Faxen machen! So verliert man schnell die Scheu voreinander. Naturschützerin Sabine Reußink (rechts) macht‘s vor – die Kinder und ihre Begleiter Kerstin Rother, Helga Bumiller und Fabian Dehner machen es nach. Foto: Sabine Hegele

Spielerisches Lernen mitten im Wald: Das rollende Naturschutzlabor des Regierungspräsidiums Tübingen besuchte die Buben und Mädchen des Grosselfinger Kindergartens St. Josef.

Sind Stadtkinder der Natur weniger nah als Buben und Mädchen, die „auf dem Land“ aufwachsen? Wahrscheinlich. Liegt wohl „in der Natur der Sache“. Neugierig aber ist gewiss jedes Kind – die Kleinen aus dem Grosselfinger Kindergarten St. Josef vielleicht noch ein kleines bisschen mehr als andere. Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als sie jüngst Gäste des Ökomobils des Regierungspräsidiums Tübingen waren.​

 

Mitten im Grosselfinger Wald hatte es Station gemacht. Als es von den Kindern, begleitet von Helga Bumiller, Kerstin Rother und Fabian Dehner (Praktikant in der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger bei der Lebenshilfe in Bisingen) nach einem kurzweiligen Spaziergang von Weitem schon entdeckt wurde, war die Begeisterung groß. Mit offenen Armen in Empfang genommen wurden die Buben und Mädchen von Sabine Reußink, Naturschützerin mit einem Studium der Geografie.​

„Sehr sinnerfüllend“​

Seit dem Jahr 2002 ist sie mit „wachsendem Spaß“ für den Landesnaturschutz tätig. Im Freien zu arbeiten ist für sie ein Privileg.

Was könnte es Schöneres geben, fragt sie, als die Tür des Ökomobils (nach Grosselfingen hat sie ein erst vor einem Jahr in Betrieb genommenes Naturschutzlabor gesteuert) zu öffnen – „und die Vögel zwitschern zu hören“. Ihre Arbeit für und mit allen Generationen – vom Kind bis zum Senior – nennt sie „sehr sinnerfüllend“.

​Sie sei, ergänzt Sabine Reußink, in einem „wichtigen Aufgabenfeld“ tätig, denn, lehrt sie ihr tägliches Schaffen: „Wir haben so große Probleme. Wir leben so sehr in unserer eigenen Bubble. Uns fehlt der Bezug zur Natur.“​ Dem entgegen gearbeitet wird im Grosselfinger Kindergarten nach Kräften. Nachhaltigkeit ist dort ein großes Thema. Im Alltag werde dem Nachwuchs vermittelt, Ressourcen zu schützen, erklärt Erzieherin Helga Bumiller. Regelmäßige Waldtage gehörten ebenfalls zum Programm. Um den Besuch des (so gut wie ganzjährig ausgebuchten) Ökomobils sei bereits im Januar ersucht worden. Jetzt also war es vor Ort – und die Freude groß.​

Ein Team werden​

Im Rahmen des „Klimahelden“-Projekts kamen die „Großen“ des Kindergartens, also jene, die im Sommer in die Schule kommen, in den Genuss, sich ganz und gar auf die Natur einzulassen. 15 Mädchen und Jungen an der Zahl. Das „Öko-Abenteuer“ startete mit einem teambildenden Spiel: Stell dir vor, du bist ein Eichhörnchen und auf der Flucht vorm Fuchs – was tust du? Du flüchtest auf einen Baum! Und wenn nur ein einziger Baum zur Verfügung steht? Dann rückst du ganz, ganz eng zusammen! Diese Herausforderung meisterten die Kinder ganz wunderbar, worauf ihnen Sabine Reußink die Tür ins Innere des Naturschutzlabors öffnete. Spannend!

​Doch nicht nur dieser Blick, das Sitzen und Werkeln im Ökomobil fand die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Nachwuchses – auch der Spurensuche im Wald wurde sich mit Hingabe gewidmet. Hintergrund: Sabine Reußink wollte die Sinne der Kleinen schärfen. Dazu hatte sie im Vorfeld Holztiere in Originalgröße in der Umgebung versteckt: ein Reh, einen Hirsch, ein Wildschwein, eine Maus, einen Salamander, einen Specht, einen Eichelhäher… Durchs Dickicht auf Erkundungstour – welch ein Spaß!

So macht das Lernen Spaß

​Ja, den hatten die Mädchen und Buben des Grosselfinger St.-Josef-Kindergarten – zugleich haben sie jede Menge über die Umwelt, die Natur und ihre Bewohner erfahren. So macht das Lernen Freude – auch im Hinblick auf den Schulstart im Sommer!​

Das Ökomobil hat es in sich

Im Ökomobil
 gibt es alles, was es braucht, um zusammen Tiere, Pflanzen und Lebensräume zu erkunden: Stereomikroskope, Ferngläser, Sammelutensilien, Bestimmungsbücher, Geräte zur Boden- und Gewässeruntersuchung und anderes mehr. Mithilfe einer Video-Projektion können kleine Funde ganz groß gesehen werden, können Ergebnisse präsentiert und Beobachtungen diskutiert werden.​

Der Strom
 dafür wird aus Solarzellen auf dem Dach des Fahrzeugs gewonnen. Im Inneren bietet das beheizbare Ökomobil an sechs Tischen Raum für maximal 24 Arbeitsplätze.​

Seit 1987
ist das rollende Naturschutzlabor unter dem Motto „Natur erleben, kennenlernen, schützen“ in Baden-Württemberg unterwegs. Es ist eine Einrichtung der Staatlichen Naturschutzverwaltung des Landes Baden-Württemberg.​