Robbie Williams gibt sich in der Netflix-Doku ganz privat: In Shirt und Unterhose, auf dem Bett sitzend, lässt er sein bisheriges Leben Revue passieren. Foto: dpa/Netflix

Sänger Robbie Williams lässt in einer vierteiligen Netflix-Doku buchstäblich die Hosen herunter – und spricht nur in Unterwäsche bekleidet und auf seinem Bett sitzend über sein bewegtes Leben. Wirklich nah kommt man ihm dabei trotzdem nicht.

Eigentlich schaue man erst bei Petrus an der Himmelspforte auf sein Leben zurück, sagt der Superstar Robbie Williams. „Aber nun ist die Büchse der Pandora geöffnet.“ Mit diesen Worten klappt der Brite seinen Laptop auf und begibt sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Damit reiht er sich ein in eine Gruppe von Prominenten, die aktuell Dokumentationen über ihr Leben beim Streamingdienst Netflix veröffentlichen.

 

Zuletzt hatte beispielsweise der frühere Fußballstar David Beckham aus dem Nähkästchen geplaudert. Doch die Biografie von Robbie Williams – heute 49 Jahre alt – bietet sich mit ihrer einzigartigen Mischung aus überwältigenden Erfolgen und tragischen Abstürzen vielleicht am meisten für einen Rückblick an.

Auf seinem Bett sitzend, nur mit schwarzem Slip und Shirt bekleidet, kommentiert Robbie Williams Videos aus seiner Vergangenheit, die über den Laptop flimmern. Ab und zu kommt seine älteste Tochter Theodore – die er Teddy nennt – dazu, kuschelt sich zu ihm ins Bett und will wissen, wer da zu sehen ist. Wohldosiert zeigt der Regisseur Joe Pearlman den privaten Robbie, den Familienvater. Auch wenn die Inszenierung in Unterwäsche und die kleinen Einblicke in sein Familienleben wohl die Nahbarkeit des Superstars suggerieren sollen – wirklich nah wird man ihm in der vierteiligen Dokumentation dennoch nicht kommen.

30 Jahre lang sei er hinter den Kulissen mit der Kamera begleitet worden, heißt es im Intro. Bildmaterial, das nie veröffentlicht wurde – bis jetzt. Kommentiert wird der Film ausschließlich von Robbie Williams selbst, Weggefährten kommen nur bruchstückhaft in dem Filmmaterial aus früheren Zeiten zu Wort. Dabei wäre es interessant gewesen zu erfahren, wie diese ihn erlebten.

Mit seinen Erzählungen steigt Robbie Williams zu der Zeit ein, in der er als 16-jähriges Mitglied der Boyband Take That über Nacht berühmt wurde. Er sei nicht bereit dafür gewesen, sagt er rückblickend. Der überwältigende Erfolg, ständig unterwegs zu sein, ein Interview nach dem anderen zu geben, die kreischenden Fans: „Es gab keine fünf Minuten Leerlauf.“ Dazu kam die Rivalität mit Gary Barlow, von der Robbie mehrmals erzählt. „Gary war der, den ich am wenigsten mochte aus der Band“, gibt er gegenüber seiner Tochter zu. Eifersucht sei der Grund dafür gewesen. Nur einen kleinen Teil räumt die Doku diesen Take-That-Zeiten ein. Robbie erlebte diese Zeit vor allem unter dem Einfluss von Ecstasy, Kokain und Alkohol. Entsprechend schlecht ging es ihm, als er mit 21 Jahren die Boyband verließ.

Zu dieser Zeit traute ihm wohl kaum jemand zu, dass er an die Erfolge mit Take That anknüpfen – und diese sogar noch übertrumpfen würde. Doch dann lernte er seinen späteren Songwriter und Produzenten Guy Chambers kennen und ging in die Entzugsklinik. Ein gesünderer, energiegeladener Robbie ist anschließend in der Doku zu sehen. Der Song „Angels“ veränderte alles und katapultierte ihn ganz an die Spitze. An seiner Seite war damals immer Guy Chambers, der auch den Refrain für „Angels“schrieb und viele andere Hits mit entwickelte. Auf diese Zeit blickt Robbie mal mit einem Lächeln zurück, mal sagt er: „Ich war noch ein Baby. Ich war noch nicht bereit.“ 25 Jahre jung war er, als er es bereits zum zweiten Mal schaffte, den höchsten Gipfel des Erfolgs zu erklimmen.

Beziehungen zu Nicole Appleton und Geri Halliwell zerbrachen

Privat hielten seine Beziehungen dagegen nicht lange, wie etwa zu der All-Saints-Sängerin Nicole Appleton, mit der er verlobt war. Eine Liaison mit „Spice Girl“ Geri Halliwell, für die er den Song „Eternity“ schrieb, zerbrach, weil er nicht mehr wusste, wem er vertrauen konnte. Und schließlich kam es auch zum Bruch mit seinem Mentor Guy Chambers, die Zusammenarbeit endete nach dem fünften Album. Die größte Schwäche der Doku ist, dass man in solchen Momenten nicht wirklich an den Menschen Robbie Williams herankommt. „Ich empfinde keine Traurigkeit“, sagt er lediglich zu dem damaligen Zerwürfnis mit Guy Chambers.

Traurig wird es dagegen, wenn er sich selbst dabei zusehen muss, wie er auf einen Nervenzusammenbruch zusteuerte. Denn immer wieder musste der Popstar mit depressiven Phasen kämpfen. Trotz erfolgreicher Konzerte im britischen Knebworth vor 125 000 Menschen litt er unter der britischen Presse, die ihn kritisierte. Der Künstler, der zu diesem Zeitpunkt der größte Entertainer der Welt war, hatte schreckliche Versagensängste. Und so wird Robbie Williams doch für einen kurzen Moment nahbar, wenn er darüber spricht, wie schwer es ihm fällt, dies noch einmal durchleben zu müssen. Über die Panikattacken, die er 2006 während seiner großen Welttournee auf der Bühne erlitt, lässt er dann aber lieber sein früheres Ich aus dem Videomaterial sprechen. Und so zeigt die Doku vor allem eines: Die Vergangenheit lässt Robbie Williams nicht los.

Robbie Williams. Die vierteilige Dokumentatarfilm-Serie ist bei Netflix verfügbar.