Alle großen Anstrengungen waren vergebens: Die 1871 zum damaligen Kriegsende gepflanzte Linde war nicht mehr zu retten.
Im Frühjahr 2025 hatte der Gemeinderat noch einmal Grünes Licht für einen letzten Rettungsversuch der „Friedenslinde“ im Stadtgarten hinter der evangelischen Stadtkirche gegeben. Immer wieder hatten in den vergangenen Jahren Experten die Linde begutachtet und Maßnahmen in die Wege geleitet, doch nachhaltige Verbesserungen wurden dabei nicht erzielt. Aber es half alles nichts: Am Dienstagvormittag rückte um 8.30 Uhr eine externe Fachfirma an, um die großen abgestorbenen Äste zu entfernen bis auf den Stamm, der vorläufig noch stehen bleibt.
Letzter Rettungsversuch ohne Erfolg
Noch im Mai 2025 habe der Baum versucht, kleine grüne Blätter herauszubringen, die allerdings schnell vertrockneten, berichtete Stadtbaumeister Michael Jehle auf Anfrage. In Abstimmung mit dem Umweltschutzamt des Landkreis Rottweil sei schließlich beschlossen worden, den Baum zu fällen. Zu groß sei die Gefahr gewesen, dass ausgetrocknete Äste herunterbrechen. Nach deren Ende soll dort wieder ein Baum gepflanzt werden. Ob es wieder eine Linde wird, sei wegen der Pilzsporen im Erdreich fraglich. Entscheiden wird der Gemeinderat.
Die Linde im Stadtgarten ist ein Baum mit Geschichte: Als am 26. Februar 1871 die Nachricht kam, dass „die deutschen Truppen in Paris einziehen“, war auch für 53 Schiltacher und Lehengerichter der deutsch-französische Krieg zu Ende. „Alle hiesigen Soldaten kehrten heim“, schrieb Hans Harter vom Historischen Verein in einem Beitrag zu den „Friedensfeiern nach dem deutsch-französischen Krieg“ , der am 17. Juni 2021 im Schwarzwälder Boten zum 150-jährigen Kriegsende erschienen war.
Symbol des Friedens seit 1871
Am 18. Juni 1871 gab es ein „Dank- und Friedensfest“ hinter der evangelischen Kirche (damals Turnplatz, heute Stadtgarten), berichtete Harter. Wie davor in Wolfach wurde auch in Schiltach eine „Friedenslinde“ gepflanzt, die zunächst prächtig gedieh und mit den Jahren als Naturdenkmal den kleinen Park beherrschte. Das Ende der Linde möge bei den aktuellen politischen und kriegerischen Entwicklungen kein schlechtes Omen sein, hofft der Historiker Harter, der das Abtragen der Äste verfolgte.