Anton Bantle (von links), Georg Schillinger, Ewald Fehrenbacher, Reinhold Weisser und Lothar Konrad packten bei der Weiherrettung tatkräftig mit an. Foto: Frey

Nach vier Jahren ist das Projekt "Weihersicherung in Hochmössingen" abgeschlossen. Reinhold Weisser, der Initiator der Aktion, ist stolz auf das Geschaffte und freut sich darüber, dass der Weiher ein beliebter Ruheort für viele Menschen geworden ist.

Oberndorf-Hochmössingen - "Wir haben wirklich viel geschafft", sagt Reinhold Weisser und lässt den Blick über den halb zugefrorenen Weiher schweifen. Jetzt, im Winter, ist kaum ein Geräusch zu hören. Im Sommer wechselt sich das Quaken der Frösche mit dem Summen der Libellen ab. Dabei wäre der Weiher beinahe nicht mehr zu retten gewesen.

Alles begann 2016 mit einem "strengen Winter". Durch die dicke Eisschicht und die Menge an Faulschlamm, die sich im Weiher über mehr als 40 Jahre angesammelt hatte, war der Sauerstoffgehalt stark vermindert, und viele Fische erstickten. Das Entfernen von Bäumen und Sträuchern am Uferrand, um den Eintrag in den Weiher zu reduzieren, reichte nicht aus. Der Schlamm musste abgepumpt werden.

Naturschützer geraten mit der Stadt in Streit

Darüber gerieten die Naturschützer mit der Stadt Oberndorf als Liegenschaftseigentümer in Streit. Diese argumentierte unter anderem mit einer Aktennotiz aus den 90er-Jahren, nach der der Weiher der Natur überlassen werden sollte. Weil der Schlamm als Sondermüll eingestuft wurde und die Naturschützer für die unerwartet hohen Kosten keine finanzielle Unterstützung von der Stadt zu erwarten hatten, stand das Projekt kurzzeitig auf der Kippe.

"Ohne die Spende eines Hochmössingers hätte es nie funktioniert", ist Weisser noch heute sehr dankbar. So wurden 30 000 Euro auf einen Schlag gespendet, zuzüglich weiterer Spenden von anderen Bürgern. Im Oktober 2019 konnten sich die Naturschützer somit ans Werk machen.

Die Aistaiger Feuerwehr, unterstützt von der Hochmössinger Feuerwehr, und der Angel- und Naturschutzverein Oberndorf pumpten den Schlamm ab. Unter anderem wurden Teichmuscheln, Rotaugen, Hechte, Schleien und Karpfen umgesiedelt. Auch der eine oder andere kuriose Fund, wie ein Moped und ein Munitionskoffer, war dabei, erinnert sich Weisser.

18 Tonnen Material abtransportiert

Rund 18 Tonnen Material, also etwa 400 Kubikmeter Schlamm, wurden abtransportiert. Damit war die Arbeit jedoch noch nicht getan. Um den Weiher neu befüllen zu können, war die Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen nötig, konkret die Errichtung eines so genannten Mönchs, mit dem der Wasserstand reguliert werden kann, und der Bau eines offenen Überlaufs. Immer wieder verzögerte sich das Vorhaben, und Weisser musste Druck bei den Behörden machen, wie er erzählt.

Auch bei der Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen habe man wieder auf die Bürger zählen können. Das alte Betonrohr am seitlichen Überlauf wurde entfernt, und ein sechs Meter breites Schotterbett, über das auch größere Wassermengen kontrolliert ablaufen können, entstand. Zwei Betonrohre mit einem Durchmesser von 1,20 Metern und je fünf Tonnen Gewicht wurden im Bereich des Fahrweges verbaut, damit der Weg bei größeren Wassermengen nicht ausgespült wird.

Im August 2021 fand der nächste Arbeitseinsatz statt. Im Bereich des Dammes wurden die Flussbausteine gesetzt. Die Stadt hatte offenbar Marmorblöcke im Sinn gehabt, wie Weisser erzählt, doch diese wären teuer gewesen, deshalb habe er sich dagegen ausgesprochen. Stattdessen entschieden sich die Naturschützer für 56 Tonnen an Granit-Flussbausteinen, für die sie von der ausführenden Firma noch rund 300 Euro Nachlass erhielten.

Spaziergänger können eine Rundtour machen

Danach wurde der Damm begradigt, ein Weg entlang des Weihers angelegt und Gras an den Randbereichen eingesät, zudem eine Blumenwiese für Insekten angelegt. Federführend sei dabei vor allem Lothar Konrad, Gewässerwart des Oberndorfer Angel- und Naturschutzvereins, gewesen. Konrad habe ihn ohnehin von Anfang an auf seiner Mission zur Weiherrettung begleitet, sagt Reinhold Weisser. Erst kürzlich habe er mit ihm noch ein Loch gestopft, aus dem Wasser ausgetreten sei.

Im September wurde der Graben am seitlichen Überlauf des Hochmössinger Weihers neu angelegt und eingeschottert. Auch ein Begleitweg wurde vom Sportplatz zum Weiher geschaffen, so dass Spaziergänger nun eine Rundtour machen können. "Ich sehe fast täglich Spaziergänger am Weiher. Das ist toll", freut sich Reinhold Weisser. "Die Bürger fragen auch immer wieder nach, wie der aktuelle Stand bei den Maßnahmen ist." Dank zweier Bänke vom Forstrevier Oberndorf könne man nun auch am Weiher verweilen und die Natur auf sich wirken lassen.

Großer Rückhalt in der Bevölkerung

Was 2017 mit der Idee begonnen hatte, den Hochmössinger Weiher nicht in einer "stinkenden Pfütze" enden zu lassen, sei mit und mit zu einer Herzensangelegenheit geworden, sagt Weisser. Unglaublich gefreut habe er sich über den großen Rückhalt und das Vertrauen der Bevölkerung, das sie mit ihrem Einsatz und den Spenden ausgedrückt habe. Zum harten Kern gehörte die rüstige Rentnertruppe, bestehend aus Anton Bantle, Georg Schillinger, Ewald Fehrenbacher und Josef Holzer. Die engagierte Bürgerin Nadine Frey habe derweil jeden Schritt, jeden Handgriff zur Rettung des Weihers dokumentiert.

Auch wenn einem immer wieder von Behördenseite Steine in den Weg gelegt worden seien – "sei es nun bewusst oder unbewusst" – so habe sich der Einsatz gelohnt, sagt Reinhold Weisser. "Der Wert solcher Kleinode für die Natur und letztlich auch für die Menschen lässt sich eben schlecht in Zahlen ausdrücken." Die Maßnahmen am Weiher seien seit Oktober nun offiziell abgeschlossen. Die Stadt müsse lediglich noch eine Furt bauen beziehungsweise eine Art Rinne, damit überlaufendes Wasser gezielt über den Weg in den Wald fließen könne.