Unter anderem sollen Feuchtbiotope dazu beitragen, dass der CO2-Ausstoß gesenkt wird. Foto: Landratsamt

Über das Naturschutzgroßprojekt Baar berichteten Projektleiter Thomas Kring und Diplombiologin Kerstin Geigenbauer im Ausschuss für Umwelt, Technik, Wirtschaft und Verkehr.

Königsfeld - Laut Kring läuft bis 2028 die Umsetzungsphase II mit einem Projektvolumen von acht Millionen Euro. Davon werden 75 Prozent vom Bundesamt für Naturschutz, 15 Prozent vom Land und zehn Prozent von den Kreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen finanziert.

Die Gebietskulisse umfasst etwa 4300 Hektar, auf Königsfeld entfallen im Gaienbühl 50 und im Bereich Mönchsee-Rohrmoos 73 Hektar. Ziele sind die Sicherung und Optimierung von Flächen für Arten- und Biotopschutz, die Förderung des Biotopverbunds der Baar und angrenzender Gebiete wie der Schwäbischen Alb sowie ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz durch Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen. Letztgenanntes gelingt zum Beispiel durch die Speicherung von CO2 in Totholz oder die Wiedervernässung von Mooren. Link lobte, dass das Projekt die gesamte Kreisachse von Nord nach Süd umfasse, um schützenswerte Bereiche zusammenzufassen.

Renaturierung der Eschach

Geigenbauer ging auf die Renaturierung eines Abschnitts der badischen Eschach in der Nähe des Naturdenkmals Rohrmoos ein. Die sei wie die meisten Gewässer in der Vergangenheit begradigt worden, unter anderem um Feuchtgebiete trockenzulegen. Auch führte die Veränderung dazu, dass bei Hochwasser alles mitgespült wird, eine natürliche Sortierung der Materialien nicht stattfindet.

Ziel der jetzigen Maßnahme sind die bessere Verzahnung von Wasser und Land sowie die Durchgängigkeit der Eschach. Gefördert werden sollen Strukturen, die zum Beispiel Groppe und Bachneunauge benötigen. Ein Baustein ist die Pflanzung von Schwarz-Erlen und Weiden sowie die Ausbringung von Steinen im Gewässer, um Tieren durch Strömungshindernisse Rückzugsgebiete zu bieten. Von solchen Schlammbereichen profitieren auch Vögel, Amphibien, Libellen, Bachforelle und Bachneunauge.

Bessere Besonnung

Umgesetzt sind Baumpflanzungen und besagte Störsteine, dazu einseitige Uferabflachungen, die für bessere Besonnung sorgen. Derzeit werden Überschwemmungsabschnitte und Blindarme einbezogen, wo Wasser flächig stehen kann. Das alles führt zu einer "Wildnis im Kleinen". Es werde spannend bleiben, wie sich das Gebiet weiter entwickle, sagte Geigenbauer.

Im ursprünglichen Plan nicht vorgesehen war eine Verdolung, die aber nun wegen der Topografie doch nötig sein wird. Nur so können Landwirte ihre Flächen noch erreichen. Jens Hagen fragte diesbezüglich nach Kosten für die Gemeinde. Die ist laut Link nur über den Landkreis beteiligt. Die Kosten für die gesamte Maßnahme liegen bei etwa 30 000 Euro, erklärte Projektmitarbeiter Jörg Fünfgeld. Beate Meier fragte nach der Bekämpfung von Problempflanzen wie dem Riesenbärenklau. Die Flächen werden laut Fünfgeld jährlich kontrolliert.

Es müssen keine Fische künstlich eingesetzt werden, so Geigenbauer auf Nachfrage von Matthias Weisser. Allerdings sei das Gebiet sehr attraktiv für den ausgestorbenen Steinkrebs, der müsste tatsächlich eingesetzt werden. Eine Wiederansiedlung ist zwar laut Kring derzeit nicht vorgesehen, das heiße aber nicht, dass das man das künftig nicht machen könne.

Schautafeln und Lehrpfad

Gegenstand des Entwicklungsplans sei auch die Besucherlenkung, zum Beispiel mittels Schautafeln oder eines Lehrpfads, so Link auf Nachfrage von Birgit Helms. Aktiv biete man keine Führungen an, sagte Kring, aber wenn eine Gruppe auf die Projektmitarbeiter zukomme, mache man diese.

Link sprach als Fazit von einer "hohen Intensität für den Artenschutz", auch da in Richtung Neuhausen bereits eine Waldrandgestaltung erfolgte und sich das Gebiet an die Ausgleichsfläche Königshöhe anschließt.