Über die Lage des Stromnetzes und die Versorgungssicherheit sowie durchgeführte und geplante Investitionen in die Stromnetzinfrastruktur rund um Seewald informierte die Netze BW GmbH.
Neval Aras, Regionalmanager der Netze BW, der mit Kommunalberater Simon Speiser zur Gemeinderatssitzung in Besenfeld gekommen war, berichtete über ein Stromnetz von 103,8 Kilometern mit 916 Hausanschlüssen in Seewald. Die Erdverkabelung sei von 81 auf 86 Prozent angestiegen, während die Freileitungen rückläufig seien.
Die Netze BW habe von 2020 bis 2024 rund fünf Millionen Euro investiert, hauptsächlich für Erneuerungsmaßnahmen durch Kabelverlegungen und Abbau von Freileitungen, aber auch in neue Umspannstationen und Erschließung von Gewerbe- und Baugebieten.
Als Highlight-Projekte rund um Seewald wurden Maßnahmen an der Erzgrube mit Breitband im Stutztal/Hallwanger Straße und Schorrental genannt, aber auch die Verkabelung in Göttelfingen-Allmandle, Besenfeld, Nagoldtalstraße und die Erneuerungen an den Umspannstationen Herdweg und Tannenweg.
Mögliche Engpässe in der Versorgungssicherheit
Bis 2029 ist die Erneuerung der alten Umspannstation in der Kniebisstraße in Besenfeld ebenso geplant wie die Demontage der Freileitung über der Nagoldtalsperre zwischen Erzgrube und Schernbacher Sägmühle. Mit rund 1,2 Millionen investiert die Netze BW in verschiedene Maßnahmen des Breitbandausbaus.
Aras benannte die politischen Ziele im Rahmen der Energiewende, die bis 2030 mindestens 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien beinhalten sowie eine Treibhausgasneutralität in Baden-Württemberg bis 2040, deutschlandweit bis 2045.
Er sprach über mögliche Engpässe in der Versorgungssicherheit und die Problematik der Bezahlbarkeit in Bezug auf den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, aber auch über eine prognostizierte Verdopplung des deutschlandweiten Strombedarfs bis 2045. Herausfordernd sei die Verstärkung vorhandener Leitungen sowie das Erfordernis neuer Umspannwerke und die Ertüchtigung vorhandener. Hierzu nannte der Regionalmanager einen Investitionsbedarf in den kommenden 20 Jahren von rund 40 Millionen Euro, das entspricht rund 8000 Euro je Einwohner.
22 E-Ladestationen in Seewald
Die Anzahl der Anfragen für Erzeugungsanlagen, primär Photovoltaik, seien explosionsartig gestiegen und waren mit 24 736 Ende März 2025 bereits so hoch wie zum Jahresende 2021. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Anzahl der Photovoltaikanlagen in Seewald von 98 auf 206. Seewald ist in der komfortablen Situation, mehr Strom einzuspeisen (141 Prozent) als verbraucht werde.
Seewald verfüge im Bereich Elektromobilität über 22 Ladestationen mit 24 Ladepunkten. In der Gemeinde gibt es 50 vollelektrische Fahrzeuge, was einer Elektrifizierungsquote von 3,3 Prozent entspricht.
Bereits 40 Prozent der Zähler digitalisiert
Von 1162 Netzkunden übermittelten 2024 bereits 1127 (97 Prozent) ihre Zählerstände digital und 85 Prozent der 190 Einspeiser nutzen das digitale Kundenportal der Netze BW. Bis zum Jahr 2032 sollen die analogen Zähler durch intelligente digitale Geräte ausgetauscht sein, Stand heute sind bereits 40 Prozent der Zähler digitalisiert.
Bürgermeister Dominic Damrath machte deutlich, dass die Gemeinde stolz auf ihre Gewerbebetriebe sei, der Netzausbau aber oft im Weg stehe, weshalb er für einen schnellen Ausbau plädierte.