Der TV-Maler Bob Ross war Hobbycoach, Seelentröster – und Umsatzbringer. Foto: Netflix/Rofé

Millionen Menschen haben Malkurse von Bob Ross gesehen. Die Netflix-Doku „Bob Ross: Glückliche Unfälle, Betrug und Gier“ erzählt von Kitsch und Kämpfen.

Stuttgart - Reden wir lieber nicht über Kunst. Bob Ross tat es auch nicht. Ob seine Landschaftsbilder bei manchen Betrachtern Lachanfälle oder Kopfschütteln auslösten, war dem in den USA immens populären und auch in Deutschland bekannten Fernsehmaler ziemlich egal. In seiner Show „The Joy of Painting“ klatschte er jeweils in einer halben Stunde ein neues Gemälde hin, gern eine Variation von schroffen, schneebedeckten Bergen im Hintergrund, viel Nadelholz im Vordergrund. Mit warmer Stimme ermutigte er seine Zuschauer, jeder könne malen, es brauche kein besonderes Talent.

 

Wer heilt, hat recht

In Joshua Rofés jetzt bei Netflix zu sehendem Dokumentarfilm „Bob Ross: Glückliche Unfälle, Betrug und Gier“ wird kein Zyniker enthüllt. Der 1995 im Alter von nur 52 Jahren Verstorbene glaubte an das, was er tat. Beim Malen war er glücklich, und dieses Glück wollte er teilen. Für viele Menschen wurde die regelmäßige Malstunde des Ex-Berufssoldaten Seelenmassage, Kraftquell und Stütze. Sohn und Weggefährten versichern, Bob Ross sei im Alltag stets so gewesen wie vor der Kamera. Dass nicht nachgebohrt wird, ist stimmig, denn es geht ja um die Regel: Wer heilt, hat recht. Der Film konfrontiert uns mit der alten Wertfrage: Wenn scheinbar läppischer Kitsch so viel Gutes bewirkt, ist er dann nicht so respektabel wie ein Meisterwerk?

Kommerz und Vorwürfe

Wie Ross malte, konnte man in straff organisierten Kursen lernen, und die Fans kauften Farben, Pinsel und Lehrvideos aus der Ross-Kollektion. Für diesen Kommerz war das Ehepaar Kowalski zuständig, das früh das Potenzial des Mannes erkannt, mit ihm Verträge geschlossen und aus einem Herzensmenschen eine streitbare Marke gemacht hatte. Die Kowalskis haben immer strengere Kontrolle über Ross ausgeübt und nach seinem Tod den Sohn und die Witwe, so jedenfalls schildert das der Film, aus dem Erbe hinausgedrängt.

Eine Anfrage der Filmemacher lehnten die Kowalskis mit der süßlichen Drohung rechtlicher Schritte ab. Vom fertigen Film aufgeschreckt, dementierten die Lenker der noch immer brummenden Bob-Ross-Maschine alle Vorwürfe, was in den Abspann eingefügt wurde. Sie beklagen sich nun, sie seien nicht zu Wort gekommen. Schönste Volte: Sie hätten ja nicht gewusst, dass der Film auf Netflix laufen werde. Man bekommt da eine Ahnung, was Bob Ross in den späteren Jahren selig vergessen wollte, wenn er Leinwand um Leinwand füllte.

Bob Ross: Glückliche Unfälle, Betrug und Gier. Netflix, bereits abrufbar