Der Umgang mit dem Biber zeigt sich rund um Donaueschingen zwischen Konflikten und Lösungen. Dabei suchen Landwirte, Kommunen und Umweltbüros nach praktischen Lösungen.
Die grün-schwarze Landesregierung hat Ende Januar eine neue Biber-Verordnung erlassen, um Konflikte mit dem wachsenden Bestand zu entschärfen. Aktuell wird der Biberbestand auf 12.400 Tiere in Baden-Württemberg geschätzt. Biber sind streng geschützt.
Beschwerden gibt es unter anderem wegen Problemen an Trinkwasserbrunnen und Kläranlagen, Unfällen durch Überflutung, Schäden an Verkehrsanlagen und nicht zuletzt in der Landwirtschaft. Wenn es keine zumutbaren Alternativen gibt, sollen Biber nun unbürokratisch von Fachleuten vergrämt und als letztes Mittel auch getötet werden dürfen.
Für Naturschützer gilt der Biber als ökologischer Architekt – für Landwirte und Kommunen hingegen oft als Problemfall. Kaum ein anderes Tier greift so massiv in seine Umwelt ein.
Die Folgen sind aus ökologischer Sicht beeindruckend: Der Wasserabfluss wird verlangsamt, Feuchtgebiete entstehen, die Artenvielfalt nimmt zu. Pflanzen, Insekten, Amphibien und Vögel profitieren, ganz ohne menschliches Zutun oder finanzielle Mittel. Doch genau diese Eingriffe bringen den Biber zunehmend in Konflikt mit menschlicher Nutzung.
Betroffen durch Biberschäden sind nach wie vor Landwirte wie Johannes Schwörer, Vorsitzender des BLHV-Kreisverbandes Donaueschingen: „Der Biber hat sich auch im Städtedreieck weiter vermehrt und demzufolge auch territorial ausgebreitet. Die Anwesenheit des Bibers und damit seine Nagetätigkeit teilweise an schützenswerten Baumbeständen wird mittlerweile von der ganzen Bevölkerung wahrgenommen und größtenteils kritisch bewertet, weil auch die Kosten für die Schutzmaßnahmen vom Steuerzahler zu tragen sind“, so Schwörer.
„Was sich gegenüber den Anfangszeiten der Biber-Ansiedelungen positiv geändert hat, ist die Tatsache, dass Betroffene bei den zuständigen Stellen eher Gehör finden und dann gemeinsam und frühzeitig Möglichkeiten der Schadenbegrenzung gesucht werden.“
Biber als Herausforderung
Thomas Meyer, BLHV-Bezirksgeschäftsführer, weist auf die zunehmenden Kosten für Gemeinden und Landwirte durch Biberschäden hin, stellt aber auch fest, dass es zahlreiche Bereiche gebe, in denen der Biber einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leisten kann, ohne Nutzungskonflikte zu verursachen. In anderen Bereichen sei jedoch ein gezieltes und umsichtiges Eingreifen erforderlich, um bestehende Infrastrukturen zu schützen und erhebliche Folgekosten für die Allgemeinheit zu vermeiden.
Johannes Geißler, Biotopvernetzungsbeauftragter der Stadt Hüfingen, hat in seinem Aufgabenbereich viel und immer öfter mit dem Biber zu tun. Er denkt, dass infrastrukturelle Probleme wohl mehr werden. Ernste Probleme gebe es vor allem bei Aufstauungen und Unterhöhlungen Richtung Straßen.
Außerdem habe es auch schon Eingrabungen in einen Sportplatz gegeben. Ein weiterer Punkt sei die dauerhafte Erhöhung des Wasserspiegels bei Unterführungen von Straßen und Bahndämmen. Hier sei sowohl regelmäßige Kontrolle als auch Eingreifen (Dämme kontrolliert absenken) wichtig.
Für die Landwirtschaft gebe es in Teilen auch Probleme. Dabei gehe es größtenteils nicht um Überflutungen von kleineren Teilabschnitten, sondern durch die Aufstauungen im Bereich der Drainagen-Einläufe. Dadurch sei die Entwässerung großflächig nicht mehr gegeben. Die Probleme zu beseitigen, sei mit Kosten für den städtischen Haushalt verbunden. Betonen möchte er jedoch, „dass der Biber auch auf Hüfinger Gemarkung einige Biotope geschaffen hat und sich in Bereichen ansiedelt, in denen er die Landschaft positiv beeinflusst beziehungsweise gestaltet. Beispiele hierfür sind zwischen Lidl-Lager und B31 oder auch am Behlamer Weiher an der B 27.“
Dämme unter Kontrolle
Für Bräunlingen sagt Alexander Vogelbacher vom Stadtbauamt, dass der Bauhof regelmäßig damit beschäftigt sei, die Biberdämme zu kontrollieren und bei Bedarf zu reduzieren. Die Tieraktivität verlagere sich dadurch möglicherweise teilweise, sie sei jedoch insgesamt nicht unbedingt zurückgegangen.
Seit Jahren immer mit den Problemen um den Biber beschäftigt ist Stefany Lambotte vom Umweltbüro Donaueschingen. Im Laufe der beiden vergangenen Jahre blieb die Zahl an Beschwerden beim Umweltbüro unverändert. Viele altbekannte Biberdämme werden von den Bauhöfen der Kommunen regelmäßig kontrolliert und in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde auf einer Höhe gehalten, in der die Landwirtschaft möglichst nicht beeinträchtigt wird.
Wo immer möglich, nutzen die Kommunen das Vorkaufsrecht, um Gewässerrandstreifen anzukaufen. Dies diene zum einen einer naturnahen Entwicklung der Uferrandstreifen und der Bildung von Pufferstreifen zur landwirtschaftlichen Nutzung. Zum anderen könne damit, gerade in Bereichen mit hoher Biberaktivität, auch bestehende Probleme mit landwirtschaftlicher Nutzung entschärft werden. Der Ankauf von Gewässerrandstreifen stelle eine Verbesserung der Lebenssituation für Biber dar, da sie hier mehr Raum erhalten.
Infrastruktur gefährdet
Es gebe auch immer wieder schwierige Bereiche, etwa bei Brücken und Durchlässen, wo die Infrastruktur durch Dammbau gefährdet werden könnte. Konkret habe das Umweltbüro in den letzten beiden Jahren für die Städte etliche Gehölzschutz-Maßnahmen vorgenommen, tote Bäume fällen oder abgebrochene Ufer in der Nähe von Wegen auffüllen lassen.
Etliche Maßnahmen erfolgten aber auch direkt durch die Städte, ohne dass das Umweltbüro direkt eingebunden sei. Ihre Erfahrung sei, dass der Umgang mit dem Biber durch die Kommunen routiniert ablaufe und auch die Abstimmung mit dem Landratsamt über nötige Dauereingriffe gut funktioniere.
Hintergrundinformation
Biber-Verordnung
Durch die neue Biber-Verordnung soll es leichter möglich sein, Biber zu vergrämen oder in besonders schweren Fällen zu töten, wenn sich der Konflikt mit dem Tier nicht auf eine andere zumutbare Art lösen lässt. Der damalige Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte Anfang des Jahres dazu: „Wo durch den Biber die Gesundheit von Menschen gefährdet ist oder wo ernste wirtschaftliche Schäden drohen, müssen wir handeln.“