in den nächsten Jahren ein neues, großes Bauprojekt umgesetzt werden: Das alte Heilig-Geist-Spital soll weichen, um für sechs Gebäude Platz zu machen. Dort möchte der Spitalfonds betreutes Wohnen anbieten – möglicherweise ebenfalls mit einem Pflegeangebot.
Damit möchte man an dieser Stelle an die jahrzehntelange Tradition anknüpfen, um abermals ein Angebot für Senioren zu schaffen. Das ehemalige Alten- und Pflegeheim ist 1978 mit 172 Plätzen eröffnet worden. Im Jahr 2019 musste die Einrichtung geschlossen werden, weil dort das geforderte Wohngruppenkonzept aufgrund der baulichen Rahmenbedingungen nicht mehr umgesetzt werden konnte.
Der direkt im Anschluss geplante Abriss wurde aufgrund der Flüchtlingswelle aus der Ukraine aber zunächst hinausgezögert. 2022 ist dort schließlich ein Provisorium geschaffen worden, um in der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises kurzfristig bis zu 400 Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Wenig später mietete die Stadt VS einen anderen Teil des Gebäudes, um ihn als kommunale Anschlussunterbringung zu nutzen. Die eigentlich nur etwas mehr als ein Jahr angedachte Lösung für die Unterbringung von Flüchtlingen hielt sich deutlich länger.
Im Zuge der jüngsten Haushaltsberatungen der Stadt kristallisierte sich heraus: Das ehemalige Heilig-Geist-Spital wird von der Stadt nicht mehr benötigt, nachdem in der Bussardstraße weitere Plätze geschaffen wurden. Auch der Landkreis konzentriert sich bei der Unterbringungen von Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften in VS auf die Lupfenstraße in Schwenningen.
Stationäre Pflegeeinrichtung möglich
Deshalb kann nun der Spitalfonds als Eigentümer die ursprünglichen Pläne wieder aufnehmen. Im Zuge des vorhabenbezogenen Bebauungsplans, der nun von den Stadträten abgesegnet werden soll, werden weitere Details bekannt. Nach dem Abriss ist dort ein Ensemble aus insgesamt sechs Wohngebäuden mit 140 barrierefreien, meist 2- oder 3-Zimmer-Wohnungen vorgesehen.
Insbesondere Menschen mit Mobilitäts- oder anderen Einschränkungen sollen dort ein neues Zuhause finden. Zusätzlich kann in einem Gebäude eine stationäre Pflegeeinrichtung untergebracht werden. Die geplanten Gebäude sollen bis zu sechs Geschosse haben, eines davon fünf Geschosse mit Dachterrasse.
Parkähnliche Anlage und oberirdische Stellplätze
Der Komplex soll in eine parkähnliche Anlage mit Bäumen, Spazierwegen und Aufenthaltsflächen eingebettet werden. Aus dem Bebauungsplan geht hervor, dass oberirdische Stellplätze angedacht sind, insbesondere im Bereich der Schleicherstraße.
In den Blick genommen wurde dort auch der Artenschutz. So zeigt ein Gutachten mögliche Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse. Aber: Mit zeitlichen Vorgaben für Abriss und Rodungen sowie der Umsetzung von Nisthilfen und Ersatzquartieren soll es keine artenschutzrechtlichen Hindernisse für das Bauprojekt geben.
Der Technische Ausschuss soll den benötigten Beschluss am 17. März fassen, anschließend folgt die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden. Wann es schließlich zur Realisierung des Projekts kommt, ist derzeit noch nicht absehbar.