Sechs bis acht Leute werden benötigt, um den Stamm zu umfassen. Foto: Steinmetz

In Sulz gibt es viele attraktive Wanderwege. Einer davon führt über die Ruine Albeck zu den Mammutbäumen. Der Wanderer erlebt dabei Natur pur – Wellness für die Seele. Das begeistert auch oft die Fastenwanderer.

Auf dem Parkplatz am Trafohäuschen kann man sich orientieren, nur ist das ein bisschen verwirrend bei den vielen Schildern. Rechts geht es zum Marktplatz und römischen Kastell, links zur Ruine. Der Waldlehrpfad ist groß ausgeschildert, ebenso der Jubiläumsweg, weiter oben und kleiner die Mammutbäume. Dort soll es hingehen.

 

„Sind Sie sicher?“ Die Frage Norbert Utzlers hat eine gewisse Berechtigung. Der Zickzackweg hoch zur Ruine ist zwar gut begehbar, erfordert aber Kondition.

Totes Gehölz als Unterschlupf

Am Hang sieht es chaotisch aus. Umgefallene Bäume liegen kreuz und quer. „Das ist gewollt“, erklärt Utzler, der vor der Pensionierung Förster war. Das tote Gehölz dient Insekten und Vögeln als Unterschlupf, ebenso die Habitatbäume, die gruppenweise stehen bleiben. Der Wald soll sich hier selbst überlassen bleiben.

Es ist der meist begangene und kürzeste, dafür steile Weg zur Ruine Albeck, dem Sulzer Wahrzeichen. Die Anstrengung lohnt sich: Oben haben die Wanderer bei dem sonnigen Wetter einen wunderschönen Blick in die Stadt im Neckartal.

Auf dem Albeckhang, einem 13 Hektar großen Naturschutzgebiet, wächst der Wacholder, auch kommen seltene Orchideenarten vor, wie die Bockriemenzunge. Vor zwei bis drei Wochen waren Schafe zum Weiden da.

Hier kommen mehrere Wege zusammen. Foto: Steinmetz

Die Wanderung führt unterhalb der Ruine vorbei. Die Trockenmauer ist ein Biotop für Eidechsen. Utzler kennt sich auch mit der Flora gut aus: „Da blüht die Kartäusernelke, dort die Küchenschelle. Das ist der Natternkopf.“

Am Albeckhang kommen gleich mehrere Wege zusammen: der Jubiläumsweg, der Neckarweg des Schwäbischen Albvereins, der am Neckarursprung in Schwenningen beginnt, der Waldlehrpfad, der Hohenzollernweg, der Jakobsweg, gekennzeichnet mit der Muschel, und der Waldenserweg.

Im Zickzack über Stock und Stein

Wer zwischendurch den Blick ins Tal schweifen lassen oder dem Vogelgezwitscher lauschen will, nimmt auf einer der Sitzbänke Platz. Rechts liegt das Geroldseck, man sieht es gerade noch aus dem Grün herausragen.

Bis zu 45 Meter hoch sind die Mammutbäume Foto: Steinmetz

Es geht erneut über Stock und Stein einen Zickzackweg hoch. Doch dann ist es geschafft: Oben kann man geruhsam auf dem weichen Waldboden gehen, die Seele baumeln lassen, die Stimmung des Waldes in sich aufnehmen.

Das begeistert auch die Fastenwanderer aus Bergfelden, die Utzler zu den Mammutbäumen führt. „Es ist der Gegensatz zur digitalen Welt“, findet er. Doch er wäre nicht Förster, würde er nicht auch die braunen, durchlöcherten Buchenblätter sehen. Als ob es schon Herbst wäre.

Doch nicht die Jahreszeit oder Trockenheit sind die Ursache für die Verfärbung, sondern der gefräßige Buchenspringrüssler.

Das Ziel ist nun erreicht. Die vier Riesenbäume sind eine Touristenattraktion von Sulz. Sechs bis acht Leute werden benötigt, um ihren Stamm zu umfassen. Das gibt immer eine schönes Erinnerungsfoto. 45 Meter hoch dürften sie sein und knapp 160 Jahre alt. Die Mammutbäume sind damit noch im Kindesalter. Sie könnten mehr als 1000 Jahre alt werden.

Der württembergische König Wilhelm hat deren Samen 1864 aus den USA importieren lassen. Der Baum ist in der Sierra Nevada in Kalifornien beheimatet. Ein Pfund wurde bestellt. Dass die 500 Gramm dann gleich 100 000 Stück Samen ergaben, hatte niemand geahnt. In der Wilhelma erfolgte die Aussaat. 1865/66 konnten die ein- bis zweijährigen Jungbäume in den königlichen Forstdirektionen ausgepflanzt werden. So kamen die Giganten auch nach Sulz.

Man muss die Größe wirken lassen

Um die Größe besser auf sich einwirken zu lassen, sind vor einigen Jahren „Waldsofas“ aufgestellt worden. Leider sind sie nicht mehr da, dagegen steht noch die Jubiläumsbank, die der Albverein Sulz anlässlich seines 125-jährigen Bestehens 2017 gespendet hat. Von dort hat man ebenfalls einen guten Blick auf die Riesen. Es gibt aber noch weitere Bäume aus den USA. Utzler zeigt auf die Douglasien. Von ihnen erhoffe man sich, dass sie dem Klimawandel besser stand hielten.

Der Blick ins Neckartal Foto: Steinmetz

Die Eichwaldhütte mit der Grillstelle lädt zur Rast ein. Daneben befindet sich das Waldklassenzimmer des Albeck-Gymnasiums.

Norbert Utzler biegt nun in einen Weg ein, den „sonst niemand läuft“. Das Gras und die Brennnesseln stehen hoch. Als Wanderweg wird er nicht gepflegt, doch es ist immer noch der ausgeschilderte Waldlehrpfad, dessen Schilder allerdings sichtlich erneuerungsbedürftig sind.

An der Stumpenhütte vorbei kommt man schon bald auf den Neckartalradweg, dann nach anderthalb Stunden und einer Wegstrecke von etwa fünf Kilometern zurück zum Ausgangspunkt. Für jeden empfehlenswert, der Natur pur erleben will.