Der Streuobstgürtel rings um Hart ist etwas Besonders. Nur wenige Ortschaften im Zollernalbkreis können etwas Ähnliches vorweisen. Foto: Siggi FechterNABU/Fechter

Wenige Ortschaften in der Region haben einen derart großen Bestand an Streuobstbäumen wie Hart. Die Zukunft dieser Bäume soll nun mit einem Pflegekonzept gesichert werden. Dafür braucht es aber die Mithilfe der Bürger.

Schon allein die Fakten, die Markus Zehnder als Fachberater des Landkreises für Obstbau am Montag im Harter Ortschaftsrat und im Beisein von Bürgermeister Heiko Lebherz präsentierte, waren beeindruckend. Auf etwa 20 Hektar Fläche stehen fast 1000 Obstbäume. Zehnder: „Das ist eine stattliche Zahl.“

Sie stammt aus einer Bestandsaufnahme des „Büros 365° Freiraum + Umwelt“ aus Überlingen. Diese hängt mit der Erschließung von Bauplätzen im Gebiet „Hinter den Gärten II“ zusammen, wo bekanntlich Streuobstbäume verloren gingen, beziehungsweise versetzt werden mussten.

Aus den erhobenen Daten (siehe Info-Rubrik) lassen sich für einen Experten wie Zehnder eine Menge an Schlussfolgerungen ziehen. Die wichtigste Erkenntnis: 90 Prozent der Bäume sind entweder gar nicht oder nur mangelhaft gepflegt. Das hört sich schlimmer an als es ist, denn die Bäume sind überwiegend vital. In Hart, so der Fachberater, seien fast keine Bäume von Misteln befallen.

Was kann man jedoch tun, um einen derart kostbaren Schatz für nachfolgende Generationen zu sichern? Dafür gibt es eine ganze Reihe an Ansatzpunkten – zu einem Teil werden Maßnahmen auch finanziell unterstützt.

So bezuschusst das Land Baden-Württemberg zum Beispiel den Schnitt der Bäume. „Wenn ein Baum innerhalb von fünf Jahren zwei Mal geschnitten wird“, dann wird jeder Schnitt mit 15 Euro gefördert“, erklärte der Obstbau-Experte.

Im Zollernalbkreis, so Zehnder weiter, werde dies vom Landratsamt koordiniert. Bisher stünde jährlich ein Topf von etwa 33 000 Euro zur Verfügung mit dem der Schnitt an über 9000 Bäumen im Kreis gefördert werde. Zudem gibt es ein Streuobst-Förderprogramm das Neupflanzungen ab zehn Obstbäumen mit 35 Prozent der Materialkosten unterstützt. Außerdem sind Erstpflegemaßnahmen auch für Kommunen attraktiv. Denn die Obstbaumpflege auf gemeindeeigenen Flächen gibt Punkte fürs Öko-Konto der Stadt.

Es braucht aber auch die Unterstützung von Bürgern und Leuten wie Bettina Pfeffer aus Bierlingen, die künftig für Hart als Ansprechpartnerin fungieren und gemeinsame Schnitteinsätze unter fachlicher Begleitung vorbereiten soll.

Wünschen würde man sich unter diesem Aspekt auch „ein oder zwei Ansprechpartner im Ort, die gemeinsam mit uns etwas erreichen wollen“, so Markus Zehnder. Das müssten laut ihm nicht einmal Personen sein, die etwas vom Baumschnitt verstehen, sondern sich einfach nur für den Erhalt von Streuobst begeistern lassen. Wenn man das schaffe, lasse sich „Schritt für Schritt was über die Jahre erreichen“, ist er überzeugt. So sieht es auch Bettina Pfeffer. Hart habe mit seinem Streuobstbestand einen großen Schatz und die Sensibilität der Menschen für den Erhalt der Natur in ihrer unmittelbaren Umgebung sei gewachsen. Wichtig ist es nach Ansicht von Zehnder und Pfeffer jetzt, mit kleinen Aufgaben anzufangen und auf Multiplikatoren-Effekt zu setzen.

Bereits am 11. März will Markus Zehnder zusammen mit dem Obst- und Gartenbauverein Hart einen Informationsabend anbieten und am Freitag, 17. März, dann einen Schnittkurs im Lehrgarten im Höfle.

Im Ortschaftsrat wurde die Strategie zum Erhalt der Streuobstlandschaft um Hart positiv aufgenommen.

Fakten rund um den Harter Streuobstbestand

Allgemein:
Das Fachbüro 365° aus Überlingen hat auf einer Fläche von 20 Hektar 957 Bäume gezählt.

Diversität:
Die überwiegende Zahl des Streuobstbestandes in Hart machen Apfelbäume (70 Prozent) aus. Dahinter folgend mit 16 Prozent die Birnbäume, Zehn Prozent des Bestandes bestehen aus Zwetschgenbäumen und nur 1,5 Prozent aus Kirschen.

Altersstruktur:
Ein Drittel der Bäume (311) unter die Kategorie alt. Etwas über 50 Prozent gelten als mittelalt Die Jungbäume machen 23,5 Prozent (225) aus. Auch 84 Neupflanzungen wurden gezählt.

Baumgesundheit:
70,2 Prozent (672) der Harter Obstbäume gelten als vital, bei rund 23 Prozent (222) ist die Vitalität eingeschränkt. Unter die Kategorie abgängig fallen 5,6 Prozent (54) . Als abgestorben wurden 0,9 Prozent (9) eingestuft.

Pflegezustand:
In die Kategorie „nicht geschnitten“ fallen 59,7 Prozent (571), in die Kategorie „nicht fachgerecht geschnitten“ fallen 30,2 Prozent (289). Fachgerecht geschnitten sind nur 10,1 Prozent (97).

Überraschend:
58,2 Prozent der Harter Bäume (557) stehen auf Fettwiesen. Normalerweise sind Obstbäume auf Magerwiesen anzutreffen. Auf solchen stehen in Hart aber gerade mal neun Prozent (FFH-Mähwiesen). 22,7 Prozent der Bäume (217) stehen auf Intensiv-Grünland.