Frank Reinicke (von links) und sein Nachbar Ludwig Häffner haben es sich zur Aufgabe gemacht, die kleinen Tiere in Sicherheit zu bringen. Foto: Anna-Sophie Zepf

Trotz Durchfahrverbot sehen viele Autofahrer die Dieselhalde in Oberndorf als Abkürzung und ignorieren dabei die Gefahr, die sie für unzählige Tiere darstellen. Und sie schrecken auch nicht davor zurück, Schaden anzurichten.

Der Zufahrtsbereich an der Dieselhalde in Oberndorf ist durch eine Schranke gesperrt. Das ermöglicht unter anderem, dass die Erdkröten und die „besonders gefährdeten“ Feuersalamander ihre Eier beziehungsweise ihre Larven im Frühjahr in den Dieselbach ablegen können. Doch einige Autofahrer halten sich, trotz des Aufrufs der Stadtverwaltung Oberndorf zum Schutz der Amphibien im vergangenen Jahr, noch immer nicht an das Fahrverbot.

 

Und daher sieht es der Oberndorfer Frank Reinicke, Mitglied des Naturschutzbunds Deutschland (NABU), als seine Aufgabe, allabendlich den Bereich ab der Fidel-Feederle-Straße in Richtung Kneippanlage abzugehen, um so viele Tiere wie möglich sicher über die Straße zu bringen.

Feuersalamander gelten als „besonders gefährdet“, unter anderem da ihre „Wanderwege“ durch Straßen durchschnitten sind, erklärt uns Beatrix Lamprecht, Sprecherin der NABU-Ortsgruppe Oberndorf-Sulz. „Aber auch der Klimawandel und, speziell beim Feuersalamander, ein Hautpilz bilden eine weitere Gefährdung.“

Die größte Gefahr für Feuersalamander

Im Zuge des Klimawandels werden auch Laubwälder immer trockener, berichtet Lamprecht weiter. „Das hat Folgen für den Salamander-Nachwuchs. Anders als die meisten Amphibien paaren sich Feuersalamander an Land.“

Nach einer Tragzeit von acht bis neun Monaten setzte das Weibchen die dann voll entwickelten Larven in kühlen, möglichst sauberen Kleingewässern wie Quellbächen oder Quelltümpeln ab, so die Sprecherin.

„Während der Extremsommer der vergangenen Jahre waren die Laichgewässer jedoch vielerorts schnell ausgetrocknet.“ Die größte Gefahr für Feuersalamander und auch Erdkröten sei aber immer noch der Straßenverkehr, stellt sie klar.

Auch als Laie könne man Feuersalamander vor Autos retten, meint Beatrix Lamprecht. „Wenn die Salamander auf befahrenen Straßen unterwegs sind, dann diese gerne über die Straße tragen. Handschuhe anziehen ist gut, ansonsten danach die Hände gründlich waschen.“ Da die Tiere ein Sekret abgeben, das ein Brennen auf der Haut verursacht, aber für den Mensch nicht giftig ist.

30 Kilometer pro Stunde

„Langsam fahren ist oberstes Gebot, 30 Kilometer pro Stunde wäre super“, erklärt die Naturschützerin. Andernfalls würden die Amphibien überfahren oder durch den Luftdruck hochgeschleudert werden und müssen dadurch eine qualvollen Tod sterben.

„Wir haben Lebensräume durch die Ansiedelung von Wohn- und Gewerbegebieten und Straßenbau zerschnitten, dadurch haben wir eine Verantwortung gegenüber den darin lebenden Lebewesen. Dieser sollte jeder Einzelne von uns nachkommen“, meint Beatrix Lamprecht. „Wir Menschen sind auf den Erhalt der Artenvielfalt angewiesen, das wird oft vergessen.“

Frank Reinicke sammelt abends Feuersalamander auf der Dieselhalde ein. Foto: Frank Reinicke

Frank Reinicke und sein Nachbar Ludwig Häffner machen sich nahezu jeden Abend auf den Weg und sammeln die Feuersalamander und Erdkröten mit einem Eimer und einer Taschenlampe ein. Diese tragen sie dann über die Straße.

„Abends und nachts kommen sie in Massen“, berichtet der 63-jährige Reinicke. Als wechselwarme Tiere nähmen sie gerne die Wärme von der sonnenbeschienen Straße auf und würden sich daher auch nicht vom Asphalt runter bewegen.

24 Feuersalamander und 17 Erdkröten

An einem Abend habe er zum Beispiel 24 Feuersalamander und 17 Erdkröten sowie zwei Bergmolche gezählt, die er im Bereich der Dieselhalde gefunden habe und anschließend sicher auf der anderen Straßenseite abgesetzt habe.

Seit zwei Jahren mache der Rentner das nun schon. Umso enttäuschter ist er, dass auch nach mehrfachen Aufrufen der Stadt noch immer Autofahrer diese Strecke mit überhöhter Geschwindigkeit durchfahren.

Dafür sei sogar wiederholt die dort angebrachte Schranke aufgebrochen worden. „Die denken sich halt: schöne Abkürzung, keine Ampeln und auch keine Polizei“, sagt Reinicke mit bitterer Miene.

„Schwalbenfreundliches Haus“

Der ehemalige Monteur engagiert sich jedoch nicht nur für die Amphibien in diesem Bereich, er kümmert sich auch leidenschaftlich um die Vögel. In Bochingen beim Einfelderhof habe er beispielsweise eine Futterstelle für Wildvögel eingerichtet. „Über den Winter habe ich dort mehr als 50 Kilogramm Vogelfutter verfüttert,“ berichtet er stolz. Auch artgerechte Nistkästen für Stare, Steinkäuze und für Meisen habe er dort auf eigene Kosten angebracht.

Auch bei sich zu Hause in Oberndorf kümmert er sich nicht nur um seine zwei kleinen Hunde, sondern hat dort 14 Schwalbennester aufgehängt und erhält nun vom NABU die Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ mit dem entsprechenden Schild.