Am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag unterhält sich Ankläger Luis Moreno Ocampo mit der Schauspielerin Angelina Jolie Foto:  

In seinem Dokumentarfilm „War and Justice“ beleuchtet der Tübinger Filmemacher Marcus Vetter die Geschichte des Internationalen Strafgerichtshofs – und bekommt bei Dreh Besuch aus Hollywood.

Der Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes ist ein Ort von historischer Dimension. Hier wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 24 hochrangige Vertreter des NS-Regimes wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Dorthin reist der Argentinier Luis Moreno Ocampo, der von 2003 bis 2012 der erste Chefankläger am International Criminal Court (ICC) in Den Haag war, um eine Grundsatzrede über die Bedeutung der Verfolgung von Kriegsverbrechen zu halten. Er wirbt gerade in diesen Zeiten dafür, die Verantwortlichen für Angriffskriege zur Rechenschaft zu ziehen, weil das größte Kriegsverbrechen immer noch der Krieg selbst sei. Aber die Statuten des ICC sehen vor, dass dafür nur Angehörige der 124 Unterzeichnerstaaten vor Gericht gestellt werden können, wozu die Großmächte wie Russland, USA und China nicht gehören. Von seinem wichtigsten Ziel, nicht nur Kriegsverbrechen zu ahnden, sondern Kriege selbst zu verhindern, ist das ICC weit entfernt.

 

Gefährlicher Kipppunkt

Marcus Vetters und Michele Gentiles „War and Justice“ ist ein Update der Doku „The International Criminal Court“ von 2013. Der Film macht nun auch anhand des Ukraine-Krieges das Dilemma des ICC deutlich, der zwar gegen Putin wegen Kriegsverbrechen einen Haftbefehl erlassen hat, aber nicht in der Lage ist, ihn vor Gericht stellen zu können. Die Doku konzentriert sich auf die Grundsatzfragen, die Ocampo über seine Arbeit beim ICC rückblickend formuliert.

Der aktuelle Chefankläger Karim Khan kommt nur in wenigen Zitaten zu Wort, die aber verdeutlichen, dass er eine eloquentere Quelle für die aktuelle Bedeutung des ICC gewesen wäre. Denn Khan, der gerade Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten sowie die Führer der Hamas ausgestellt hat, macht deutlich, dass wir uns an einem gefährlichen Kipppunkt der Geschichte an der Grenze zu einem Weltkrieg befinden, was ein entschlossenes Handeln der internationalen Gemeinschaft erfordert.

War and Justice. Deutschland 2023. Regie: Marcus Vetter, Michele Gentile. 96 Minuten.