Empfingen setzt konsequent auf Naturschutz: Eine neue Biotopverbundplanung zeigt, wie vielfältige Lebensräume besser geschützt und vernetzt werden sollen.
Empfingen sei Vorreiter und im Moment die einzige Gemeinde im Kreis Freudenstadt, welche eine Biotopverbundplanung bereits auf den Weg gebracht hat, so ein freudiger Empfinger Bürgermeister Ferdinand Truffner im Gemeinderat.
Der Biotopverbund dient dazu, die Lebensräume von Tieren und Pflanzen zu erhalten, zu vernetzen oder wiederherzustellen, um Wanderbewegungen von Arten zu ermöglichen. Das gesetzliche Ziel des Landes Baden-Württemberg ist es, bis zum Jahr 2030 den funktionalen Biotopverbund auf 15 Prozent Offenland der Landesfläche zu etablieren. Empfingen hat bereits 2022 den Auftrag einer Biotopverbundplanung mit Kosten von 77.776 Euro an das Empfinger Ingenieurbüro Gfrörer vergeben.
Lebensräume schützen
In der Gemeinderatssitzung hatte nun Theo Mayer vom Ingenieurbüro seine auf 100 Seiten dokumentierten Ergebnisse dem Gemeinderat vorgestellt. Mit diesem umfassenden Werk hat die Gemeinde Empfingen die Möglichkeit, wertvolle Lebensräume zu schützen, miteinander zu vernetzen und langfristig sichern. Die Umsetzung soll allerdings schrittweise und in enger Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband, und den Grundstückbesitzern erfolgen. Durch die Aufwertungs- oder Wiederherstellungsmaßnahmen lassen sich wegen der vielen Baumaßnahmen in Empfingen die dringend benötigten Ökopunkte generieren.
In Zeiten klammer Kassen sollten die Unterlagen wohl eher vorerst im Schreibtisch verharren, so Truffner. Auf einer Untersuchungsfläche von rund 1835 Hektar wurden bestehende Biotope erfasst und bewertet, so Mayer. Dabei standen vor allem ökologisch hochwertige Kernflächen wie Feuchtmähwiesen, Streuobstwiesen, Magerrasen und Feuchtbiotope im Mittelpunkt. Ergänzend analysierte der Planer Trittsteinbiotope und Verbundachsen, die für wandernde Tierarten eine entscheidende Rolle spielen.
Empfingen glänzt mit seiner Mischung verschiedener Lebensräume. Rund um Tälesee, Eichenbühl und die Wiesenstetter Streuobstlandschaft finden sich artenreiches Grünland, kleinflächige Feuchtstellen und vereinzelte Magerrasen, eine Kombination, die im regionalen Vergleich selten sei, so Mayer.
Zahlreiche Maßnahmen
Für Empfingen bieten sich deshalb zahlreiche Maßnahmen zur Naturverbesserung, wie die Ausdehnung von Grünland, die Pflege überalterter Hecken, die Förderung lichter Waldränder, das Anlegen von Bruthaufen sowie das Offenhalten von Rohbodenstellen an. Auch besondere örtliche Gegebenheiten wie etwa die Amphibienwanderung bei Dommelsberg oder das Vorkommen der geschützten Türkenbundlilie sollen Berücksichtigung finden. Für die Bewertung wurden zudem Zielarten wie Amphibien, Offenlandvögel, Insekten, Reptilien und Fledermäuse herangezogen.