Zwischen Hochmössingen und Weiden queren besonders viele Kröten die Straße. Früher bedeutete das für die Autofahrer einen mehrere Kilometer langen Umweg.
Die Organisatoren der letztjährigen Krötenretter konnten sich für die neue Saison aus beruflichen Gründen nicht mehr an den Einsätzen beteiligen, und so kam die Frage auf, wie künftig die Rettung der Amphibien ablaufen soll.
Diskutiert wurde diese Frage bei einem Vor-Ort-Treffen mit dem neuen Orga-Team Maurien Hein und Sandra Kopf, der Hochmössinger Ortsvorsteherin Sabine Jaud, Georg Schilinger von „Bürger aktiv“ Hochmössingen, der Unteren Naturschutzbehörde, der Straßenmeisterei Rottweil, der Unteren Straßenverkehrsbehörde und mit erfahrenen Zaunbetreuerinnen vom Nabu Obendorf.
Viele Helfer nötig
Bei dieser Ideenkonferenz wurde die Möglichkeit diskutiert, auf die Vollsperrung der K 5521, der Verbindungsstraße zwischen Hochmössingen und Weiden, zu verzichten und die Krötenwanderung durch Zäune abzusichern. Da dieses Vorgehen aber viele Helfer braucht, wurde ein Aufruf gestartet, und es haben sich einige freiwillige Helfer gefunden.
Die Straßenmeisterei hat einen Krötenzaun zur Verfügung gestellt und in Hochmössingen angeliefert. Der Aufbau des temporären Schutzzauns musste dann auch rasch gestartet werden, da sich mit den ersten milden Regenschauern kurz nach der Fasnet die ersten Kröten auf den Weg zu ihrem Geburtsgewässer machten.
Gefahr für die Amphibien
Doch was für die Tiere ein natürlicher Instinkt ist, wird für sie in der zerschnittenen Landschaft oft zur tödlichen Falle: Straßenquerungen bedeuten für die langsamen Wanderer ein enormes Risiko, dem jährlich unzählige Amphibien zum Opfer fallen. Dabei spielen Kröten als Schlüsselart eine unverzichtbare Rolle in gesunden Ökosystemen, da sie sowohl als Räuber von Insekten und Schnecken fungieren als auch selbst Nahrung für größere Tiere darstellen.
Ihre jährliche Wanderung zu den Laichgewässern ermöglicht nicht nur die Fortpflanzung, sondern trägt auch maßgeblich zum Nährstofftransport zwischen verschiedenen Lebensräumen bei, was die Biodiversität fördert. Der Schutz der Krötenwanderungen leistet daher einen wichtigen Beitrag zum Erhalt intakter Lebensräume.
Ehrenamtliche Aktionsgruppe ist mit dabei
Mit der Unterstützung von „Bürger aktiv“ konnten so bereits ein großes Stück der gesamt 600 Meter Zaun aufgestellt und bereits die ersten Tiere gerettet werden: Sie bewegen sich entlang des Zauns und fallen in Eimer, die alle zehn Meter in das System eingebaut sind. „Diese Lösung bietet die Chance überhaupt einmal zu sehen, welche Arten denn in der Gegend vorkommen, denn die Amphibien werden gezählt und in einer App erfasst“, erklärt Sandra Kopf. Die Helfer tragen die Tiere dann morgens und abends über die Straße und lassen sie ihren Weg fortsetzen.
Die Höchstgeschwindigkeit ist an der Wanderstrecke von 19 Uhr bis Mitternacht und von 5 bis 9 Uhr übrigens auf 70 Kilometer pro Stunde beschränkt. Vollschranken sperren die angrenzenden Waldwege. „Wenn ein Verkehrszeichen ankündigt, dass man mit einer Krötenwanderung auf der Straße vor sich rechnen muss, sollte man besonders umsichtig fahren“, so Kopf – auch, um die Helfer entlang der Fahrbahn zu schützen.
Sie lobt die Zusammenarbeit zwischen den Ehrenamtlichen von „Bürger aktiv“, den „Grotta-Taxis“ und den Behörden als „ein wunderbares Beispiel, was man auf die Beine stellen kann, wenn sich ein paar Menschen die Arbeit teilen und Gemeinschaft leben.“