In dieser Hütte bei Winterbach wurden Ausländer Opfer eines Brandanschlags von Neonazis Foto: dpa

Die Aufklärung des Brandanschlags von Neonazis auf eine Hütte im Remstal gestaltet sich schwierig.

Stuttgart/Winterbach - Auch mit dem zwölften von insgesamt bis Ende Mai angesetzten 31 Verhandlungstagen kommt die dritte große Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts der Aufklärung um den Brandanschlag von Neonazis auf eine Hütte nahe Winterbach im Remstal nicht näher.

Im Gegenteil. Denn zumeist pflegen die Zeugen aus der rechten Szene eine Art Schweigekartell und können sich an rein gar nichts erinnern oder sind eigener Aussage zufolge lediglich betrunken auf dem Party­grundstück herumgelegen. Jetzt gab es erneut zwei Kürzestbefragungen von rechtsextremen Gästen der Geburtstagsparty. Der 24- und der 22-Jährige waren womöglich direkt an der Brandstiftung beteiligt, sind also Beschuldigte – und machen deshalb von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Etwas umfangreicher geriet dann der Auftritt eines Kriminalhauptkommissars, der sich als „erster Hauptsachbearbeiter“ des Falls vorstellte. Er schilderte, dass die Ermittler von 66 rechten Partygästen ausgehen, 47 Männern und 19 Frauen. Mit den beiden heute 21 und 22 Jahre alten, wegen versuchten Mordes Angeklagten war der Beamte auch bei einer späteren Besichtigung des Tat­orts am Engelberg dabei.

Kein Müll wurde durchsucht

Sei angesichts der verkohlten Reste der Hütte Betroffenheit bei den beiden zu spüren gewesen? Klare Antwort auf Holzhausens Frage: „Nein überhaupt nicht, das habe ich bei keinem der beiden gespürt.“

In die Mangel genommen wurde der Kommissar von den Verteidigern der Angeklagten. Sie kritisierten, dass vor allem „die Saarländer“ auf jenem Fest nicht besser verhört wurden. Also jenes Quartett, das offenbar in jener Nacht eine Stunde lang verschwunden war und später, als die Hütte längst brannte, ziemlich außer Atem wieder auftauchte. Rätselhaft bleibt auch, was mit der abgeschnit­tenen Hose war, mit der einer der Saarländer am nächsten Morgen von Polizisten angetroffen wurde. Die Hose sei angesengt worden, als er seinerzeit bei der Übernachtung in einer Winterbacher Familie an den Heizlüfter gekommen sei, sagte er. War das Hosenbein etwa mit Brandbeschleuniger versehen, so die Verteidigerin, und wurde deshalb abgesägt? Damit, so ihre Andeutung, wären andere als ihr Mandant die wahren Täter. Genauer nachgeforscht hat die Polizei bezüglich des abgeschnittenen Hosenbeins offenbar nicht, kein Müll wurde durchsucht, auch das restliche Beinkleid nicht genauer inspiziert. Man habe lediglich den Heizlüfter untersucht und dabei keine Verschmorung festgestellt, so der Hauptsachbearbeiter.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt – womöglich mit noch mehr Fragen, auf die es keine Antworten gibt.