Zwischen Freude, Enttäuschung und und Pragmatismus liegen die Reaktionen der lokalpolitischen Akteure nach der Klatsche für das Naturbad beim Bürgerentscheid am Sonntag.
Das Ergebnis war eindeutig: Etwa zwei Drittel der Wähler (64,7 Prozent / 5944 Stimmen) haben sich am Sonntag für ein konventionelles und gegen ein Naturbad ausgesprochen. Immens war auch die Beteiligung an der Abstimmung mit beinahe 61 Prozent (9000 Stimmabgaben).
Große Zufriedenheit bei CDU
„Die CDU-Fraktion nimmt dieses Ergebnis mit großer Zufriedenheit zur Kenntnis. Nicht weil wir Recht behalten wollten, sondern weil die Bürger in einer Frage, die sie unmittelbar betrifft, endlich selbst entscheiden durften“, schreibt Fraktionssprecher Thomas Kuri in einer Stellungnahme. Die CDU hatte sich als einzige Gemeinderatsfraktion von Beginn an gegen das Naturbad – oder doch zumindest für eine intensivere öffentliche Diskussion und Bürgerbeteiligung vorab – positioniert. Schon das erfolgreiche Bürgerbegehren habe gezeigt, „wie tief der Wunsch nach Mitsprache in dieser Frage war – „das gestrige Ergebnis bestätigt das eindrucksvoll.“
„An diesem Wort werden wir ihn messen“, schreibt Kuri zum Versprechen von Bürgermeister Dirk Harscher, die konventionelle Sanierung nun mit Herzblut voranzutreiben. Ebenso begrüße man dessen Zusage, die Bürgerschaft an der Ausgestaltung des Bades zu beteiligen – „das hätte von Anfang an so laufen müssen“.
Nun brauche Schopfheim zügig eine seriöse Planung für die konventionelle Variante – mit transparenten Kosten, mit Prüfung aller verfügbaren Förderprogramme und mit dem Ziel, die heutige Wasserfläche zu erhalten“; eine schrittweise Sanierung der Schlüsselbereiche sei eine realistische Option, die der Stadt die nötige finanzielle Flexibilität gebe. „Jetzt gilt es, die Gräben zu überwinden und gemeinsam das Schwimmbad für die nächste Generation zu sichern“, betont Kuri abschließend
Das Thema habe „die Menschen die letzten Monate zunehmend emotional bewegt“, halten die Freien Wähler im Rückblick fest – das eindeutige Wahlergebnis nehme man selbstverständlich an. „Da nun die Sanierungsvariante klar ist, richtet sich unser Blick nach vorn auf eine bestmögliche Umsetzung im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten.“
„Kompromisse nötig“
„Um im Finanzrahmen zu bleiben und mehrere vielleicht konkurrierende Interessen in Einklang zu bringen, wird das Eingehen von Kompromissen nötig werden“ prophezeit Fraktionssprecherin Hildegard Pfeifer-Zäh und schließt: „Im Umgang miteinander hoffen wir auf einen sachlichen und konstruktiven Austausch.“
Deutlich schmallippiger als CDU und Freie Wähler äußert sich die SPD: „Die SPD-Fraktion respektiert diese Entscheidung und wird sich bei der weiteren Planung entsprechend positionieren“. Die Grünen waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Namens der IG Sport- und Familienbad hatte Maria Brokatzky schon am Sonntag ihre Freude ausgedrückt. In einer Stellungnahme von Montag formuliert die IG konkrete Erwartungen an den weiteren Prozess – von der zeitnahen Beauftragung eines Fachbüros über die Prüfung von Förderprogrammen, Bürgerbeteiligung und die Prüfung einer schrittweisen Sanierung um den Badbetrieb möglichst wenig zu unterbrechen. „Die IG erklärt ihre uneingeschränkte Bereitschaft, den weiteren Planungsprozess mit ihrer fachlichen Expertise konstruktiv zu begleiten und Verantwortung für die Zukunft des Schwimmbads zu übernehmen“, heißt es abschließend.
„Emotionen auf null setzen“
Bürgermeister Harscher hatte das klare Ergebnis bereits am Wahlabend gewürdigt und versprochen, im zweiten Anlauf die Bürger stärker zu beteiligen. Für diesen Neustart gelte es, „die Emotionen auf Null zu setzen“, sagte Harscher mit Blick auf die aufgewühlten Diskussionen der vergangenen Monate. Für detaillierter Infos zum weiteren Vorgehen war er am Montag nicht zu erreichen .