Wackelt sie? Wie ist der Blick und wie ist die Kurve? Schon vor der Eröffnung testen wir die Rottweiler Hängebrücke – und entlocken Investor Günter Eberhardt Interessantes.
Die Drehkreuze an den Eingängen stehen schon, die Ticketautomaten auch – doch noch ist nicht alles fertig. Die Außenarbeiten laufen auf Hochtouren, bis die Sonne untergeht wird täglich geschafft auf der Baustelle.
Und kurz vor Sonnenuntergang ist es für uns soweit: Der erste Testlauf über die Hängebrücke steht an. Nach jahrelanger Planung und vielen Tüfteleien hatte mancher schon nicht mehr an das Projekt geglaubt. Jetzt, nach einer reibungslosen Bauphase, zieht sich die Hängebrücke tatsächlich übers Rottweiler Neckartal und verbindet den Testturm auf dem Berner Feld mit der Innenstadt.
Mit Günter Eberhardt, der mit der „Neckarline“ ein Herzensprojekt umgesetzt hat, geht es los auf den 1,20 Meter breiten „Laufsteg“ der Brücke. Rechts fehlt noch ein Stück Geländer, dessen massiver Handlauf auch der ein oder anderen zittrigen Hand Halt geben wird, ansonsten sieht alles schon tipptopp aus. Die Stahlseilkonstruktion glänzt im Sonnenlicht – und es geht erst einmal nach oben. Die Brücke macht eine Kurve, die von weitem ganz schön steil aussieht.
Technisch aufwendiger als die Blackforestline
Doch beim Drübergehen merkt man den Anstieg nicht wirklich. „Das haben wir schon so berechnet, dass man da auch mit dem Rollstuhl rüberkommt“, betont Günter Eberhardt. Und gerechnet wurde viel. Mehrfach wurde die Konstruktion umgeplant. „Das Projekt war technisch viel aufwendiger als beispielsweise in Todtnau“, sagt Eberhardt, der auch schon die dortige „Blackforestline“ und die „Wildline“ in Bad Wildbad realisiert hat. Die Rottweiler ist mit 606 Metern die längste Hängebrücke – und mit 60 Metern so hoch wie die „Schwester“ in Bad Wildbad.
Ganz neue Perspektive
Der Laufsteg der Neckarline fällt nach der ersten Kurve dann wieder etwas ab und es öffnet sich der Blick auf die Rottweiler Stadtkulisse. „Schon hammermäßig“, freut sich Eberhardt. Und auch für Rottweil-Kenner eröffnet sich eine ganz neue Perspektive. Die Stadtmauer, der Pulverturm im Bockshof. All das hat man von dieser Seite aus so nah noch nie gesehen.
Derweil sieht man durch den Gitterboden der Brücke das „Darunter“ und steht irgendwann über dem sprudelnden Neckar. Links ist das Rottweiler Viadukt in voller Pracht zu sehen, rechts hinten ragt der Testturm in den Himmel. Den hat Eberhardts Firma 2015 mitgebaut – und dort entstand die Idee zur Neckarline. Und wie fühlt es sich nun an, tatsächlich auf der Brücke zu stehen?
Es hing am seidenen Faden
Eberhardt hält inne. Die Antwort sprudelt nicht sofort aus ihm heraus. Er räumt ein: „Das Projekt hing oft nur noch am seidenen Faden. Zwischen Durchziehen und Hinschmeißen, das war ein schmaler Grat.“ Aber am Ende lohne es sich, wenn man durchhält, sagt er, und lässt den Blick schweifen. „Wir haben den Edelstein geschliffen bis zur Perfektion.“
Wir überqueren die Gleise der Gäubahn – hier ist das Gitter übrigens engmaschiger – und sind beim Bockshof in der Innenstadt angekommen. Ziemlich wackelfrei sogar. Doch das täuscht, denn alleine auf der Brücke ist man sonst nicht. „Wenn da viele Menschen gleichzeitig drüber laufen, wird es anders“, schmunzelt der Brückenbauer.
Tickets für die Neckarline gibt es schon
Wer das erleben will, hat bald dazu die Gelegenheit. Von 24. bis 26. April findet das große Eröffnungswochenende mit großem Programm statt, Tickets gibt es über die Homepage der Neckarline schon jetzt.
Und für uns geht es schließlich wieder auf der Brücke zurück. Jetzt rückt die Schwäbische Alb ins Blickfeld und der 60-Meter-Pylon. Ein tolles Erlebnis. Manche Kollegen mit Höhenangst können sich das übrigens gar nicht vorstellen. Sie bewundern das gute Stück noch vom Rand aus – vorerst.