Die Calwer Straße in Berneck ist voll gesperrt, während dort die Nahwärme-Leitungen verlegt werden. Wir haben nachgefragt, was es damit auf sich hat und wie es weitergeht.
In Berneck wird das Nahwärmenetz installiert – und für die Bernecker bedeutet das: Ihr idyllischer Stadtteil ist vorübergehend zur Baustelle geworden. Die Bernecker Hauptstraße kann mittlerweile wieder befahren werden, nun ist die Calwer Straße vollständig gesperrt. Eine tiefe Grube verläuft vom Rathaus den Berg hinauf am Straßenrand, innen liegen bereits dicke Schläuche, einige Metallbrücken erleichterten Fußgängern den Übergang.
Günther Garbe von den Stadtwerken erklärt, was es mit der Nahwärme auf sich hat. Im stadteigenen Klärwerk entsteht Klärgas. Diese werden zur Stromgewinnung genutzt, die die Anlage betreibt. Dort entstehen eine Million Kilowatt Strom im Jahr.
Was dabei allerdings weggeworfen wird: Die Wärme, die bei der Stromgewinnung entsteht. Die kann durch das Nahwärmenetz nun auch zum Heizen verwendet werden – und wird nicht mehr verschwendet.
Umweltfreundlich und nachhaltig
So entsteht quasi ein kreisförmiges System: Die Kunden heizen über die Wärme ihre Wohnungen. Über die Kanalisation fließt von dort das Wasser zurück zum Klärwerk, wo wiederum aus den herausgefilterten Bestandteilen Strom und die Wärme produziert wird. Das alles ist umweltfreundlich und nachhaltig, betont Garbe.
Die Anschlüsse kosten einen einmaligen Beitrag von vier bis siebentausend Euro. Erst einmal eine stolze Summe, aber Folgekosten sollen so auch abgedeckt sein und nicht auf die Kunden zurückfallen.
Die Nahwärme wird von den Stadtwerken geliefert und verwaltet. Die Preise werden im Gemeinderat öffentlich festgelegt und somit transparent, meint Garbe zu den Vorteilen. Auch würden die Stadtwerke kostendeckend arbeiten und keinen Gewinn erzielen wollen, den die Kunden zahlen müssten. Die Nachfrage in Altensteig sei hoch, meint Garbe.
Wer Nahwärme bezieht, bekommt ein kleines, kompaktes Heizgerät für die Wohnung. Dieses hat einen Regler, so wie es auch von herkömmlichen Heizungen bekannt ist und womit die Wärme reguliert werden kann. Dieser Heizkörper soll 20 bis 25 Jahre halten.
Gut gegen Störungen geschützt
Auch sei das System sehr gut gegen Störungen geschützt. Es gebe Reserven, die bei Ausfällen genutzt würden. „Der Kunde merkt das oft gar nicht“, meint Garbe. Auch seien Fühler verbaut, die die Grenzwerte im Netz stetig messen und bei Abweichungen melden. So kann bei einem Schaden schnell reagiert werden.
Der Nachteil der Nahwärme: Die Straße muss aufgebuddelt und gesperrt werden. Das ist erst einmal eine Unannehmlichkeit, die für die zukünftigen Kunden entsteht. Allerdings soll der Spuk in Berneck zeitnah vorbei sein. Noch im Juli sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Das Netz bestehe aus hochwertigen Materialien, die Lebensdauer soll mehr als 100 Jahre betragen.
Der Kostenpunkt für den Ausbau liegt bei etwa zwei Millionen Euro. Aber von diesen würden etwa 60 Prozent von Bund und Land gefördert.
Nach dem Seefest am 2. August geht der Ausbau dann weiter in Richtung Hornberg. Dann wird die Straße dort halbseitig gesperrt werden. Das genaue Datum stehe aber noch nicht fest.