Die Tage der Wehranlage nahe dem ehemaligen Sägewerk Trudel in Bergfelden sind gezählt. Bald soll der Mühlbach durchlässiger werden. Foto: Schneider

Der Rückbau einer Wehranlage bei Bergfelden soll die Wanderung von Tieren deutlich erleichtern. Nur der Biber kann das noch verhindern.

Das Ziel: Der Mühlbach soll wieder ein durchlässiges Fließgewässer werden, so dass Fische und Kleinstlebewesen wieder „wandern“ können. So will es der Gewässerentwicklungsplan für den Mühlbach.

 

Was stört, ist jedoch das Wehr zwischen dem ehemaligen Sägewerk Trudel und der Kläranlage Bergfelden. Einst hat das Betonbauwerk mit einer absenkbaren Schwelle durch die so erzeugte Wasserkraft eine Pumpe am nahe gelegenen Salzbohrhaus angetrieben, die Salz nach Sulz pumpte.

Schneller Fischaufstieg

Jetzt sind sowohl das Bohrhaus als auch das Sägewerk Geschichte, der Fokus richtet sich im Ausschuss Technik und Umwelt auf die Wiederherstellung der Gewässerdurchgängigkeit. „Das komplette Betonbauwerk soll abgebrochen und stattdessen eine ‚raue Rampe‘ angelegt werden“, erklärt Alexander Beller, verantwortlich für Tiefbau, Straßen- und Wegemanagement.

Bei solch einer Sohlrampe werden, bei einem einem gleichmäßigen Gefälle, Steine auf eine mehrstufige Kiesfilterschicht gesetzt – so kann ein nahezu ungehinderter Fischaufstieg gewährleistet werden.

Tausende Ökopunkte winken

Für die Gestaltung des künftigen Ufers ist eine Bepflanzung, insbesondere der südöstlichen Uferseite, sinnvoll. In Anlehnung an das bestehende Biotop wird eine Artenzusammensetzung mit Hasel, Weißdorn, Schlehe, Holunder und verschiedenen Weidenarten empfohlen.

Inmitten des Bergfelder Stausees erhebt sich die Biberburg. Etwas weiter flussabwärts befindet sich das Wehr. Foto: Schneider

Für den ökologischen Aufwertungsgewinn werden 150 000 Ökopunkte generiert. „Die können für einen Euro pro Punkt weiterverkauft werden – etwa an den Abwasserzweckverband für dessen Erweiterung der Kläranlage“, erläutert Bauamt-Leiter Reiner Wössner.

Achtung: Laichzeit

Und denkt noch weiter. Denn wenn man einen Gesamtplan für die Renaturierung des Mühlbachs in voller Länge vorlege, könne es vielleicht sein, dass man dann – statt einen Euro pro Ökopunkt – zwei Euro erhalte. Schließlich gibt es an dem Gewässer noch deutlich mehr Wehre als nur das am alten Sägewerk in Bergfelden.

Vor Ort sei jedoch aufgrund der potenziell vorhandenen Fischfauna und deren Laichzeiten die Maßnahme selbst auf den Zeitraum zwischen Juli und September beschränkt. Rodungen von Gehölzen sind zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar durchzuführen.

Biber und sein Damm

Und was mit dem Biber sei, will Stadtrat Wilhelm König (FWV) wissen. Der pelzige Nager hat bei dem Landwirt aus Mühlheim dafür gesorgt, dass rund fünf Hektar seiner Grünflächen zum Anbau von Tierfutter unter Wasser stehen.

Die Bergfelder Biber haben am Stausee ganze Arbeit geleistet. Foto: Schneider

„Über einen Biberdamm können die Fische nun mal nicht rüber“, so Königs fachkundige Einschätzung. Schließlich befinden sich in der Biberburg – mitten im Stausee des Bergfelder Fischereivereins – fünf der Tiere, ein sechstes ist im Mühlbach selbst zu Hause. „Wenn der Biber die Fläche anstaut, dann bleibt das – das ist eben Natur“, entgegnet Wössner.

Votum ist einstimmig

Das Ingenieur-Honorar beläuft sich auf knapp 24 000 Euro, die Baukosten werden mit 105 545 Euro angegeben, so dass sich inklusive Mehrwertsteuer ein Betrag von ziemlich genau 154 000 Euro ergibt.

Im Haushalt 2026 sind zur Finanzierung der Projektkosten 100 000 Euro eingeplant. Die Mitglieder des Ausschusses Technik und Umwelt stimmen der Vergabe der Ingenieurleistungen an das Ingenieurbüro Gfrörer aus Empfingen einstimmig zu.