Auf dem ehemaligen Golfplatz und dem angrenzenden Gelände entsteht der Calmbacher Naturkindergarten. Foto: Mutschler

Der geplante Naturkindergarten in Calmbach nimmt weiter Gestalt an. Mittlerweile haben die Arbeiten begonnen. Einen genauen Termin für die Fertigstellung kann bei der Stadtverwaltung derzeit aber noch niemand geben. Bis September soll aber schon einiges zu sehen sein.

Bad Wildbad-Calmbach - "Der Zuschussbescheid ist da, wir können loslegen", sagte der Bad Wildbader Bürgermeister Klaus Mack beim Pressetermin zum Start der Bauarbeiten am Naturkindergarten in Calmbach. Insgesamt plant die Stadtverwaltung mit Kosten in Höhe von 890 .000 Euro, bislang ist eine Förderung von 396.000 Euro zugesagt, ein weiterer Förderantrag in bislang nicht bekannter Höhe läuft noch. In diesem Betrag sind auch die Kosten für den Kauf der umliegenden Grundstücke enthalten. Das gesamte Areal soll dann eine Größe von rund 6500 Quadratmetern umfassen.

Damit die Bauarbeiten am Mittwochmorgen auch pünktlich losgehen konnten, war allerdings erst noch eine Eilentscheidung des Bürgermeisters nötig. Eigentlich hätten die Rohbau- und Entwässerungsarbeiten in der öffentlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Dienstagabend vergeben werden sollen. Fast pünktlich zu diesem Tagesordnungspunkt aber brach die Liveübertragung der Sitzung auf Youtube ab, sodass die Öffentlichkeit nicht mehr teilnehmen konnte. Deshalb sicherte sich die Stadt rechtlich ab und der Bürgermeister vergab dann die Arbeiten per Eilentscheidung an den günstigsten Bieter, die Firma Köhler aus Wildberg.

Stadtbaumeister Volkhard Leetz erklärte auf dem Gelände des ehemaligen Golfplatzes, wie der Kindergarten geplant ist. Gebaut werden sollen zwei Blockbohlenhütten mit je 40 Quadratmeter, in denen sich die Kinder bei richtig schlechtem Wetter aufhalten können. Außerdem wird der Bauwagen als dritter Gruppenraum aufgestellt, den die Stadt vor einiger Zeit der Gemeinde Schömberg abgekauft hat. Ursprünglich wollte man zudem die alte Golfplatz-Hütte erhalten. Doch die Substanz sei zu schlecht gewesen, die Hütte musste weichen. An ihrer Stelle soll nun eine neue Versorgungseinheit entstehen. Hier sollen dann unter anderem die Sanitäreinrichtungen sowie das Büro der Kindergartenleitung ihren Platz finden.

Zur Enz hin wird das Gelände mit einem Zaun gesichert, damit die Kinder nicht unbeaufsichtigt zum Wasser kommen. Dennoch soll der Fluss erlebbar gemacht werden: Durch ein Tor können die Kinder unter Aufsicht der Erzieherinnen über ein terrassenförmig angelegtes Gelände ans Wasser.

Maßgeblich an der Entstehung des Naturkindergartens beteiligt sind auch die städtischen Waldarbeiter und Revierförster Andreas Wacker. Die liefern nicht nur das Holz für die Blockbohlenhütten – das im Übrigen bereits im Sägewerk passend verarbeitet wird – sondern bauen daraus auch mit einem ortsansässigen Zimmermann zusammen die Hütten, die den Kindern dann später als Unterschlupf dienen sollen. "Wir haben uns gefreut, als wir gefragt wurden, ob wir uns einbringen können", sagte Wacker. Auch vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten war der Forst bereits tätig. Sie untersuchten die Bäume und fällten, was nicht der Verkehrssicherungspflicht entsprach.

Holz aus dem Stadtwald kommt zum Einsatz

"Was jetzt steht, kann man aus unserer Sicht stehen lassen", so Wacker weiter, für den die Beteiligung an dem Projekt "ein wichtiges Thema" ist: "So können wir zeigen, was der Forst noch alles abdeckt." Das hat dann noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Da stadteigenes Holz von stadteigenen Mitarbeitern verbaut wird, können Kosten gespart werden. "Das sollte man am Preis schon merken", sagte er.

