Der Torf ist ein Brennmaterial aus früheren Zeiten, und somit ist auch die damals schwere Tätigkeit des Torfstechens fast vergessen. Heute zeigt sich das Plattenmoos als ehemaliges Hochmoor mit großer Biotopvielfalt.
Das Plattenmoos mit Fichten-Beständen sowie Hoch- und Übergangsmoorflächen mit Moorwäldern und Bruchwaldgebüschen, Nass- und Feuchtwiesen ist ein Fördergebiet im Naturgroßprojekt Baar.
Das Plattenmoos erstreckt sich über 56 Hektar Fläche, die sich auf den Gemarkungen Überauchen, Tannheim und Pfaffenweiler fast gleichmäßig verteilen. Den Schnittpunkt der Gemeindegrenzen ziert ein Grenzstein von über 1,20 Meter Höhe, 80 Zentimeter Breite und 40 Zentimeter Stärke mit der eingeschlagenen Jahreszahl 1731.
Grenzstein nur zu Fuß zu erreichen
„Den suchen wir heute“, erklärt Josef Vogt gegenüber unserer Redaktion und zeigt sich zuversichtlich, diesen Stein zu Fuß erreichen zu können. „Die Erde ist noch gefroren, da können wir gut laufen“, verspricht er.
Auf dem ersten Weg ab der Straße zwischen Tannheim und Pfaffenweiler musste man umdrehen, das war nicht richtig. Am nächsten Weg meinte Vogt, hier könne man das Auto stehen lassen und laufen, es sei nicht mehr weit. Sein Empfinden zwischen „nicht weit“ und „hier kann man gut laufen“, deckten sich nicht ganz mit dem Empfinden der Mitarbeiterin der Redaktion.
Dann ändert sich die Situation
Nach rund 100 Meter auf einem gut begehbaren Feldweg änderte sich die Situation. Auf die Frage, was das für große Löcher im Boden seien, antwortete Vogt: „Hier haben Wildschweine nach Futter gewühlt, aber die Löcher sind gefroren.“ Waren sie nicht und die mit Eis zugedeckten Wildschweinspuren erwiesen sich als hinterhältig, das Eis brach ein, darunter war schwarzes Wasser und Schlamm. Zum Graben mit Wasser und brüchigem Eis erklärte Vogt, diese Gräben habe man früher gezogen, um das Moor zu entwässern und den Torf stechen zu können.
Ab dem 17. Jahrhundert Torf abgebaut
Schon im 17. Jahrhundert sei hier an verschiedenen Stellen Torf als Brennstoff gestochen worden, erläutert Vogt. In den Gemeindeakten von Überauchen sei dies ab 1805, Jahr für Jahr bis zum Jahr 1936 akribisch festgehalten worden, fährt er fort.
„Doch wo ist der Grenzstein?“ „Nicht mehr weit, ganz da hinten sehe ich ihn.“ Nichts ist zu sehen hinter vielen kreuz und quer liegenden Baumstämmen und Eispfützen.
Verschlammte und nasse Schuhe
Mit Blick auf ihre verschlammten, nassen Schuhe, überreicht ihm die Mitarbeiterin der Redaktion ihr Handy und meint: „Ich warte hier, machen Sie ein tolles Foto.“
Vogt ist lange weg, endlich kommt er zurück und räumt ein, er sei nicht bis zu dem Grenzstein, der ja so nah sein sollte, durchgedrungen. Große querliegende Bäume und viel Wasser hätten ihn gestoppt.
Die Stimmung steigt – denn jetzt geht es zurück zum rettenden Auto. „Den Grenzstein suchen wir an einem anderen Tag.“ Vogt erzählt, dass in den Anfangsjahren der Torfstecherei jeder Bürger seinen Bedarf selbst stechen durfte, was zu Streitereien führte. Deshalb versteigerte die Gemeinde jedes Jahr im Laufe des Monats April den Torfstich im Moos. Es wurden Verträge aufgesetzt mit den Bedingungen, dass die Arbeit das Graben, Wenden und Setzen des Torfes beinhaltete. Es durften nicht mehr als 1000 Stück Boschen an einen Haufen verbracht werden. Die Boschen seien auf elf Zoll Länge, vier Zoll Breite und 2,5 Zoll Dicke zu graben.
Der Torfstich musste so hergestellt sein, dass durch das Graben des Torfes das Torflager keinen Schaden erlitt. Die Genehmigung behielt sich der Gemeinderat vor.
Maße entsprachen der Größe eines Backsteins
Die vorgeschriebenen Maße eines Boschen entsprachen der Größe eines Backsteins.
Vogt überlegt, dass der schwere Grenzstein im Winter bei gefrorenem Boden mit dem Schlitten an seinen Standort im Moos gebracht wurde. Die Geschichte mit dem Plattenmoos geht sicher noch weiter – aber dann mit Gummistiefeln.