Wer genau darauf achtet, erkennt bei der Fahrt nach Horb aus Richtung Mühlen drei kleine, weiße Schalen mit Stiefmütterchen. Foto: Lück

Vor mehr als zehn Jahren – am 20. Mai 2011 – wurde das "Neckarblühen" eröffnet. Damals der Push für Horb. Wir feiern also Jubiläum. Doch das Gartenschau-Gelände sieht aus wie Kraut und Rüben. Und blühen tut auch nicht viel. Eine Polemik.

Horb - Das Neckarblühen 2011 war Jan Zeitlers großes Projekt. Der ehemalige Bürgermeister von Horb ist inzwischen Oberbürgermeister von Überlingen und hat dort Ende April "seine" Landesgartenschau eröffnet. Schaut man sich die Fotos aus Überlingen an, sieht man: Überall Blüten, Sträucher, Hecken, Pflanzen und die Parkgestaltung der Landschaft.

Könnte ja auch in Horb zum zehnjährigen Jubiläum der Eröffnung der Horber Gartenschau so sein – oder?

Los geht der Rundweg auf der Suche nach dem Neckarblühen und den Neckar-Blüten am Kleintierzuchtverein. Hier sollen die bunten Strohballen mit einem Blumenteppich die Touristen begrüßen. Klar, die runden Teile sind mit roten, weißen und gelben Folien umwickelt. Rundrum blühnen die wilden Blumen in Gelb, Weiß und Lila. Doch vor den Strohballen ist es nur braun – ein Streifen wurde frei gemacht, um Blumen zu pflanzen. Blühen tut hier jedoch nichts. Nur der Löwenzahn sprießt hier schon. Vielleicht denkt sich der Radtourist: "Ob der Osterhase hier seine Eier vergessen hat?"

Gegenüber am Hallenbad wird gerade das Neckarufer gemäht. Schade nur, dass auch die schönen Blüten der wild wuchernden Pflanzen verschwinden müssen. Vor zwei Jahren war ich auf der Bundesgartenschau in Heilbronn. Am 30. Mai 2019. Hier wurde der Wall zwischen dem künstlichen See und der dahinter liegenden Bahnlinie (da, wo die spektakuläre Rutsche war) extra mit lila, gelben und roten Blumen bepflanzt. Damit es so wild – aber auch schön wirkt – wie das, was jetzt wegmäht wird.

Okay. Schauen wir mal, wie die Autofahrer begrüßt werden. Die müssen derzeit über die Umleitung Mühlen am DHBW-Eingang in die große Kreisstadt. Zu sehen ist hier allerdings an der Kreuzung nur ein großer Baum. Ein großes rotes Plakat mit dem Slogan "Solidarität". Okay. Aber der 1. Mai ist eigentlich vorbei. Blüten. Ach doch. Wer als Autofahrer genau darauf achtet, sieht dann doch noch drei kleine, weiße Schalen mit Stiefmütterchen mit gelben und roten Blüten. Neckarblühen – hier nur per Lupe erkennbar.

Was allerdings noch auffällt vor dem Ortsschild: Links die Wiese ist frisch gemäht. Mitten auf der Riesen-Fläche steht eine offenbar brandneue Bank. Mitten im Rasen. Wer hier sitzt, hat definitiv eine Bühne – weithin sichtbar. Vielleicht die Reminiszenz zum Mini-Rock Festival, welches hier bis zum Jahr 2018 knapp 5000 Fans begeisterte. Der Unterschied nur: Wo jetzt die Bank steht, standen hunderte Zelte. Zum Knutschen, Schlafen, Party machen. Auf der jetzigen "Bühnen-Bank" macht das bestimmt keiner...

Okay. Bin doch eher für Intimität. Latsche also den Weg vom Festplatz Richtung Stadt. Klasse. Hier gibts jede Menge Bänke. An vielen allerdings ist der Lack ab. Egal, ob Höhe Neckarbad oder Marmorwerk – hässliches Braun der alten Farben kombiniert sich mit dem grau gewordenen Holz.

Blüht wenigstens die Kunst? Auch nicht. Mir fällt die greifvogelartige Skulptur aus einem Baumstamm hinter dem Marmorwerk auf. Wie alle anderen Skulpturen am Neckarufer ist das Holz grau geworden. Allerdings: Da, wo der Kopf sein sollte, ist das Holz weiß. Offenbar wurde der herausgebrochen oder getrennt. Passt irgendwie zu den wenig einladenden Bänken.

Weiter gehts Richtung Flößersteg. Hier wehen überall Fahnen mit dem Slogan "Neckarblühen". Hängen die Bauhof-Mitarbeiter deshalb vielleicht Blumenkästen am Geländer der Brücke auf? Natürlich nicht. Dieses "Blütenmeer" hängt hier jedes Jahr.

An der Markthalle vorbei, wo viele Bürger auf das Schnelltest-Ergebnis warten. Die Rosen stehen parat – bis auf eine gelbe Blüte einer Wildblume, die sich reingeschmuggelt hat, ist nichts zu sehen!

Dann der Höhepunkt – die Inselspitze! Geschickt hat Gastronom Johannes Kiefer seine bunten Container für den Biergarten links und rechts neben den französischen Garten gestellt. So werden die Holzhände mit dem rieselnden Salz automatisch zum Blickfang. Die Bauhof-Mitarbeiter sind gerade dabei, Palmen mit Blüten aufzustellen – und das Ufer zum Mühlkanal ist noch mit Flatterband abgesperrt. Immerhin: Die runden Sträucher und der hügelige Rasen erinnern ein bisschen an Park und Gartenschau.

Neckarblühen, Gartenschau, Jubiläum? Zehn Jahre nach der Eröffnung ist – außer Fahnen – nichts zu sehen. Die paar Blüten muss man mit der Lupe suchen. Ob wohl das Wetter und Corona Schuld sind? Dabei sind Blüten und Blumen keine Infektionsträger.

Die Tour ist ernüchternd, doch ich gebe die Hoffnung nicht auf: Horb kann im Frühling auch schön sein.

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