Eigentlich sei es unüblich, mit massiven Blockbohlen zu bauen, erläutert Leetz. Aber bei diesem Projekt passe das ideal. Denn das Vollholz mit einem Durchmesser von 28 bis 30 Zentimetern sei ständig in Bewegung, ergänzte Wacker: "Das ist ganz lebhaft, und immer was zu hören, wenn das Holz arbeitet. Das ist absolut urig und passt völlig zu diesem Konzept."

Genau dieses Konzept erläuterten dann Nadine Keller von der Stadtverwaltung und Angelika Seyfried, Leiterin des Goßweiler-Kindergartens, an den der Naturkindergarten angegliedert werden soll. Seit dem vergangenen Jahr sei man bei den Kindergartenplätzen in der Gesamtstadt an der Kapazitätsgrenze. Mit den 60 Plätzen, die jetzt neu entstehen sollen, sollen die Lücken gestopft werden, "die wir grad haben". Angeboten werden diese Plätze für Drei- bis Sechsjährige. Eine Kleinkindbetreuung sei organisatorisch bei diesem Konzept nicht zu bewerkstelligen. Betreut werden die Kinder in sogenannten verlängerten Öffnungszeiten sechs Stunden täglich, von 8 bis 14 Uhr. Und auch sonst müssen sich interessierte Eltern auf einige Besonderheiten einstellen. So kann (und soll) der Kindergarten nicht angefahren werden, Parkplätze gibt es keine. Vielmehr sollen die Eltern auf dem Parkplatz in der Nähe des Drogeriemarktes parken und von dort über die Enge Brücke die Sammelstelle am Baesweiler Eck anlaufen. Der gemeinsame Weg zum Naturkindergarten sei dann schon Betreuung, so Seyfried. Am Ende des Kindergartentages geht es dann auf gleiche Weise wieder geschlossen zurück zum Sammelpunkt. Weitere Besonderheiten sind, dass die Eltern sämtlichen Müll mit nach Hause nehmen müssen, auch Wechselkleidung könne nicht im Kindergarten gelagert werden. Zudem ist der Kindergarten nicht barrierefrei, trotzdem ist eine inklusive Pädagogik geplant. Die Betreuung soll fast ausschließlich im Freien stattfinden: "Alles passiert draußen, auch das Frühstück", so Seyfried. Lediglich bei ganz schlechtem Wetter sollen dann die Gruppenräume genutzt werden. So sollen verschiedene Forscherstellen eingerichtet werden, die sich etwa um Feuer und Wasser drehen. Zusätzlich bekommt der Kindergarten einen eigenen Bienenstock, der auch mit einem Schaubienenstock mit Glasrückseite ausgestattet ist. Und Wacker kann sich vorstellen, mit seinen Mitarbeitern vorbeizukommen und den Kindern das Fliegenfischen in der Enz zu zeigen.

Über die Plattform "Little Bird" können sich interessierte Eltern bereits jetzt vormerken lassen. Das werde auch bereits angenommen, auch wenn es noch kein konkretes Eröffnungsdatum gebe, sagt Seyfried.

Dabei seien sowohl neue Kinder dabei als auch Kinder, die aus einem anderen Kindergarten in den Naturkindergarten wechseln wollen. Vorrangig seien die Plätze für Kinder aus der Gesamtstadt Bad Wildbad gedacht, aber auch Auswärtige könnten sich für Plätze bewerben, etwa, wenn ein Elternteil in der Stadt arbeitet.

Zehn bis elf Erzieherinnen plus Praktikanten und FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr) werden in dem neuen Kindergarten arbeiten. Bereits jetzt laufen die Stellenausschreibungen und Hauptamtsleiter Alexander Rabsteyn zeigte sich zuversichtlich, die Leitungsstelle bis Ende Juni besetzen zu können. Auch für die anderen Stellen gebe es bereits Bewerbungen, auch interne.

"Die Kinderstadt brummt", freute sich Mack, dass sich die Kinderzahlen positiv entwickeln. Dafür habe man in der Vergangenheit aber auch viel getan und "viel Geld in die Betreuung und Schulen investiert". Jetzt sei eben der Druck da, "dass wir Kindergarten-Plätze brauchen". Fehlt nur noch das – teilweise kaum verfügbare – Baumaterial, damit beim Eröffnungstermin endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden können.

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