Das Vodafone-Logo steht vor der Vodafone-Deutschland-Zentrale in Düsseldorf. Das Unternehmen hat das Unitymedia-Netz übernommen. Foto: Gamberini

Fast zwei Tage lang geht rund um Horb nichts mehr. Techniker tappen lange im Dunkeln.

Was für ein Ärger im Homeoffice: Viele Internet-Nutzer hatten am Dienstag und auch noch am Mittwoch Ausfälle im Vodafone-Kabelnetz. Die Techniker brauchten lange, um das Problem ausfindig zu machen.

Horb - In den sozialen Medien schrieben sich Vodafone-Kunden in Horb und Umgebung den Frust von der Seele. "Was war es mit Unitymedia so gut. Seit es Vodafone ist, nur Probleme. Heute ist es eine Großraumstörung. Hatte angerufen", schreibt eine Facebook-Nutzerin in der Gruppe "Horber Stadtgeflüster".

Seit Dienstagmorgen ging in zahlreichen Haushalten (fast) nichts mehr in Sachen Internet. Nur noch minimal flossen die "Mbits" durch das Kabel von Vodafone. Das Unternehmen hatte Anfang des Jahres das Netz von Unitymedia übernommen.

Techniker tappen lange im Dunkeln

Erste Anrufer bei der Hotline bekamen zunächst zu hören, dass es sich um eine Einzelstörung handele. Später jedoch hieß es vom Band: "Für ihre Region liegt eine Störung vor. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Behebung des Problems."

Doch die Techniker tappten erst einmal im Dunkeln. Vodafone-Pressesprecherin Heike Koring erklärt die Gründe: "Die Modems hatten angezeigt, dass sie ganz normal im Netz seien. Deshalb war der Fehler nicht sofort zu erkennen." Die Menge an Anrufern bei der Hotline habe aber deutlich gemacht, dass es sich doch um eine größere Störung für mehrere Nutzer handelte.

Die Techniker fanden schließlich das Problem. "Es war ein Fehler im Routing in der Betriebsstelle in Horb. Es wurde dann eine Baugruppe ausgewechselt und ein Reboot gemacht. Danach lief es wieder." Ab Mittwochnachmittag seien alle Kunden wieder mit schnellem Internet versorgt gewesen. Wie viele Haushalte es getroffen hat, sei schwer zu erfassen bei diesem Problem. "Es waren nicht alle Kunden vor Ort betroffen. Wir gehen von mehreren hundert aus", sagt Koring.

Mehrere Probleme in den vergangenen Wochen

Es war nicht das erste Problem von Vodafone in den vergangenen Wochen. Erst Ende November hatte es eine deutschlandweite, massive Störung gegeben.

Zum anderen hatten beispielsweise mehrere Nutzer der Horizon Box – der Fernseh-Kabelbox von Unitymedia, die Vodafone übernommen hat – größere Probleme im September und Oktober. Hier liefen die Mediatheken und die Re-Start-Funktion nur noch mit einem "Ruckeln". Auch hier wurde zuerst von "individuellen Hardware-Problemen" gesprochen. Mehrere Kabelboxen wurden ausgewechselt, ohne dass sich eine Verbesserung einstellte. Techniker-Termine vor Ort blieben ohne Erfolg. Am Ende hieß es jedoch: "Wir haben zwischenzeitlich einen unserer zentralen ›Video-Server‹ neu gestartet, da wir im Netz keinen Defekt, der als Ursache in Frage gekommen wäre, feststellen konnten."

Hat sich die Leistung seit dem Wechsel von Unitymedia auf Vodafone wirklich verschlechtert? Das beklagen Kunden zumindest immer wieder mal in sozialen Medien und in einschlägigen Foren. Das Online-Portal "Inside Digital" beleuchtete den Kundenservice von Vodafone im Mai dieses Jahres. Eine Untersuchung der Onlineplattform Volders, einem Anbieter, der beim Vergleich verschiedener Verträge hilft, habe ergeben, dass Vodafone zahlenmäßig in den vergangenen 28 Monaten (Stand Mai) die meisten Kündigungen (1700) mit der Begründung "Schlechter Kundenservice" erhalten habe. "Inside Digital" schrieb deshalb: "Ein hartes Los erwartet alle ehemaligen Unitymedia-Kunden." Allerdings: Die absolute Zahl an Beschwerden muss auch mit der hohen Kundenzahl in Relation gesetzt werden. Allein im Mobilfunknetz hatte Vodafone im dritten Quartal 2020 55,2 Millionen Kunden (zum Vergleich: Telekom rund 47,8 Millionen).

Vodafone-Pressesprecherin Heike Koring kann eine Verschlechterung für ehemalige Unitymedia-Kunden nicht bestätigen: "Das Netz, das wir übernommen haben, ist so wie es vorher auch war." Sie verspricht aber vollen Einsatz für die Vodafone-Nutzer: "Es ist unser ureigenstes Interesse, dass unsere Kunden zufrieden sind. Wir wissen um die Brisanz, dass viele Menschen gerade in der aktuellen Corona-Situation auf ein funktionierendes Netz im Homeoffice angewiesen sind."