Von Problemen mit der Wasserqualität, wie es sie andernorts gibt, ist im Trossinger Naturbad keine Spur. Badleiter Daniel Sasse berichtet, wie das möglich ist.
Blaualgen, E-Coli-Bakterien oder Parasiten in einem Naturbad? Das gibt’s vielleicht anderswo – nicht aber in Trossingen. Im Naturbad Troase passt die Wasserqualität, das wird den Verantwortlichen in regelmäßigen Abständen bescheinigt, wie Badleiter Daniel Sasse im Gespräch mit der Redaktion fröhlich und zufrieden lächelnd berichten kann, während er frühmorgens gerade noch den Beckensauger bedient.
Zweimal täglich misst er oder einer seiner Kollegen den PH- und den Sauerstoffwert und die Temperatur des Troase-Wassers. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollen durch die Fachfirma KLS Gewässerschutz GmbH.
An diese schickt das Troase-Team in durchgetakteten Abständen Proben. Im Labor zeigt sich dann, wie es um das Wasser bestellt ist und welche Organismen drin herumschwimmen.
„Ruderfußkrebse zum Beispiel“, nennt Daniel Sasse da. Diese Minitierchen besiedeln das Gewässer und zählen zum Zooplankton – und sie sind in der Troase mindestens genauso willkommen wie die Badegäste, weil sie ihren wichtigen Teil zum biologischen Gleichgewicht in dem Gewässer beitragen.
Bergmolche und Badegäste
Das wiederum gilt zum Beispiel auch für die Faden-Algen, die an an den Wänden des Beckens und am Boden wachsen. Sie beeinflussen unter anderem den Phosphorgehalt des Wassers. Nur die Teile davon, die lose im Becken herumschwimmen, werden täglich abgesaugt, der Rest darf und soll im Wasser sein und dessen Qualität mit steuern.
„In unserem Bad leben auch Bergmolche“, ergänzt Daniel Sasse außerdem und macht deutlich, dass das auch ganz genau so gewünscht ist und diese Wildtiere, die unter Naturschutz stehen, hier genauso zuhause sind wie die Kröte, die er an diesem Morgen von der Spielplatzrutsche noch flugs ins Gras befördert hat, bevor die ersten Gäste ins Bad kommen.
Im vierwöchentlichen Abstand überprüft auch das SGS Fresenius Institut das Troase-Wasser auf seine chemischen und biologischen Werte. Einmal jährlich bekommt das Bad eine Auswertung der Wasserqualität. Im vergangenen Jahr brachte man es hier auf die sehr gute Note 1,2. Für dieses Jahr liegt noch keine abschließende Bewertung vor, aber Daniel Sasse ist jetzt schon sehr zuversichtlich, was das angeht: „Im Moment sieht es so aus, dass es sogar noch besser als letztes Jahr wird.“
Das hängt auch damit zusammen, dass das Wasser diesen Sommer nicht allzu lange am Stück allzu warm war. Nur, wenn über die Dauer von zwei Wochen 25 Grad Wassertemperatur überstiegen werden, wird es knifflig. Zur Regulierung wird Frischwasser zugeführt. Insgesamt gelten für das Naturbad strengere Vorschriften als zum Beispiel in Badeseen.
Die Wasserqualität im Griff zu haben, ist für Daniel Sasse und sein Team eine wichtige Priorität. Sie schaffen es, die vier Millionen Liter ohne Einsatz von Chemie in Schuss zu halten. Der Badleiter betont aber auch bescheiden, dass das System zwar komplex, aber im Grunde auch simpel ist: „Die Biologie muss stimmen“, bringt er das Erfolgsrezept auf den Punkt.
Das Prinzip Naturbad
Keine Chemikalien
Die Troase ist ein künstlich angelegtes, naturnahes Freibad. Die Wasseraufbereitung erfolgt hier durch biologisch-mechanische Prozesse ohne Einsatz von Chemikalien. Die Wasserflächen sind in einen Badebereich und einen bepflanzten Regenerationsbereich aufgeteilt, hier stehen unter anderem Schilfstauden, die unter anderem Phosphor aufnehmen. Im Regenerationsbereich findet die Wasseraufbereitung statt, großteils in einem separaten Filterbecken.
Die Reinigung
Das Teichwasser wird über die Dauer von 24 Stunden einmal komplett durchgefiltert, und zwar über die eingebauten natürlichen Filteranlagen aus gestuften Sanden und Kiesen und vor allem über das im belebten Wasser vorhandene Phyto- und Zooplankton. Daneben finden regelmäßige Pflegemaßnahmen statt. Das Wasser des Badebereichs wird an der Oberfläche abgesaugt, fließt durch die verschiedenen Pflanzen-, Sand- und Kiesfilter der Regenerationsbecken und wird dem Schwimmbad am Ende klar und gereinigt wieder zugeführt.