Der Bau der Hängebrücke Neckarline hat in Rottweil besondere Funde zutage gebracht. Diese sind jetzt erstmals zu sehen.
Im Bockshof beim Zugang der Brücke, wo heute das Widerlager der Neckarline tief verankert ist, stand im Spätmittelalter ganz offenbar ein Haus. Auch ein Friedhof war einst im Bockshof angesiedelt.
Da dies im Vorfeld der Bauarbeiten bekannt war, kamen im vergangenen Jahr mit dem Beginn der Arbeiten die Archäologen auf den Plan, und es hatte es im Vorfeld der Tiefbauarbeiten zur Fundamentierung der Hängebrücke eine archäologische Untersuchung gegeben. Die Ausgrabung wurde von der Firma Eberhardt Bewehrungsbau GmbH, die auch das Hängebrückenprojekt geplant und umgesetzt hat, finanziert.
Fenster in die Stadtgeschichte
Die Arbeiten der Archäologen haben einmal mehr ein Fenster in die Rottweiler Stadtgeschichte geöffnet und wichtige neue Erkenntnisse zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bebauung und Nutzung des Areals zu Tage befördert.
Funde werden im Dominikanermuseum gezeigt
Einige der Funde, die aus der Zeit vom 13. bis ins 19. Jahrhundert stammen, sind jetzt anlässlich des Eröffnungswochenendes der Neckarline im Dominikanermuseum ausgestellt. Thomas Schlipf und Christoph Wulfmeier, Leiter der Außenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, haben die Vitrine mit den Funden dieser Tage im Beisein von Museumsleiterin Martina Meyr eingerichtet.
Zu sehen sind unter anderem Rosenkranzteile und ein Knochenkamm aus den Gräbern am Bockshof, die auf das Ende des 16. bis Anfang des 19. Jahrhunderts datiert werden. Auch ein mittelalterliches Lampenfragment aus der Zeit um 1400 und manches mehr kann hier aus der Nähe angeschaut werden.
Passen die Funde zur Pürschgerichtskarte?
Auf der Rottweiler Pürschgerichtskarte ist in der Nähe des Dominikanerklosters ein Gebäude dargestellt, das später in keiner Darstellung mehr auftaucht. Im Bockshof konnten nun in Teilen die massiven Fundamente eines bislang unbekannten repräsentativen Wohnhauses freigelegt werden, die von der Lage her durchaus zu dem Gebäude auf der Karte gehören könnten. Der Bau, der möglicherweise ein Adelssitz war, datiert aufgrund des gefundenen Materials in die Gründungszeit der Planstadt, also in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ab etwa 1580 bis 1832 nutze man das Areal als Stadtfriedhof, und das sicherlich zu dieser Zeit schon verlassene Gebäude diente zumindest teilweise als Beinhaus.
Die Museen haben am Wochenende verlängerte Öffnungszeiten. Das Dominikanermuseum ist von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.