Viele Obstbäume auf den Streuobstwiesen rund um Tannenkirch sind alt und teilweise abgängig. Eine Gruppe Freiwilliger hat jetzt 25 neue Bäume gepflanzt.
Die vor knapp einem Jahr gegründete ehrenamtlich tätige Tannenkircher Streuobstwiesen-Gruppe hat am vergangenen Samstag 25 neue Streuobstbäume gepflanzt, verteilt auf drei verschiedene Grundstücke rund um den Kanderner Ortsteil.
Baumpfleger Rolf Sütterlin gab den rund 15 Helferinnen und Helfern professionelle Tipps.
Der Ankauf der Bäume und das dazugehörige Material wie Pflanzerde, Kaninchendraht und Holzpfosten zur Sicherung der jungen Streuobstbäume war über den Landkreis und hier über die Naturschutzbehörde mit Geldern aus dem sogenannten „Naturperlenprojekt“ finanziert worden, wie Vivien von Königslöw vom Landschaftserhaltungsverband (LEV) auf Nachfrage mitteilte.
Für die neuen Tannenkircher Streuobstbäume wurden darüber rund 2000 Euro bereitgestellt. Das Natur-Perlenprojekt unterstützt Maßnahmen zur Erhaltung typischer Arten und Lebensräume im Landkreis.
Rund um die Dörfer im südlichen Markgräflerland gab es früher sogenannte „Streuobstringe“, bei manchen kann man aufgrund der noch vorhandenen alten Apfel-, Kirsch-, Birnen-, und Zwetschgenbäume diese Ringe erkennen. Tannenkirch gehört zu den Orten, die auf Teilbereichen der Gemarkung noch schöne alte Streuobstbestände vorweisen, etwa am „Hüner“.
Misteln an Streuobstbäumen sind ein Problem
„Wir sehen aber auch, dass viele dieser alten Obstbäume nicht mehr durchgepflegt wurden, hinzu kommt das Mistelproblem – zu viele Misteln führen dazu, dass Streuobstbäume absterben“, erklärte Rolf Sütterlin. Die Wiese von Rudolf Weiß am Dorfrand Richtung Riedlingen gelegen, war der erste Anlaufort für die Helfer. Hier pflanzten die Ehrenamtlichen die neuen Bäume in der Nachbarschaft alter Streuobstbäume. „Einige von diesen Altbeständen werden wir soweit zurücknehmen, dass sie als Totholz-Stämme stehen bleiben, schätzte Sütterlin.
Die insgesamt auf den drei Flächen 25 zu setzenden Bäume verteilten sich auf die sechs alten Apfelsorten „Rheinische Schafsnase“, „Rheinischer Bohnapfel“, „Jakob Fischer“, „Bittenfelder Sämling“, „Glockenapfel“ und „Rote Sternrenette“, sowie auf drei alte Birnensorten – „Alexander Lucas“, „Gräfin von Paris“ und „Nordhäuser Winterforelle“. Ortsvorsteherin Birgit Ludin, Rudolf Weiß, Sütterlin, Susi Gola und Melanie Zuklic gehörten dem Organisationsteam an und hatten den Pflanzablauf durchgeplant.
Die Bestäubung muss stimmen
Sütterlin machte, bevor gepflanzt wurde, darauf aufmerksam , dass auch die Bestäubung für die jungen Bäume stimmen muss – auch deshalb war es wichtig, diese Jungpflanzen, die etwa 1,80 Meter hoch und rund sieben Jahre alt waren, nah an Altbestände beziehungsweise nicht zu weit voneinander entfernt zu setzen.
Praktisch, dass Marko Gola , der einen Baggerbetrieb führt, mit vor Ort war und mit seinem Bagger an gekennzeichneten Stellen die rund einen halben Meter tiefen Löcher aushob. Sütterlin hatte überdies Unterstützung vom Tannenkircher Max Metzger, der Ökologe ist, und sich ebenfalls gut mit Streuobstbäumen auskannte. „Die Schafsnase nennt man übrigens im Bergischen Land auch ‚Schlotterappel‘, weil die Frucht Geräusche macht, wenn man sie schüttelt“, erklärte er, während er Pflanzerde in ein vorbereitetes Loch kippte.
Wurzelballen bekommt Schutz vor Nagern
Die größeren Wurzeln der neuen Bäume wurden zurückgeschnitten.Dann wurde zunächst eine Art Korb aus unverzinktem Kaninchendraht geformt. Der Draht, der die Jungpflanze vor Nagern schützt, muss mit der Zeit wegrosten können, deshalb darf er nicht verzinkt sein. Wichtig war noch das Angießen der jungen Bäume. Die Stämme wurden bis zur Veredelungsstelle in das Netz eingesetzt. Dann wurde das Loch mit Erde aufgefüllt. Die Helfer setzten rund um die Bäume je drei Pfosten. An diesen wurde mit einem Kokosseil der jeweilige Baum gesichert. Der Stamm wurde mittels einer aufklappbaren Röhre noch vor Wildverbiss geschützt. Zum Schluss erklärte Sütterlin noch den ersten Schnitt – „ein junger Baum braucht neben einer Mitte noch vier Leitäste“, zeigte er die richtige Schnittfolge an einem jungen Apfelbaum.
„Naturperlen-Projekt“ : Das Perlenprojekt läuft seit elf Jahren. Nachdem eine Gruppe von Freiwilligen rund um Riedlingen 2023 Streuobstbäume setzte und auch einen Schnittkurs absolvierte, hatte Vivien von Königslöw vom Landschaftserhaltungsverband (LEV) Kanderns Bürgermeisterin Simone Penner angesprochen, ob auch in Tannenkirch Interesse am Pflanzen neuer Streuobstbäume bestehen würde. Tannenkirchs damaliger Ortsvorsteher Fritz Höferlin fand das Projekt interessant und seine Nachfolgerin im Amt, Birgit Ludin, griff die Idee begeistert auf und rührte die Werbetrommel für das Mitmachen. Eine erste Streuobstpflanzaktion fand Anfang des Jahres statt. Nun ging es an Runde zwei. Ein Schnittkurs für die Tannenkircher Ehrenamtlichen folgt am 15. und 16. Januar.