Die Neufraer Räte wichen nicht vom Weg ab. Foto: Schmidt

Seit Jahrzehnten wird auf dem Kapf am Sonntag nach der Fasnet das Funkenfeuer entzündet. Naturschützerinnen warnen nun vor den Folgen.

Rottweil-Neufra - Auf dem Kapf blühen Orchideen und Sonnenröschen und im Winter brennt das Funkenfeuer. Verträgt sich das? Zwei Naturschützerinnen begleiteten den Neufraer Ortschaftsrat auf seiner Spurensuche.

Als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen

Es geht steil nach oben. Am Trockenhang zum Kreuz hinauf wachsen ebensträußige Margeriten, Ackerwachtelweizen und Sonnenröschen. Auf einer Blüte sonnt sich ein Schmetterling.

"Unser Kapf ist ein Flächenhaftes Naturdenkmal (FND)", sagen Helga Ulmschneider und Marianne Kappler, die das Gebiet seit ihrer Kindheit kennen. Als solches sei etwa auch das Dissenhorn mit einer Fläche von 4,2 Hektar und der Linsenbergweiher mit einer Größe von 29,3 Hektar ausgewiesen. Das FND auf dem Kapf umfasse eine kleinere Fläche von 1,9 Hektar.

Der Schwäbische Albverein habe 2004 den Antrag an die Untere Naturschutzbehörde gestellt. Nach einer Aufstellung der Artenliste wurden 2009 Infotafeln auf dem Kapf angebracht und der Kapf 2010 als FND ausgewiesen.

Früher als Weide genutzt

Dieser sei nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sondern im Laufe der Zeit vielfältig genutzt worden: bis 1870 als Schafweide, bis Ende des Ersten Weltkriegs vermutlich als Steinbruch, bis zum Zweiten Weltkrieg als Ziegenweide, bis zum Bau des Sportplatzes wurde die Fläche auch zum Hand- und Fußball spielen genutzt und seit Jahrzehnten wird auf dem Kapf am Sonntag nach der Fasnet das Funkenfeuer entzündet.

Bei der Würdigung des Kapfs zum Naturschutzgebiet seien sowohl der Naturschutz als auch die wirtschaftliche wie kulturelle Nutzung berücksichtigt worden. Mithin sei auch das jährliche Funkenfeuer auf dem Kapf ausdrücklich erlaubt, betonte Ulmschneider.

Bienenragwurz taucht seit einigen Jahren nicht mehr auf

Auf der Kapffläche angekommen, setzen die Räte sorgsam ihre Schritte. Auf lediglich drei schmalen Trampelpfaden darf die Fläche, die ein orchideenreicher Halbtrockenrasen ist, betreten werden. In diesem Jahr hätten sich knapp 50 der Orchidee Waldhyazinthe gezeigt, 30 Stück des Großen Zweiblatts, als besondere Kostbarkeit 23 der Fliegenragwurz und die Mückenhändelwurz, die derzeit blüht. Mehrere Exemplare der Bienenragwurz seien früher am Rand der zweiten Fackelfeuerfläche gewachsen, aber seit einigen Jahren nicht mehr aufgetaucht.

Es zeigen sich Einzelrelikte alpiner Pflanzenarten wie das Alpenmaßliebchen und der Hirschhaarstrang, der gerade seine Blätter entfalte. Alle Enziangewächse stünden unter Naturschutz. Etwa der Fransenenzian und der Deutsche Enzian, der im September blühen und die Kapffläche blau einfärben wird.

Naturschützerinnen appellieren für Anpassung des Funkenfeuers

Für den Erhalt dieser Pflanzengemeinschaft seien Maßnahmen erforderlich, die in der Verordnung zum Schutz des FND Kapf nachzulesen sind. So mussten 2012, zum Missfallen einiger Bürger, Bäume gefällt und der Trockenhang von Schlehen befreit werden, damit ausreichend Licht auf den Trockenrasen falle. 2015 sei das Buschwerk zurückgeschnitten worden. Gemäht werde nur einmal im Jahr.

Teilweise extrem empfindlich sei die Vegetation gegenüber Bodenverdichtung. Das erkläre, warum die Wege nicht verlassen werden sollten, aber auch, warum die Ausrichtung des Funkenfeuers inzwischen Sorge bereite. Bei früheren Versammlungen um das Funkenfeuer standen die Zuschauer auf gefrorenem Boden. Diesen gefrorenen Bodenschutz hätte es in den vergangenen Jahren nicht mehr gegeben. Auch der Transport des Brennmaterials finde auf aufgeweichtem Boden statt. Das Funkenfeuer müsse nicht aufgegeben, aber angepasst werden, appellierten die Naturschützerinnen. Sie baten den Funken so klein wie möglich zu halten, und den Kapf nur mit kleinen Traktoren zu befahren. Auch sollte das Fackelfeuer künftig immer an derselben Stelle stattfinden. Asche bedeute Düngung und das Düngen würde den Pflanzenbewuchs sofort verändern. Eine Bewirtung sei ausdrücklich untersagt.