Aus Wirtschaftswiesen sollen Magerwiesen werden. Diese am Schänzle wurde jedoch aus dem Ökokonto herausgenommen. Foto: Reinhard

Die Haslacher Verwaltung informierte über den derzeitigen Stand ihres Ökopunkte-Kontos. Dabei wurden auch betreffende Flächen vor Ort in Augenschein genommen.

Wie steht es um die mit dem Ökokontopunkte-Konto verbundenen Maßnahmen? Diese Frage war Thema einer Infoveranstaltung, zu der die Stadt Haslach am gestrigen Mittwoch eingeladen hatte. Teil des Treffens waren auch eine Vorortbegehung verschiedener betroffener Flächen, auf denen Ökokonto-Maßnahmen umgesetzt werden.

 

Robin Sutter vom betreuenden Büro Kappis fasste zuvor im Sitzungssaal des Rathauses zusammen: Demnach hat Haslach 2,5 Millionen Ökokontopunkte generiert, weitere 2000 sind vorgesehen. Besonders zugeordnet sind dabei 1,02 Millionen Punkte, 156 Millionen Punkte sind verfügbar, verfügbare Punkte ohne Waldkalkung gibt es 443 000.

Stadt hat 2,5 Millionen Punkte generiert

Gemeinderätin Stefanie Ziehms kritisierte, dass es immer noch keine Übersicht gebe, welche Maßnahme wie viele Punkte generiere. Alfred Winski vom Büro Kappis erklärte, dass das Ökopunktekonto nur ein Ziel abbilde, auch wenn vieles noch in der Umsetzung sei oder gar nicht ausgeführt werde. Schwendemann versprach aber dennoch eine Übersicht. Stadtgärtner Uwe Schweitzer gab den Aufwand für die Kommunen zu bedenken und gab als Beispiel an, dass das Mahdgut auf die Deponie Kahlenberg nach Ringsheim gebracht werden müsse. Und diese nehme auch nur Schnittgut bester Qualität an. „Wir brauchen etwas vor Ort“, meinte er. Dem stimmte Winski zu. Landwirt Martin Duffner fragte, wo die Tiere her kommen sollten, die den benötigten Dünger produzieren. Immer weniger Bauern hätten Ziegen oder andere Tiere, die auch für die Offenhaltung sorgen. Schwendemann betonte abschließend: „Ich würde mir bei dem Thema wünschen, dass wir ein Miteinander finden und kein Gegeneinander.“

Foto: Reinhard

Besichtigt wurden sodann eine 970 Hektar große Fläche auf dem Schänzle III, die eigentlich zu einer artenreichen Magerwiese entwickelt werden sollte. Wie Schwendemann berichtete, sei diese vor drei Wochen für eine Übersaat vorbereitet worden. Das damit beauftragte Unternehmen hatte dann eine trockene Periode abwarten wollen, so dass sich die Saat zeitlich verzögerte. Aus diesem Grund hab es einen Konflikt mit dem Flächenbesitzer gegeben, der dort Silage produzieren wollte. Die Übersaat wurde nicht ausgeführt. „Es wird auf ihr im April Silage hergestellt. Schlussendlich haben wir diese Fläche nicht zugeordnet und aus dem Ökokonto rausgenommen. Sie ist für die Entwicklung einer Magerwiese und den Naturschutz nicht geeignet“, sagte Schwendemann. Wie der die Fläche bewirtschaftende Klaus Duffner ausführte, liege sie nämlich auf der Winterseite und sei nur befahrbar, wenn sie trocken sei. Winski fragte, ob man sie nicht verwenden könnte, was Duffner verneinte. Dies sei mit einem enormen Aufwand verbunden. „Wir wollen pragmatische Lösungen, um Lösungen für den Naturschutz zu finden“, betonte Felix Schubert vom Nabu Mittleres Kinzigtal. „Wenn Flächen nicht geeignet sind, nehmen wir sie raus, auch wenn es schade ist“, pflichtete Winski bei. Klaus Duffner schlug vor, Flächen für die Landwirte zusammenzuführen. „Ich mag zusammenhängende Flächen generell lieber“, stimmte Schubert ihm zu und versprach, diese Idee im Blick zu behalten. Er schlug vor, sich mit den Landwirten zusammenzusetzen, um zu eruieren, welche Vorschläge für sie tragbar wären. „Ich verstehe Ihre Ängste und die Landwirte sind für mich nicht die Bösen“, betonte er in diesem Zuge. „Aber ich glaube, wir können uns finden.“

Weitere Flächen, die begangen wurden, waren Schänzle II, die von einer Intensivobstanlage zu einer Magerwiese entwickelt werden soll sowie der eine Wirtschaftswiese am Spitzenberg, die eine Magerwiese werden soll. In der Schmelze soll eine Wirtschaftswiese eine Streuobstwiese werden, gleiches gilt für Rotkreuz II. Am Rotkreuz III soll eine normale Wirtschaftswiese eine mit Strukturen für den Artenschutz werden. Ein Acker am Rotkreuz I soll zu einer Streuobstwiese entwickelt werden, eine Weide in der Hintermatt eine Magerwiese.

Das steckt dahinter

Unter Ökokonto-Maßnahmen sind naturschutzfachliche Aufwertungsmaßnahmen zu verstehen, die freiwillig und auf Vorrat durchgeführt, später als Maßnahme zur Kompensation von Eingriffen in Natur und Landschaft verwendet werden.