In Hirsau stellte der Nabu bereits im Oktober einen Artenschutzturm auf (Archivbild). Nun soll in Bad Herrenalb ein weiterer folgen. Foto: Roland Stöß

Bei den heimischen Vogelarten ist ein teilweise drastischer Rückgang zu verzeichnen. Ein neues Bauwerk auf der Schweizer Wiese soll jetzt Heimat für bedrohte Arten werden.

Die Gemeinde Bad Herrenalb erhält bald einen sogenannten Artenschutzturm. Wie Bürgermeister Klaus Hoffmann in der jüngsten Sitzung des Bad Herrenalber Gemeinderats ausführte, will den der Nabu aufstellen.

 

Wofür dieser Turm gut sein soll, wird in der Sitzungsvorlage erläutert: „In den vergangenen Jahrzehnten ist bei zahlreichen Vogelarten ein teils drastischer Rückgang der Bestandszahlen zu verzeichnen. Ursachen hierfür sind insbesondere der Klimawandel, der zunehmende Flächenverbrauch durch Infrastruktur-, Gewerbe- und Wohnbebauung, die intensive landwirtschaftliche Nutzung mit hohem Pestizideinsatz sowie der damit verbundene Rückgang von Insektenpopulationen. Hinzu kommen der Mangel an geeigneten Nist- und Baumaterialien sowie der Verlust natürlicher Brutplätze.“

Ersatzlebensräume für Vögel werden wichtiger

Vor diesem Hintergrund gewinne die aktive Schaffung von Ersatzlebensräumen im Siedlungsbereich zunehmend an Bedeutung, heißt es weiter. Ziel ist es, bedrohten Vogel- und Fledermausarten mit dem Turm neue Brut- und Quartiermöglichkeiten zu bieten und damit einen konkreten Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu leisten.

Artenschutztürme hätten sich als wirksame und platzsparende Maßnahme zur Förderung von Vogel- und Fledermauspopulationen bewährt. Aufgrund ihres geringen Flächenbedarfs würden sie sich insbesondere für Standorte in Wohn- und Gewerbegebieten sowie in kleineren Grün- und Parkanlagen eignen. „Sie stellen eine sinnvolle Ausgleichsmaßnahme für verloren gegangene Nistmöglichkeiten dar“, ist in der Vorlage weiter zu lesen.

Mehrere Vögel und Fledermäuse können Turm nutzen

Die Türme würden artenspezifisch konzipiert. Je nach örtlichen Gegebenheiten könnten Brutkammern und Quartiere für verschiedene Vogel- und Fledermausarten kombiniert werden. Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten, unter anderem in der Region Nordschwarzwald, zeigten eine hohe Akzeptanz dieser Bauwerke durch die Zielarten. Im Oktober 2025 hat der Nabu bereits einen solchen Turm in Hirsau aufgestellt.

In Abstimmung mit fachkundigen Stellen und dem Nabu sei als geeigneter Standort die Schweizer Wiese in Höhe der Einmündung des Dobelbachs in die Alb vorgeschlagen worden. Der Standort erfülle wesentliche fachliche Kriterien: naturnahe Lage in Gewässernähe, bestehendes Vorkommen von Schwalben und Fledermäusen im Umfeld, ausreichende Entfernung zu störungsintensiven Nutzungen und eine gute Einbindung in das Landschaftsbild. Damit seien günstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nutzung des Artenschutzturms gegeben, ist die Verwaltung überzeugt.

Die Umsetzung und Betreuung des Projekts soll in enger Zusammenarbeit mit dem Nabu erfolgen. Der Nabu übernimmt dabei insbesondere die fachliche Begleitung, die ökologische Konzeption sowie die langfristige Betreuung der Anlage. Für die benötigte Teilfläche auf der Schweizer Wiese soll ein Pachtvertrag zwischen der Stadt Bad Herrenalb und dem Nabu abgeschlossen werden. Dieser regle unter anderem die Nutzung der Fläche, die Verantwortlichkeiten sowie die Dauer des Projekts.

Turm wird über Leader-Aktionsgruppe gefördert

Die Errichtung des Artenschutzturms wird über Mittel der Leader-Aktionsgruppe finanziert. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Leader-Programms in Verbindung mit dem Land Baden-Württemberg und der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“. Mit der Errichtung eines Artenschutzturms auf der Schweizer Wiese könne die Stadt Bad Herrenalb einen wichtigen Beitrag zum lokalen Natur- und Artenschutz leisten. „Das Projekt stärkt die Biodiversität, schafft Ersatzlebensräume für bedrohte Arten und fügt sich sinnvoll in bestehende Umwelt- und Naturschutzbemühungen ein“, heißt es weiter. Die Verwaltung empfahl daher, dem vorgeschlagenen Standort zuzustimmen und den Abschluss des beigefügten Pachtvertrags mit dem Nabu zu beschließen.

Wolfhart König (UBV) gefiel das Vorhaben offenbar so, dass er gleich nachfragte, warum denn nur ein solcher Artenschutzturm aufgestellt werde. Die lapidare Antwort Hoffmanns lautete: „Es wir nur eine gefördert.“ Bei einer Gegenstimme wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen.