Dieser Biber wurde an Weihnachten mit einer Nachtsichtkamera im Bereich Martinsweiler aufgenommen. Entgegen zu setzen gibt es dem gefräßigen Nager aber wenig. Foto: Privat

Es wird langsam, aber sicher zu einer Landplage: Biber breiten sich zwischen Martinsweiler, der Nonnenmühle und bis an den Königsfelder Kreisverkehr in Richtung Mönchweiler aus. Allerdings sind den Betroffenen vor Ort die Hände gebunden, da die Tiere unter strengem Naturschutz stehen.

Drakonische Geldstrafen oder sogar eine Gefängnisstrafe drohen, wenn ein von einem Biber gebauter Damm zerstört wird.

 

Einer, der ein Liedchen davon singen kann, ist Jürgen Bender. Der Besitzer des früheren Gasthofs Nonnenmühle zwischen Burgberg, Hardt und Buchenberg hat ein ungutes Gefühl, seitdem sich ein Biber am vorbeifließenden Glasbach breit gemacht hat. „Das Wasser könnte empfindlich steigen. Bis es die Häuser erreicht, müsste zwar einiges passieren. Aber ganz wohl ist mir dabei nicht“, gesteht er. Zudem seien auch die frei stehenden Stromleitungen in Gefahr, wenn der Biber Bäume anknabbert und diese dann unkontrolliert umkippen.

Auch zwei Kilometer weiter – in Martinsweiler zwischen der Ruine Waldau und dem Golfplatz – ächzen die Grundstückseigentümer unter einem oder mehreren gefräßigen Neuankömmlingen. „Vor vier Jahren hat es am Roggenbächle angefangen“, seufzt ein Anwohner.

Wie bei Hase und Igel

Seither ist es wie beim Hase und dem Igel: Der Biber versucht Tag für Tag, den Abfluss eines Weihers zu verstopfen. Der Eigentümer entfernt mühsam das Unterholz, Reisig und Äste, um den Abfluss wieder freizubekommen. „Das muss ich jeden Tag machen. Zwei mal“, klagt er. Bevor er ins Bett gehe, schaue er nach dem Abfluss und frühmorgens wieder. „Das habe ich schon alles heraus geholt“, sagt er und zeigt auf einen riesigen Stapel von Holz.

Würde er das nicht machen, würde der Damm überflutet und das Wasser würde unkontrolliert die darunter stehende, historisch wertvolle Hausmahlmühle überfluten.

Ein willkommener, seltener Gast hat ebenfalls wegen des Bibers Reißaus genommen: „Dort hat immer ein Eisvogel genistet. Den habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, so der Anwohner.

Wasserqualität leidet

Zudem verschlammt der Weiher durch das Aufstauen, worunter die Wasserqualität ebenso leidet wie die Pflanzen wie Wasserlilien. Die Dämme des Bibers erschweren auch den Durchlauf für Fische wie Bachforellen, deren Bestand durch Fischreiher ohnehin schon geschwächt sind. Auch Straßen werden durch das gestaute Wasser der Dämme unterspült – wie beispielsweise in der Senke kurz vor dem Ortseingang Königsfeld aus Richtung Hardt.

Längst ist in Martinsweiler eine Nachtsichtkamera aufgehängt, wo das Geschehen in der Dunkelheit sichtbar wird. Aufnahmen zeigen, wie der Biber mit Wonne an den Stämmen der Eschen knabbert – bis diese mit einem lauten Knall umstürzen. „Das hört man nachts immer wieder“, sagt der Anwohner und verweist auf eine Vielzahl von abgenagten Stämmen. 15 Ster Brennholz gab es so unfreiwillig hinzu. Früher hätten sich noch Rehe zwischen den Bäumen versteckt – aber das ist längst nicht mehr möglich, da alles ausgedünnt ist.

Geschickter Baumeister

„Der Biber ist sehr fleißig und ein überaus geschickter Baumeister“, sagt der Anwohner angesichts dessen Baukünsten. Ein Damm wird fein säuberlich angelegt und mit feinem Material wie ausgegrabenen Wurzeln verstärkt, so dass er überaus stabil ist.

Hausen tut der Biber in einer sogenannten Burg. Auch diese ist stets raffiniert nach dem gleichen Muster angelegt: Der Zugang ist im Weiher unter Wasser. Von dort gräbt sich der Biber einen großen Hohlraum über dem Wasserspiegel, wo er dann lebt.

Mittlerweile dürfte sich der Biber in Martinsweiler fortgepflanzt haben. Die nächste Generation hat am Roggenbächle bereits einen zweiten Damm errichtet, so dass aus dem früheren Rinnsal ein relativ breiter Bach wurde.

Bestand steigt explosionsartig

„Was macht die Naturschutzbehörde? Was macht der Staat? Man wird alleine gelassen“, klagt ein weiterer Anwohner an. Es werde lediglich mit Strafen gedroht. Lösungen würden keine angeboten. Die einzige Unterstützung besteht in Stahlmatten, die um die Bäume gewickelt werden können, damit der Biber sie nicht anfressen kann. „Dann sucht er sich halt 100 Meter weiter andere Bäume“, sagt der Anwohner achselzuckend. Wie beispielsweise auch Kormorane können sich die Biber aufgrund des Schutzes ungehindert ausbreiten. Die Biberbestände steigen daher in den vergangenen Jahren explosionsartig. Eine Lösung ist nicht in Sicht.