Eine imposante Erscheinung: die Friedenslinde im Schiltacher Stadtgarten. Doch der Baum ist schadhaft. Foto: Sum

Die Friedenslinde im Stadtgarten krankt: Diese bedauerliche Meldung hat die Stadt vor etlichen Wochen verlauten lassen. Inzwischen ist einiges geschehen, um dem geschichtsträchtigen Baum zu helfen. Es besteht die Hoffnung, dass er sich vollständig erholt.

Schiltach - An einem "Kuchenstück-förmigen" Teil in Richtung evangelischer Stadtkirche hatte der Baum in diesem Frühjahr bekanntlich das Grün vermissen lassen – kein gutes Zeichen. "Es hat sich dort Totholz gebildet und kein Laub entwickelt", erinnert Michael Jehle vom Stadtbauamt.

Ein Baumsachverständiger hat sich die 150 Jahre alte Friedenslinde daraufhin angesehen. Seine Erkenntnis: Die Wurzeln des Baums sind nicht mehr überall richtig versorgt. Die Ursache, so erklärt Jehle weiter, liegt wohl in den heißen Sommern der vergangenen Jahre. Dadurch habe sich der Schotter-Sand-Belag, auf dem die Linde steht, "so sehr zusammengezogen, dass er relativ wasserundurchlässig geworden ist", sagt Jehle. Ein weiterer Sachverständiger habe sich der Friedenslinde, die als Naturdenkmal (siehe Infokasten) gilt, angenommen. Die Experten seien sich einig gewesen, was zu tun ist, damit der Baum sich erholen kann.

Boden wird aufgelockert und Düngen soll ebenfalls stärken

So sollte der Boden im Bereich rund um die Linde aufgelockert werden, damit dort wieder mehr Luft ist und das Wasser besser durchkommt. Außerdem rieten sie zu einer Düngung, die der Friedenslinde ebenfalls auf die Sprünge helfen soll. Das alles wurde in den vergangenen Wochen gemacht – seit Anfang August sind die Maßnahmen abgeschlossen, informiert Jehle. Und noch eine Hilfestellung, die wohl augenscheinlichste, gab’s für die Linde: "Der Baum wurde in der Krone kräftig zurückgeschnitten", berichtet Jehle. Davon erhofften sich die Experten, dass der Baum seine Kräfte bündeln kann, weil das Astwerk insgesamt kleiner ist – und er sich so möglichst vollständig von den Strapazen erholt.

Zahlreiche Rückmeldungen aus der Bevölkerung gehen ein

Zu vorschnelle Prognosen möchte Michael Jehle nicht abgeben, aber die Stadtverwaltung ist optimistisch: "Wir gehen derzeit davon aus, dass sich der Baum erholt." Aber es handelt sich nun mal um eine Pflanze, weshalb "es nie eine Garantie dafür gibt", betont er.

Aufgefallen war die schadhafte Entwicklung der Friedenslinde im Frühjahr bei einer Kontrolle durch eine externe Fachfirma. Diese nimmt –­ wie zahlreiche weitere Bäume in Stadtgebiet – die Friedenslinde einmal jährlich genauer unter die Lupe und kümmert sich auch um deren Rückschnitt. Jehle, der sich auf städtischer Seite um die Baumgutachten kümmert, konnte dabei aber auch auf Hilfe aus der Bevölkerung zählen. Zwar war das Problem im Rathaus nach der Kontrolle ja schon bekannt. Aber als die Bäume im Frühjahr allerorts munter austrieben und ihr Grün sprießen ließen – und die Friedenslinde stellenweise eben genau das vermissen ließ – habe es dazu etliche Rückmeldungen von Bürgern gegeben. Sie hoffen nun sicher ebenso wie die Mitarbeiter vom Stadtbauamt, dass sich der Baum erholt und im kommenden Jahr wieder mit einer voll belaubten Krone dasteht.

Info: Naturdenkmal

"Als Naturdenkmal können sowohl Einzelgebilde wie landschaftsprägende Bäume, Felsen oder Höhlen als auch naturschutzwürdige Flächen bis zu fünf Hektar Größe wie kleinere Wasserflächen, Moore oder Heiden ausgewiesen werden", heißt es vom Umweltministerium Baden-Württemberg. Der Schutzstatus der flächenhaften Naturdenkmale sei mit dem eines Naturschutzgebietes vergleichbar: Naturdenkmäler dürften nicht verändert werden. Insgesamt gibt es im Land mehr als 14 000 Naturdenkmale. Die Ausweisung erfolgt durch die unteren Naturschutzbehörden.