Erst werden die Fichten gefällt, dann in handlichere Teile zerkleinert – alles in allem eine schweißtreibende Arbeit. Foto: Helen Moser

Freiwillig im Naturschutzgebiet arbeiten, Biotope pflegen und Bäume fällen – wer tut das? Eine ganze Menge Menschen, stellt sich heraus. Für Freiwilligeneinsatze strömen sie an den Schonacher Rohrhardsberg. Wieso? Ein Besuch vor Ort macht das deutlich.

Vor, zurück, vor zurück – langsam aber sicher fressen sich die Zähne der Handsäge weiter und weiter in den Stamm der Fichte. Er ist vergleichsweise dünn, hat vielleicht zehn Zentimeter im Durchmesser, und auf der einen Seite ist bereits das Fallkerb geschlagen. Trotzdem stehen mir bereits Schweißperlen auf der Stirn – die Sonne brennt an diesem Vormittag unnachgiebig auf den Rohrhardsberg bei Schonach herab. Vor zurück, vor zurück – nur noch weniger Zentimeter. Gleich ist es geschafft. Und dann höre ich die erlösenden Worte links von mir. „Baum fällt!“ Wenige Augenblicke später segelt der Baum in Richtung Boden, wo er mit einem dumpfen Geräusch aufschlägt. Geschafft: Eine weitere Fichte macht Platz für mehr Licht – und für das Auerwild.

 

Denn unter anderem für den Auerhahn, das Charaktertier des Schwarzwalds, müht sich die Gruppe von der Jugendhilfeeinrichtung Mariahof in Hüfingen, hier ab, fällt von Hand und mit Muskelkraft kleinere Fichten, um einerseits Platz für andere Baumarten zu schaffen, andererseits aber auch Start- und Landebahnen fürs Auerwild zu schaffen. Die Gruppe, bestehend aus sieben Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren sowie drei erwachsenen Betreuern, arbeitet eine Woche lang am Rohrhardsberg in der Biotoppflege. Das Angebot ist Teil des Programms „Wilde Waldwelt“, eines, aber nicht das einzige der Projekte, über welche die Freiwilligeneinsatze im Naturschutzgebiet auf Schonacher Gemarkung laufen.

Täglich geht es zur Arbeit in den Wald

In den Monaten Juni bis Oktober finden zahlreiche Freiwilligeneinsätze am Rohrhardsberg statt, erklärt Johannes von Stemm, der bei ForstBW den Geschäftsbereich Waldnaturschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik und Zertifizierung leitet und an diesem Tag mit der Gruppe im Wald unterwegs ist. Insgesamt ist von Stemm mit der Resonanz auf die Freiwilligeneinsätze zufrieden, wie er sagt. Gerade die längeren Einsätze wie jener der Gruppe vom Marienhof, bei denen die Teilnehmer in der Nähe der Finstermattenhütte campen, seien stets gut belegt.

Bevor die Bäume gefällt werden können, müssen sie entastet werden. Auch Johannes von Stemm (rechts) packt mit an Foto: Helen Moser

Vom Campingplatz aus starten die Gruppen täglich in den Wald – auch an diesem Tag geht es über Schotter- und Waldwege weit hinein ins Naturschutzgebiet Rohrhardsberg, ganz an den äußersten Rand des Schwarzwald-Baar-Kreises. Dann geht es in den Wald hinein – bewaffnet mit Äxten, Sägen, Astscheren und selbstverständlich ausgerüstet mit Schutzhelmen und Handschuhen. Und die schweißtreibende Arbeit beginnt.

Anstrengend, aber auch sehr lohnend

Als etwa um 12 Uhr die Mittagspause ansteht, sind die Jungen sich einig: Die Arbeit macht Spaß – ist aber auch unglaublich anstrengend. Da schmecken die Brote, die es um die Mittagszeit zu essen gibt, gleich doppelt. Dass die Gruppe mit viel Motivation bei der Sache ist, ist offensichtlich – und diesen Eindruck bestätigt auch Steffen Weniger, der die Woche am Rohrhardsberg als Betreuer der Gruppe begleitet. „Gestern haben wir fünf Stunden im Wald gearbeitet, und an der Hütte ging es dann noch weiter mit Holzspalten und Lagerbauen.“ Weniger sieht in der Aktion einen enormen Mehrwert für die Gruppe.

Nicht nur das Anpacken, sondern auch das Lernen stehen bei den Freiwilligeneinsatzen im Fokus. Foto: Helen Moser

Diese Ansicht teilt von Stemm: Handwerkliche Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Wissen über die Natur und darüber, wie man sie schützt – die Liste an Dingen, die durch die Freiwilligeneinsätze vermittelt werden können, ist lang. „Und ganz toll ist auch, dass man diese Selbstwirksamkeit hat. Man sieht das Ergebnis direkt und weiß genau, was man durch seine Arbeit geschafft hat.“