Hier sollte eigentlich bald der Neubau stehen – Betonung auf eigentlich. Foto: Gegenheimer

Dobels Lebensmitteldiscounter soll erneuert und im Zuge dessen erweitert werden. Ende des Jahres sollte alles fertig sein – jetzt musste aber der Bebauungsplan geändert werden.

Der Lebensmitteldiscounter in Dobel ist in die Jahre gekommen. Schon lange steht eine Erneuerung im Raum. Ursprünglich geplant war eine Fertigstellung des Discounters für Ende dieses Jahres – gehalten werden kann dieser Zeitplan nicht.

 

Im Zuge der geplanten Erneuerung soll der Netto vergrößert werden. Bislang bemisst die Verkaufsfläche 675 Quadratmeter. In Zukunft soll sie circa 1 110 Quadratmeter umfassen – mit eingeplant ist hierbei ein zusätzliches Backshop-Café.

Umgesetzt werden soll die Erweiterung in Form eines Neubaus am selben Standort.

Diverse Probleme machen sich bemerkbar

Das dabei aufkommende Problem: Der Bebauungsplan muss geändert werden. Aktuell ist auf dem geltenden Bebauungsplan „Dorfwiesen“ aus dem Jahr 1994 – und dessen ersten Änderung 1996 – eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern festgeschrieben. Da diese Fläche überschritten wird, muss eine zweite Änderung des Bebauungsplans her – die Erstellung ist im Übrigen bereits 2023 in einer Gemeinderatssitzung beschlossen worden. Bürgermeister Christoph Schaack sagt in der jüngsten Sitzung: „Wir wären gerne weiter.“

Naturschutzrechtliche Belange

Das Verfahren rund um den Bebauungsplan hat sich zu einer „kleinen Odyssee“ entwickelt, so der Rathauschef.

Ursprünglich sollte das alte Netto-Gebäude bereits im März dieses Jahres abgerissen werden. Bis zum Jahresende sollte außerdem der Neubau abgeschlossen sein – jetzt steht fest, dass Abriss und Bau in diesem Jahr nicht einmal mehr beginnen werden, so Schaack.

Wodurch kam es zu der Verzögerung?

Die Verzögerung beim Bauprojekt Netto ist größtenteils auf den Artenschutz zurückzuführen. In einer Stellungnahme vonseiten der Naturschutzbehörde vom Dezember vergangenen Jahres wurden naturschutzrechtliche Belange angesprochen.

Aufgrund der streng geschützten Falterart namens Dunkler Wiesenkopf-Ameisenbläuling stand, was den Artenschutz angeht, einiges auf der Agenda. In artenschutzrechtlichen Fällen wie diesen liegt die Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie zugrunde.

Eine Population der geschützten Schmetterlingsart lebt auf den FFH- und angrenzenden Flächen und könnte so durch eine Erweiterung des sogenannten Sondergebiets „Lebensmitteldiscounter“ gestört werden.

Für den Falter müssen bestimmte Lebensbedingungen herrschen, die nicht beeinträchtigt werden dürfen. Wie aus der Stellungnahme der Naturschutzbehörde von Dezember hervorgeht, soll sichergestellt werden, dass die Ausgleichsflächen dauerhaft so genutzt werden, dass der Falter diese Lebensbedingungen hat.

Zielgerade erreicht

Auch für die FFH-Mähwiesen musste zunächst eine Lösung gefunden werden.

Aber jetzt „ist die Zielgerade erreicht“, so Schaack in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Mittlerweile ist der Artenschutz in den Bebauungsplan eingearbeitet. Christine König vom Architekturbüro Baldauf erklärte, dass der Plan unter Beachtung der Ausgleichsmaßnahmen erstellt wurde.

FNP musste ebenfalls beschlossen werden

Auch der Flächennutzungsplan musste geändert werden – eine reine Berichtigung genügte nicht. In der Sitzung wurde auch über die fünfte Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP) abgestimmt. Mit Blick auf diesen werde es im November noch einen gemeinsamen Ausschuss zwischen Dobel und Bad Herrenalb geben, so Charline Girodon vom Architekturbüro Baldauf.

Das ist die aktuelle Situation

Mit einem einstimmigen Ja vonseiten des Gemeinderates sind nun zumindest diese rechtlichen Grundlagen für den Neubau geschaffen – sowohl die Änderungen im Bebauungsplan als auch im Flächennutzungsplan. Der Bauantrag selbst wurde bereits im Februar beim Landratsamt eingereicht.

Der Grund dafür, dass in diesem Jahr nicht einmal mehr abgerissen wird, ist das noch bevorstehende Weihnachtsgeschäft, welches für Netto von großer Bedeutung ist. Eine Interimslösung beispielsweise in Form eines Verkaufszelts wurde bereits im Dezember vergangenen Jahres ausgeschlossen.