"Wir haben auch mal einen Schwarzwald-Gin zusammen getrunken": Nawalny bei der Arbeit in Kirchzarten.  Foto: Weiland

Russischer Oppositioneller hat unter strengen Hygiene- und Sicherheitsbedingungen in Kirchzarten gearbeitet.

Der russische Oppositionelle hat unter strengen Hygiene- und Sicherheitsbedingungen in Kirchzarten gearbeitet

Kirchzarten - Über 42 Millionen Klicks in kaum zwei Tagen bei Youtube: Das schafft vermutlich kein Popstar. Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny (44) hat dies jedoch leicht erreicht mit seinem knapp zwei Stunden langen Enthüllungsfilm über den angeblichen Palast von Kreml-Chef Wladimir Putin, der seit Dienstag das Internet im Sturm erobert und heftige Dementi aus dem Kreml nach sich gezogen hat.

Die Geschichte, die Nawalny in seinem Film erzählt, ist geradezu abenteuerlich: Putin soll sich demnach für umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro einen bombastischen Palast an der Schwarzmeerküste gebaut haben, finanziert aus öffentlichen Mitteln, die sich der Präsident angeblich für seine private Sucht nach Luxus und Prunk unter den Nagel gerissen haben soll. 39-mal so groß wie das Fürstentum Monaco soll das Gelände der Anlage sein, behauptet Nawalny in seinem Film. Deshalb, meint der Oppositionelle und Jurist, der seit seiner Rückkehr nach Russland wieder inhaftiert ist, sei er nach Russland zurückgekehrt: Er habe Putins größte Korruptionstaten nicht vom Ausland aus publik machen wollen.

Strenger Schutz

Produziert hat den Film eine Produktionsgesellschaft in Los Angeles/Kalifornien. Nawalnay aber war, wie seit Monaten bekannt, zuletzt nach dem Giftanschlag vom vergangenen Sommer zur Erholung im Schwarzwald. In Ibach im Kreis Waldshut, um genau zu sein. Von dort veröffentlichte er unter anderem Bilder von Winterwanderungen mit seiner Frau. Kurz vor seiner Rückkehr allerdings postete der Russe ein Video, in dem er seine Heimreise ankündigte. Die Aufnahme zeigte das Stadtbild Freiburgs im Hintergrund. Denn hier hielt sich, wie nun klargeworden ist, Nawalny zuletzt auf. Offenbar unter strengem Schutz, über den man allerdings bei der Polizei in Freiburg inhaltlich auf Nachfrage nichts sagen wollte.

Nawalny war aber nicht nur in Freiburg: Die finale Produktion und seine Moderation des Films hat der Kremlkritiker in Kirchzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) gefertigt. Dort sind seit November 2020 die "Blackforest Studios" im ehemaligen Kurhaus untergebracht. Ein professionelles, internationalen Standards entsprechendes Film- und Fernsehstudio, geleitet von den beiden gebürtigen Freiburgern Nina Gwyn Weiland und Sebastian Weiland, die jahrelang in den USA in der Filmbranche gearbeitet haben und nun mit mehrjährigem Vorlauf im Schwarzwald ihren Studiobetrieb aufgezogen haben. Gerade rechtzeitig für Nawalny, wie Weiland bestätigt: Anfang Dezember habe man eine Anfrage aus den USA erhalten, ob man denn Produktionskapazitäten freihabe. Die habe man gehabt, und so sei eins zum anderen gekommen.

Strikte Geheimhaltung

Die Arbeit mit Nawalny in Kirchzarten habe unter strengen Hygiene- und Sicherheits- bedingungen und strikter Geheimhaltung stattgefunden. Ein netter, sehr höflicher Kerl sei Nawalny gewesen. "Wir haben auch mal einen Schwarzwald-Gin zusammen getrunken", erzählt Weiland. Ansonsten aber sei alles sehr professionell gewesen im Verhältnis zum prominenten Kunden. Mit den Außenaufnahmen im Film habe man nichts zu tun gehabt.

Und auch nichts mit dem sicher nicht unbeachtlichen wirtschaftlichen Erfolg, den die enorme Verbreitung des Films im Netz nun nach sich ziehen dürfte. Es mache für die Produktion eines Films keinen Unterschied, ob der am Ende nur kleine oder enorm große Zuschauerzahlen habe, erklärt das Studio auf Anfrage.

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