Der Netzbetreiber Transnet BW errichtet derzeit Strommasten für eine neue Hochspannungstrasse nach Süden – darunter auch eine Reihe von Provisorien.
Wer vom Neurieder Teilort Schutterzell kommend über die Ortenaustraße und die Ichenheimer Straße Richtung Niederschopfheim fährt, kommt derzeit an einer Reihe von Baustellen vorbei. Dort wachsen in nächster Zeit insgesamt 43 Masten für eine neue 380-Kilovolt-Stromtrasse zwischen Offenburg und Meißenheim in die Höhe. Sogenannte Gründungsarbeiten laufen bereits seit August. Bauherrin ist die Firma Transnet BW.
Zwar gibt es bereits eine Nord-Süd-Verbindung in Form einer 380-kV-Stromtrasse direkt östlich von Ichenheim, die sich der Netzbetreiber mit der Firma Amprion teilt. Wegen der „sich ändernden Bedingungen der Energiewende“ brauche es jedoch eine weitere, so Transnet BW. Weil der Energiebedarf wächst, muss das Unternehmen also aufrüsten.
Der 14 Kilometer lange Abschnitt zwischen Offenburg und Meißenheim ist – als Abschnitt B2 – Teil der insgesamt circa 120 Kilometer langen Netzverstärkung zwischen Daxlanden (Karlsruhe) und Eichstetten im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die im Bau befindliche 380-kV-Freileitungsanlage ist als Ersatz für eine bestehende 220-kV-Freileitung geplant. Letztere verläuft bislang von Offenburg kommend westlich von Schutterwald. Die neue Trasse wird östlich von Schutterwald näher an der Autobahn verlaufen, direkt parallel einer weiteren Verbindung – diese werden so gebündelt.
Provisorische Masten sollen 2029 abgebaut werden
Etw a ab Höhe Schutterzell wird der Neubau in der bestehenden Achse in Richtung Süden weitergeführt. Da dafür die 220-kV-Leitung erst abgeklemmt werden muss, entsteht derzeit eine Querverbindung zwischen der im Bau befindlichen 380-kV-Leitung und der bereits bestehenden Leitung östlich von Ichenheim.
„Seit Oktober 2025 werden zwischen Schutterzell und Ichenheim entlang des Hofweges zwölf sogenannte provisorische Strommasten errichtet. Diese stehen dort für die gesamte Dauer des Baus bis circa 2029 und werden im Anschluss zurückgebaut“, erläutert Andreas Brodbeck, Projektsprecher bei Transnet BW, auf Anfrage unserer Redaktion. Sie dienen der unterbrechungsfreien Stromversorgung des Umspannwerks Weier in Offenburg.
Teile der provisorischen Querverbindung im Bereich des Ottenweier Hofs standen bereits, andere befanden sich noch im Bau, als unsere Redaktion sich am Donnerstag ein Bild machte. In Teils schwindelerregender Höhe montierten Arbeiter von einem Kran herangereichte Metallelemente und Streben.
Wann genau es südlich von Schutterzell weitergeht, ist noch unsicher
Laut Brodbeck soll der Neubau der 380-kV-Leitung bis Schutterzell und die provisorische Querverbindung nach Ichenheim bis 2027 abgeschlossen sein. „Dann können die bestehenden 220-kV-Masten westlich und nördlich von Schutterzell bis zum Umspannwerk Weier zurückgebaut werden“, so der Projektsprecher.
Für die südlichsten Masten des Teilabschnitts B2 in Schutterzell beginnen ab März 2026 erste Gründungsarbeiten. Da sich diese Masten direkt unter der in Betrieb befindlichen 220-kV-Leitung befinden, können sie erst nach deren Abschaltung weiter in die Höhe gebaut und später mit Stromseilen bestückt werden.
Ab wann es mit dem Teilabschnitt B3 weitergeht, ist noch unklar. Das Regierungspräsidium Freiburg hat dafür noch keine Planfeststellungsbeschluss erteilt – „da noch Nacharbeiten an den Plänen erforderlich sind“, informiert ein Sprecher der Behörde. Wann grünes Licht erfolgen könne, hänge vom weiteren Verfahrensablauf ab. Transnet BW spricht von Bauarbeiten im Abschnitt B3 von 2027 bis 2029.
„Nach Erhalt des Planfeststellungsbeschlusses sind Gründungsarbeiten im gesamten Abschnitt vorgesehen“, so Brodbeck. Der Leitungsneubau soll ab Schutterzell dann westlich von Kürzell und östlich der Schwanauer Teilorte Allmannsweier, Nonnenweier und Wittenweier weiter nach Süden verlaufen.
Aus drei mach zwei
Stromleitungen der Netzbetreiber Transnet BW, Netze BW und DB Energie zerschneiden derzeit noch zwischen Offenburg und Schwanau die Ortenau. Sie sollen in zwei Strängen gebündelt werden. Der Plan sieht vor, dass Transnet BW ihre 220-kV-Trasse aufgibt und die neue 380-kV-Leitung in Richtung A5 verschiebt. In unmittelbarer Nähe werden die DB Energie und die Netze BW eine Gemeinschaftsleitung mit jeweils 110 Kilovolt errichten.