Der so genannte Durchbruch der Verbindungsstraße von Trossingen nach Schura, am Ortseingang von Trossingen, nahe dem Türmle. Vor 100 Jahren begann der Bau der Straße. Foto: Wolfgang Schoch/Ortsverwaltung

Hohe Arbeitslosigkeit bescherte vor 100 Jahren Schura und Trossingen ein Geschenk. Im Zuge von Notstandsarbeiten wurde die Verbindungsstraße Schura-Trossingen ab 1926 gebaut.

Auf den Monat genau vor 100 Jahren wurde mit dem Bau der Verbindungsstraße von Schura nach Trossingen, der heutigen Landesstraße 429, begonnen.

 

Bis es soweit war, ging eine lange Zeit der Planung, vor allem der Finanzierung, ins Land. Ursprünglich sollte mit dem Bau im Jahr 1905, also rund 20 Jahre früher, begonnen werden. Jedoch mit Rücksicht auf die Belastungen der leistungsschwachen Gemeinde Schura, die einen Teil der Kosten hätte übernehmen müssen, wurde der Bau mehrmals zurückgestellt, sowie aus Kostengründen umgeplant.

Nach den letzten Berechnungen aus dem Jahr 1926 wurden die Gesamtkosten für den Bau zwischenzeitlich auf insgesamt 238 000 Reichsmark veranschlagt. Dies entspricht einem heutigen Wert von rund einer Million Euro. Ein Betrag, der das Projekt erneut ins Ungewisse verschoben hätte, wenn zur selben Zeit die Zahl der Arbeitslosen nach der Hyperinflation nicht in die Höhe geschossen wäre. So wurde das ehrgeizige Projekt mit einer verstärkten Förderung im Zusammenhang der Notstandsförderung in Aussicht gestellt.

Damals 3000 Erwerbslose in der Umgebung

Im damaligen Arbeitsamtsbezirk Tuttlingen/Spaichingen waren rund 3000 Erwerbslose gemeldet. Aus den Unterlagen im Gemeindearchiv der Ortschaft Schura geht hervor, dass die hohe Zahl der Erwerbslosen in Tuttlingen sehr wesentlich zum Entscheid für den Bau der Verbindungsstraße beigetragen hat, deren Reduzierung war ein wichtiges Argument.

Ein Tagewerk entsprach der Arbeit, die ein Arbeitsloser an einem Tag verrichten kann. Aus der Gesamtrechnung vom März 1926 ist zu entnehmen, dass die Planer für das Projekt insgesamt 25 400 Erwerbslosentagewerke veranschlagt haben. Damit konnten rechnerisch gesehen 200 Arbeitslose 127 Tage lang beschäftigt werden.

Bauseits wurde der Bau der längst überfälligen Verbindungsstraße damit begründet, dass der Weg von Trossingen nach Schura und damit auch weiter in die Oberamtsstadt Tuttlingen sehr steil und beschwerlich sei. Die frühere Verbindungsstraße über den Kapf war insgesamt 2435 Meter lang und hatte eine Steigung von bis zu zwölf Prozent. Damit war der Weg von Trossingen in Richtung Süden für Pferdefuhrwerke und solche mit Kühen besonders beschwerlich.

Auch bergabwärts war es nicht einfach. So hatten die Holzfuhrleute, die mit ihren Langholzfuhrwerken Buchenstämme aus den Wäldern von Ippingen, Esslingen oder Bachzimmern zum Holzplatz der Firma Matthias Hohner transportieren, allergrößte Mühe, ihre Fuhrwerke aufgrund des starken Gefälles unter Kontrolle zu halten.

Nachdem das Ministerium des Inneren dem Bau die Zustimmung gegeben hatte, wurde die neu anzulegende Straße mit einer Gesamtlänge von rund 1900 Metern und einer Steigung von 3,5 Prozent in drei Lose unterteilt.

Aber so einfach war es dann doch nicht, denn zwei Straßenanlieger waren nicht bereit, ihre Grundstücke herzugeben. Beide, der eine in Schura weigerte sich seinen Acker im Gewann „Krumme Äcker“ für den Straßenbau zu verkleinern, der andere in Trossingen beschwerte sich darüber, dass mit dem Durchbruch nach Süden, am Ende der Kapfstraße, seine ursprüngliche Hofeinfahrt weggebrochen sei. Nun müsse er, um mit seinen beiden Kühen auf den Hof zu kommen, über ein anderes, noch steileres Grundstück fahren, was die Kühe wohl kaum schaffen können. Mit seinem Vorwand stieß er bei den Bauingenieuren allerdings auf Widerstand, denn sie rechneten beide Situationen nach und stellten dabei fest, dass die frühere Steigung zu seinem Hof 10, 4 Prozent betrug und die neue 10,6 Prozent. Damit wurde sein Widerspruch abgelehnt.