25 Jahre lang war Hans Stollsteimer angesehener Stadtrat in Nagold. Kaum hat er seinen Rückzug bekannt gegeben, wird sein Sohn Markus in den Nagolder Gemeinderat gewählt. Der war allerdings davor schon längst politisch aktiv.
Man erinnert sich noch gut an die Bilder der Bauernproteste: Lange Kolonnen von Traktoren auf den Straßen im Kreis Calw, eine Großkundgebung auf dem Nagolder Vorstadtplatz und eine Protestaktion beim Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Nagold.
Das Ganze ist noch nicht einmal zwölf Monate her. Mittendrin: Markus Stollsteimer, damals „nur“ Vorstandsmitglied im Bauernverband Nordschwarzwald. Inzwischen ist der Landwirt Gemeinderat für die Freien Wähler.
Im Bauernverband macht er zügig Karriere
Das Engagement für seinen Berufsstand ist für Markus Stollsteimer eigentlich selbstverständlich. Schon kurz nach Ende seiner Ausbildung ist er im Bauernverband tätig. Schon damals ist das Interesse an Politik und politischer Arbeit geweckt. Im Bauernverband macht er zügig Karriere. Erst als Fachvertreter für Hochdorf, weil kein anderer Kandidat zu finden ist. Ein paar Jahre später ist er schon stellvertretender Kreisvorsitzender im Kreis Calw.
Und die Arbeit als Bauernvertreter hat es in sich: Vor allem die Fusion der Kreisverbände Calw und Freudenstadt kostet Körner: „Diese Fusion war schon wirklich zeitintensiv“, erzählt Markus Stollsteimer im Gespräch mit der Redaktion. Und auch die Bauernproteste in der Region, an denen der Landwirt vom Lindenhof maßgeblich beteiligt ist, haben schon gefordert.
Es kann nur einen Stollsteimer im Rat geben
Ein Engagement in der „normalen“ Politik im Nagolder Gemeinderat kommt für ihn lange Zeit nicht in Frage. Dass er und sein Vater zur gleichen Zeit im Rat sitzen, ist für ihn einfach ein Ding der Unmöglichkeit. Erst als Hans Stollsteimer seinen Rückzug verkündet hat, reifen die Gedanken an eine Kandidatur.
Doch so ganz selbstverständlich sei das für ihn nicht gewesen, erzählt er. Immerhin habe er bei seinem Vater mitbekommen, was das als Gemeinderat für eine Arbeit sei, wenn man sie wirklich gewissenhaft mache. Und dann ist ja auch noch der Hof, den er führt, die Frau, die Familie. Da wird die Zeit schon ohne Gemeinderatsmandat manchmal knapp.
Praktische Landwirte sollen in der Politik zu Wort kommen
Doch er sieht sich auch irgendwie in der Pflicht. „Es ist gut, wenn auch praktische Landwirte in der Politik zu Wort kommen“, sagt er sich und zur Redaktion. Immerhin habe er diese Expertise. Und außerdem könne man nicht immer sagen, jemand anderer soll es doch machen. Und dann selbst schimpfen.
Also ringt er sich durch – und wird auch prompt gewählt. Als Themen hat er sich zunächst einmal die vorgenommen, die ihn auch in seinem eigentlichen Beruf beschäftigen: die Erschließung von Baugebieten, Grundstücke – aber auch erneuerbare Energien.
Und bei denen hat er eine klare Meinung: Mit Windrädern hat er ein Problem, erst recht aber mit Photovoltaikanlagen auf fruchtbaren Ackerflächen. „Warum nutzt man dafür nicht Flächen, die ohnehin schon versiegelt sind“, fragt er und weiß, dass er wohl selbst Flächen für diesen Zweck verlieren wird.
Vorbereitungen für die Sitzungen sind zeitintensiv
Und was die Arbeit im Gemeinderat angeht, hat sich eine Information auf jeden Fall bestätigt: Die Vorbereitungen für die Sitzungen sind zeitintensiv. Auch die Zahl der Sitzungen ist immens: „Das summiert sich schon“, berichtet er aus seiner Anfangszeit. Aber immerhin bekomme man in dieser Position etwas mit.
Über das Miteinander mit den anderen Räten und der Verwaltung kann er nichts Schlechtes sagen. Im Gegenteil: „Es ist ein konstruktives und gutes persönliches Miteinander“, stellt er fest und macht sich auch um ein Nagolder Charakteristikum keine Sorgen: „Den Nagolder Geist gibt es.“