Die Gemeinde plant, eine „Waldweide“ am Vornagelhof auszuweisen. Damit könnte man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Natur schützen und Ökopunkte sammeln.
Der Junginger Gemeinderat trägt sich mit dem Gedanken, ein größeres Gebiet um den Vornagelhof auszuweisen, etwa 7,1 Hektar. Es geht darum, der vom Aussterben bedrohten Art der Kreuzottern einen Lebensraum zu ermöglichen – den sie vor Jahrzehnten rund um ganz Jungingen herum hatte. Das hanglagige Gelände Richtung Nordosten am Albtrauf soll zugleich als Waldweide für Rinder dienen. Um es entsprechend herzurichten, müsste nach und nach ein Teil des jetzigen Baum- und Buschbestandes entnommen werden.
In der jüngsten Gemeinderatssitzung fragte sich Ratsmitglied Alexander Pick, ob man mit einer solchen Umwandlung nicht in die natürlich gewachsene Beschaffenheit des Gebietes eingreife? Dazu erläuterte Florian Wagner vom Fachbüro Wagner & Wagner, die Wirtschaftsform der Waldweide, sei über Jahrhunderte die übliche gewesen. Schweine, Kühe und anderes Getier streiften um die Bäume. Die Wälder hätten sich damals viel lichter gezeigt als heute. „Die Landschafts- und Forstbilder, die wir kennen und für reine Natur halten, wurden von Menschenhand geschaffen.“
Das Gebiet ist wirtschaftlich nicht profitabel
Christopher Baumann, vom Forstamt des Landratsamtes – er ist der derzeit für den Gemeindewald Jungingen zuständig – erklärte auf eine weitere Frage aus dem Gremium, dass die Entnahme der Bäume den kommunalen Haushalt nicht belastet. Das Gebiet sei waldwirtschaftlich gesehen sowieso nicht sonderlich profitabel und der Holzbestand Jungingens würde sich wegen der nicht allzu großen Zahl von Bäumen, die man fällen müsste, nur unwesentlich verringern. „Daneben ist dort auch weiterhin die übliche Holzwirtschaft möglich.“
Aber nicht umsonst zu bekommen
Umsonst ist die Ausweisung und Einrichtung des Gebietes für Jungingen allerdings nicht zu bekommen: Eine Trasse müsste angelegt und ein Zaun errichtet werden. Kosten: schätzungsweise 20 000 Euro; jährliche Unterhaltskosten: zwischen 2000 und 5000 Euro. Verlockend erscheint das Projekt andererseits deshalb, weil Jungingen für die Waldweide „Ökopunkte“ gutgeschrieben bekäme. Sie können für den Flächenverbrauch des geplanten Gewebegebietes „Im Gries“ angerechnet werden. Man müsste sich also für die dortige Erschließung nicht um andere Ausgleichsflächen bemühen.
Nicht zuletzt würde das Projekt Schwierigkeiten aus dem Weg räumen, die sich aus der Schafweidekonzeption der Gemeinde auf den dafür vorgesehenen Flächen ergaben. Die Konzeption war in Jungingen schon auf dem Weg, als sich der Naturschutz meldete und darauf hinwies, damit würde der Lebensraum für die bedrängte Kreuzotter weiter verengt. Rinderweide im lichten, hangigen Waldgebiet und Kreuzottern vertragen sich. Im Fall von Schafweiden ist das nicht der Fall – monierten die Fachleute. Mit der weiteren Ausweisung am Vornagelhof könnte der Konflikt gelöst werden.
Ansprechendes Waldbild für Spaziergänger
Florian Wagner meinte außerdem, dass sich aus der Umwandlung ein ansprechendes Waldbild ergibt. Gerade auch für Spaziergänger und Wanderer.
Eine Frage aus dem Gremium betraf den Zaun, der rund um das Gebiet erforderlich ist. Könnte er den Wildtieren nicht zum Verhängnis werden? Wagner verneinte das. Eine weitere Frage lautete, ob man ausschließlich über Gemeindefläche spreche, oder ob am Vornagelhof auch privater Besitz mit einbezogen ist? Nein, ausschließlich Gemeindewald und -gelände seien vorgesehen.
Das Gremium steht dem Vorhaben weiterhin wohlwollend gegenüber. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Kosten für den Haushalt 2026 zu ermitteln. Wenn sie feststehen, will man die abschließende Entscheidung treffen.
Rinderhalter Junck begrüßt das Projekt
Gemeinderat Benjamin Junck, Besitzer des Vornagelhofes und Halter der Rinder, die später vielleicht einmal auf der Fläche zwischen den Bäumen grasen, hatte sich in der Diskussion für befangen erklärt. Darauf von Bürgermeister Simmendinger angesprochen sagte er allerdings, er habe gegen das Projekt nichts einzuwenden.