Winzer, Landwirte und Jugendliche rücken in Binzen gemeinsam zugewucherten Böschungen zuleibe, auf dem Bild von links Cornelius, Jost und Johann zusammen mit Mitorganisator Stefan Schweigler. Foto: Johanna Wais

Seit mehr als zehn Jahren treffen sich Eigentümer und Bewirtschafter von Reben, Feldern und Wiesen und der Binzener Arbeitskreis Jugend zur gemeinsamen Böschungspflege.

Pünktlich um 9 Uhr morgens versammeln sich an einem Februarsamstag bei fast frühlingshaften Temperaturen rund 30 Binzener auf der Wiese im Sonnengarten. Darunter sind etwa zur Hälfte Winzer, die übrigen Mitstreiter sind Obstbauern, Jäger und Bündtli-Besitzer. Man kennt sich, tauscht sich aus, und auch die geplante Aktion ist etabliert: Seit mehr als zehn Jahren treffen sich Eigentümer und Bewirtschafter von Reben, Feldern und Wiesen und der Binzener Arbeitskreis Jugend einmal jährlich zur gemeinsamen Böschungspflege.

 

Beim letzten Mal stand die Entfernung wilder Reben im Mittelpunkt der Böschungsaktion. Das Ziel: Der seit etwa Jahren zuerst um Bad Bellingen herum und nun von Müllheim bis hin zum Grenzacher Hornfelsen auftretende Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus) die Lebensgrundlage zu entziehen.

Diese verursacht zwar keine direkten Schäden an den Weinreben, kann jedoch die Krankheit Goldgelbe Vergilbung – auch Flavescence dorée (FD) genannt – übertragen.

„Der Schädlingsbefall wurde deutlich reduziert“

Dranbleiben lohnt sich: „Der Schädling wurde im Vergleich zu anderen Orten in der Region durch die Aktivitäten im vergangenen Jahr deutlich reduziert“, berichtet Diplom-Önologe Michael Biersack vom Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg, der an diesem Tag mit seinem dreijährigen Sohn Jakob auch mit dabei ist.

Dieses Jahr richtet die Gruppe mit Teilnehmern vom Kindergartenalter bis hin zu über Siebzigjährigen ihren Fokus auf die Eindämmung der vom Klimawandel profitierenden Brombeere. Deren Rückschnitt dient unter anderem der Bekämpfung der Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Dieser Schädling für den Obst- und Weinanbau kam aus Asien über Südeuropa ins Markgräflerland und liebt reife Früchte. „Brombeeren sind eine Superfrucht für das Insekt“, erklärt Mitorganisator der Aktion Stefan Schweigler vom Weingut Schweigler. Von den Brombeeren geht die Fliege auf die erntereifen Reben über, legt ihre Eier in den Trauben ab und macht diese damit ungenießbar.

Brombeergestrüpp wird zurückgeschnitten

Während die drei Binzener Jugendlichen Johann, Cornelius und Jost eine Böschung von wuchernden Brombeerbüschen befreien, setzen sie gleichzeitig ein Insektenhotel instand, denn bei dieser Aktion gehen Landschaftspflege und Naturschutz Hand in Hand. Über die Vorteile für Weinanbau und Natur hinaus bewirkt die jährliche Aktion noch etwas: „Durch gemeinsame Aktivitäten wächst der Ort zusammen“, sagt Schweigler, und der 17-jährige angehende Landmaschinenmechatroniker Cornelius pflichtet ihm bei: „Dabei entsteht ein schöner Zusammenhalt.“

Dass sich andere Gemarkungen in dieser Hinsicht eine Scheibe abschneiden können, bestätigt Joscha Mattmüller vom Infoservice Weinbau beim Landratsamt Lörrach: „Wenn es überall so wäre wie in Binzen, müsste man von offizieller Seite praktisch gar nichts mehr machen“, lobt er den kontinuierlichen Einsatz der Binzener Gruppe.

Weinbau dient dem Erhalt der Kulturlandschaft

Selbst am Kaiserstuhl aufgewachsen, hat er mit 16 das erste Stück Reben gepachtet und gibt sein Wissen heute als Weinanbauberater an Winzer in der Region weiter. „Viele betreiben den Weinanbau aus Leidenschaft, als Hobby und um die Kultur zu erhalten“, erzählt er.

Aus diesem Grund appelliert er an alle Bürger, den Rebschutz ernstzunehmen, selbst wenn auf ihren Grundstücken nur ein paar verwilderte Reben wachsen. Die geltende Allgemeinverordnung dazu, eine Übersicht über die betroffenen Flurstücke sowie Informationen zu Maßnahmen gegen die Amerikanische Rebzikade stellt das Landratsamt Lörrach im Internet zur Verfügung: https://www.loerrach-landkreis.de/rebschutz

Organisatoren ziehen positives Fazit

Frank Krumm, der die Böschungspflege gemeinsam mit Stefan Schweigler, Michael Birsach und Maximilian Krebs organisiert hat, zieht am Ende ein positives Fazit: „Alles ist wunderbar gelaufen – den motivierten Helfern, dem schönen Wetter und nicht zuletzt der Verköstigung durch den AK Jugend sei Dank.“

Der AK Jugend hatte nicht nur für ein zünftiges „Znüni“ mit Brezeln und Obst gesorgt, sondern auch dafür, dass die am Ende auf 35 Menschen angewachsene Gruppe bis 16 Uhr den gemeinsamen Arbeitstag am Grill ausklingen lassen konnte.