Dakota Johnson im Taxi Foto: Verleih

In ihrem Kinodebüt „Daddio – Eine Nacht in New York“ zeigt Regisseurin Christy Hall eine intensive Nacht im Taxi.

Am New Yorker Flughafen JFK steigt eine junge, blondierte Frau (Dakota Johnson), deren Namen im Film nie genannt wird, zu dem Taxifahrer Clark (Sean Penn) in den Wagen und nennt eine Adresse in Midtown Manhattan. Clark ist Anfang sechzig, hat sein halbes Leben auf dem Fahrersitz verbracht und ist in dem Job zum Menschenkenner geworden.

 

Da seine Passagierin sich nicht gleich in ihr Smartphone vertieft und seinen Blicken im Rückspiegel nicht ausweicht, eröffnet Clark das Gespräch. Die Frau auf der Rückbank reagiert zunächst mit freundlicher Höflichkeit, aber dann zunehmend amüsiert und interessiert auf die Ausführungen ihres Chauffeurs. Und so ergibt sich ein verbales Pingpongspiel, in dem beide Seiten sukzessive persönlicher werdende Details und Ansichten miteinander teilen. Derweil vibriert das Smartphone der jungen Frau, auf dem die Textnachrichten ihres Liebhabers eintrudeln. Immer zudringlicher werden dessen sexualisierte Aufforderungen, auf welche die Empfängerin eher hinhaltend als abwehrend reagiert.

Wenn sie das Handy zur Seite legt, versucht Clark mit weiteren Fragen mehr über seinen Fahrgast herauszubekommen. Es dauert nicht lange, bis der Menschenkenner zurecht vermutet, dass die junge Frau eine Affäre mit einem älteren, verheirateten Mann hat. Während das Taxi vor Manhattan in einem Stau festsitzt, schüttet Clark seine Ansichten über außereheliche Beziehungen aus. Die jüngere Geliebte sei allein ein sexuelles Ergänzungsmittel zur langweilig gewordenen Ehe, dürfe möglichst keine Ansprüche stellen und bloß nicht das Wort Liebe in den Mund nehmen.

Nach diesen Ausführungen ist erst einmal dicke Luft im Wagen, aber es dauert nicht lange, bis das Gespräch wieder in Gang kommt und die Frau auf der Rückbank dem Hobbytherapeuten ihre Familiengeschichte offenbart, die von sozialen Missständen und einer frühen Trennung vom Vater gekennzeichnet ist.

Kammerspiel auf vier Rädern

Auch wenn es der Regisseurin und Drehbuchautorin Christy Hall gelingt, in der Enge des Raumes ein hoch konzentriertes Kammerspiel auf vier Rädern zu inszenieren, stößt einem im Verlauf des Filmes zunehmend die stereotype Grundkonstellation der Geschichte auf. Der Taxifahrer, der als Teilzeitpsychologe die junge Frau mit Fragen in die Enge treibt und ihr nicht nur die Welt, sondern auch ihr eigenes Verhalten erklärt, ist ein besonders krasser Fall von „mansplaining“ – was hier auf irritierende Weise weitgehend unwidersprochen bleibt.

Während Sean Penn als schauspielerische Naturgewalt die Tiraden und Glückskeksweisheiten seines allwissenden Chauffeurs abfeuert, nimmt Dakota Johnsons Figur als junge, moderne Frau mit beruflichem Erfolg, schwieriger Familiengeschichte und ausgeprägtem Vaterkomplex auf der Rückbank nur zögerlich Gestalt an.

Daddio – Eine Nacht in New York: USA 2023, 101 Minuten. Regie: Christy Hall. Mit Sean Penn, Dakota Johnson. Ab 12 Jahren.