Streuobstwiesen sind in Neubulach in einem guten Zustand. Das ist das Ergebnis einer jahrelangen Pflege dieser Biotope. Foto: Grund- und Werkrealschule Neubulach

Biotope sind wertvolle Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten. Zu ihnen gehören Streuobstwiesen. Sie sollen in Neubulach erhalten werden. Es gibt aber noch weitere Pläne.

Viele Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg sind gefährdet. Deshalb sollen Biotope als Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen geschützt werden. Ansprechpartner beim Umsetzen der entsprechenden Maßnahmen sind Vertreter der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Kommunen.

 

Die Stadt Neubulach beauftragte das Büro StadtLandFluss mit Sitz in Nürtingen mit dem Erstellen einer Kommunalen Biotopverbundplanung. Das Ziel dieser Planung ist es, heimische Arten und ihre Lebensräume zu sichern. Das Büro arbeitet dabei eng mit dem Landschaftserhaltungsverband Landkreis Calw zusammen.

Vorteile der Planung Der stellvertretende Bürgermeister von Neubulach, Lars Dannenmann, erläuterte dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Vorteile einer solchen Biotopverbundplanung. Er vertrat als Sitzungsleiter die erkrankte Rathauschefin Petra Schupp. Dannenmann hob die Möglichkeit einer vorausschauenden Bauentwicklung hervor. Des Weiteren können Ausgleichsmaßnahmen sinnvoll platziert werden. Entsprechende Maßnahmen werden auf das kommunale Ökokonto angerechnet.

Wer profitiert? Landschaftsplaner Adrian Wenzelburger vom Büro StadtLandFluss stellte dem Gremium die Ergebnisse der Untersuchung vor. Er machte deutlich, dass nicht nur die Kommune, sondern auch Privatleute von Förderungen profitieren können.

Streuobstwiesen Wenzelsburger hatte für Neubulach zunächst ein Lob parat. Das betraf die Streuobstwiesen: „Der Bestand ist sehr gut.“ Ziel müsse es sein, diesen Zustand zu erhalten.

Wenn in Streuobstwiesen Bäume absterben würden, habe auch das seine Vorteile, machte Wenzelsburger deutlich. So sei Totholz ein Lebensraum für Käfer. Er regte an, die Wiesen zwischen den einzelnen Obstbäumen zwei Mal im Jahr zu mähen. Als Biotop seien die Streuobstwiesen wegen ihrer regionaltypischen Arten besonders wertvoll.

Wegen ihrer regionaltypischen Obstsorten sind Streuobstwiesen besonders wertvoll. Foto: Stefanie Stocker

Ackerflächen zu Wiesen Eine weitere mögliche Maßnahme sei, Äcker in Wiesen zu verwandeln, so Wenzelsburger. Allerdings werde dadurch nicht ausgeschlossen, dass Wiesen trotzdem wieder zu Ackerland würden. Es gelte, für die Umwandlung von Äckern in Wiesen entsprechende Anreize zu schaffen, sagte der Landschaftsplaner. Grünland ist laut Umweltbundesamt ein wichtiger Speicher des Treibhausgases Kohlendioxid.

Feuchtflächen Feuchtwiesen seien wichtig wegen ihrer Rückhaltefunktion, erläuterte Wenzelsburger. So könnten Drainagen zugemacht werden. Auch durch Baggerschürfen entstünden neue Lebensräume, so der Landschaftsplaner.

Blühstreifen Darüber hinaus regte Wenzelsburger Blühstreifen an. Laut Umweltbundesamt dienen sie dem Schutz von Insekten und Vögeln.

Darüber hinaus lockerten sie das Landschaftsbild auf, gab Wenzelsburger zu bedenken. Er regte an, mit Landwirten die entsprechenden Blühmischungen zu besprechen.

Trockengebiete Trockene Gebiete seien ein Lebensraum für Reptilien, sagte Wenzelsburger.

Trockenmauern anlegen

So könnten Trockenmauern saniert oder neu angelegt werden. Bei den Übergängen zu Wäldern regte er eine stufige Gestaltung an, um das Besonnen zu verbessern.

Diskussion In der Diskussion im Gremium hielt Stadtrat Andreas Kubesch Maßnahmen etwa an der Teinach für sinnvoll, damit die Stadt Ökopunkte bekomme.

Jonas Nothacker hielt das Thema ebenfalls wichtig. Er fragte aber, wie weit es gehen soll.

Er äußerte die Sorge, dass durch so viele Maßnahmen die Entwicklung von Neubulach blockiert werden könnte: „Die Rückumwandlung ist nicht so einfach möglich.“ Werde bei der Erweiterung eines Gewerbegebietes eine Eidechse gefunden, sei das Vorhaben nicht mehr möglich, war seine Befürchtung: „Ich kann die Konsequenzen nicht abschätzen. Ich würde gern mehr darüber wissen.“

Freiwillige Maßnahmen

Dannenmann suchte zu beruhigen. Die Maßnahmen seien freiwillig.

Andreas Blaurock lobte, dass eine gute Übersicht geboten worden sei. Es gelte, die Landschaft auch für die nächste Generation zu erhalten. Es sei zwar nichts verpflichtend, koste aber auch Geld, gab er jedoch zu bedenken.

Achim Pfrommer mahnte, alles gut abzuwägen. Dem pflichtete Dannenmann bei. Helmut Carstens hätte die ganzen Informationen gerne vorher gehabt. Er regte an, den Beschluss zu verschieben. Stefan Pfrommer meinte aber, trotzdem abzustimmen.

„Der Bericht ändert sich nicht“, fügte Dannenmann hinzu. Er sprach sich dafür aus gut zu überlegen, was wirklich gemacht werden solle.

Abstimmung Bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme stimmte der Gemeinderat dem Kommunalen Biotopverbundplan zu.