Die Planungen für die Bebauung des Bechtle-Areals in Bad Herrenalb dauerten lange. Nun stellt sich die Frage, wann eigentlich gegenüber dem Kurhaus mit den Arbeiten begonnen wird.
Im Dezember vorigen Jahres stand der vorhabenbezogene Bebauungsplan „Neues Wohnen Kurpromenade“ auf der Tagesordnung der Bad Herrenalber Gemeinderatssitzung. Einstimmig wurde Ja zur Satzung gesagt. Wie von der Verwaltung zu erfahren war, laufe beim Landratsamt die finale Phase der Prüfung der Baugenehmigung. Der Bauträger stehe bereit, gleich anzufangen. Soll doch auf dem sogenannten Bechtle-Areal gegenüber dem Kurhaus ein mehrgeschossiges Wohnhaus mit Ladenzeile samt Tiefgarage entstehen.
Aufstellung beschlossen
Bereits im April vorigen Jahres wurde der Bebauungsplan „Neues Wohnen Kurpromenade/Bernsteinweg“ aufgehoben und die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans mit dem Titel „Neues Wohnen Kurpromenade“ beschlossen.
Es ist schon eine ganze Weile her: Im Juni 2021 lag den Stadträten dieser Beschlussantrag vor: »1. Der Gemeinderat beschließt den Verkauf der Flurstücke Nr. 305 (Bernsteinweg 4) und 305/2 (Kurpromenade 9) in Bad Herrenalb zu einem Kaufpreis von 600 000 Euro an die Fa. Herbold Projekt & Consulting GmbH.«
Rasterförmige Tragstruktur
Das Nutzungskonzept sieht, so stand es seinerzeit in der Sitzungsvorlage, vor, »die Höhenabfolge durch eine geschlossene moderne Bebauung mit Wohnungen und EG-Ladenfläche treppenförmig zu überbauen«. Die Wohnungen seien barrierefrei geplant und würden von den Straßen und den Garagen durch alle Geschosse mit zwei Aufzügen verbunden.
Ökologischer Ansatz
Vorgesehen seien große Terrassen und Balkonflächen vor jeder Wohnung. Die Einzelbalkone würden optisch zusammengefasst durch eine rasterförmige Tragstruktur, die ein ruhiges Fassadenbild aus Stützen und Riegeln ergebe. Diese Struktur durchziehe den gesamten Projektbereich. Dadurch werde eine gleichmäßige, optische Gestaltung erreicht, die wiederum den Gesamtkomplex als Einheit wahrnehmbar mache und das Zusammengehörigkeitsgefühl der zukünftigen Bewohner fördern könne. »Durch eine mögliche Berankung der Stützen/Riegelstruktur entsteht eine Zwischenzone, die Durchblicke und Kommunikation in alle Ebenen und alle Richtungen zulässt, aber trotzdem einen persönlichen Freiraum bietet«, hieß es des Weiteren. Die Gebäudedächer seien Flachdächer und begrünt. Sie reduzierten dadurch die Wärmeabsorption, verbesserten das Stadtklima, dienten als Regenrückhaltung und sorgten durch zusätzliche, ungestörte Flächen für Biodiversität von Kleinlebewesen. Dieser ökologische Ansatz werde durch eine Ausstattung mit Photovoltaikelementen ergänzt. Das Projekt verspreche eine beispielhafte Nachhaltigkeit.
Die Planung, die dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zugrunde gelegt werde, entspreche im Gesamten dem Entwurf, der in der Sitzung des Technischen Ausschusses am 7. Oktober 2020 das Einvernehmen des Gremiums erhalten habe.
Schwierige Hanglage
Die Struktur und Kubatur der Gebäude unter Berücksichtigung der schwierigen Hanglage, die vorherrschende Wohnnutzung im Sinne der aktuellen Innenentwicklung und insbesondere die begrünte Fassade gegenüber dem Kurhaus entsprächen folglich diesem Entwurf aus der Sitzung. Die Verwaltung weiter: »Geändert wurde zwischenzeitlich nur die Rechtsform des zukünftigen Wohneigentums. Die geplanten Wohneinheiten sollen nun dem Immobilienmarkt zum Verkauf zur Verfügung stehen, das ursprünglich angestrebte partizipatorische Bauen wird nicht weiterverfolgt.«
Wie nun vonseiten der Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Redaktion zu erfahren war, sei letzter Wissensstand, dass mit den Arbeiten voraussichtlich im Herbst begonnen werden soll.
Einst als Schandfleck bezeichnet
Bodenrichtwert
Der ehemalige Grundstückseigentümer des Bechtle-Areals , der aus der Ukraine kommt, hatte der Stadt einst das Areal zum Kauf angeboten. Da man den hohen Kaufpreis nicht zahlen konnte, einigte man sich darauf: Die Stadt kann über das Grundstück bis zum Ende der Gartenschau 2017 kostenfrei verfügen. Auf Wunsch der Verwaltung hätte der Pavillon stehen bleiben sollen.
Allerdings stellte sich im Nachhinein heraus, dass er doch nicht mehr genutzt werden kann. Es war geplant, dass der Besitzer nach der Gartenschau selbst ein Wohn- und Geschäftshaus auf dem Areal erstellt. Überraschend bot er 2015 der Stadt das Areal zum ausgewiesenen Bodenrichtwert an. Der Gemeinderat stimmte dem Erwerb zu. 60 Prozent des Kaufpreises übernahm das Land. Das Grundstück in der Stadtmitte war schon lange Zeit eine Bauruine und wurde als Schandfleck mitten in der Stadt bezeichnet.